Ich sage Daaaaankeschön!

Nachdem das mit dem Prinzessinnen Dasein nicht so gut geklappt hat (Bisher: Keine Krone! Kein Prinz! Kein Schloß! Kein Kleid! Kein Frosch! Kein Bär! Einfach gar nichts hat geklappt!), bin ich nun seit Mittwoch wieder im Büro und starre meinen Bildschirm an. Er starrt zurück und scheint darauf zu warten dass ich irgendetwas für oder mit ihm tu. Nach ca. 2 stündigem gegenseitigem Starren in mein unglaublich gefülltes Emailpostfach, finde ich den Browser und öffne Facebook. Nur mal kurz schauen, was so los ist bei meinen Freunden und Bekanntschaften und äh – Leuten, die ich nur einmal im Leben getroffen habe, aber die alle ein scheinbar viel interessanteres Leben als ich führen. Kirsten grinst mich ganz oben auf meiner Timeline aus Kambodscha an, vor ihr ein Teller frittierter Taranteln. Ob sie die Dinger wirklich probiert hat? Martin ist jetzt in Kuala Lumpur. Schön für ihn. Christine hat ihr Profilbild geändert. Man sieht sie nur von hinten. Sie starrt aufs Meer. Soll wohl verträumt-sehnsüchtig wirken. Ich starre nur in meinen Bildschirm. Immer noch. Aber Facebook ist immerhin interessanter als mein Emailpostfach.

Wer verschickt eigentlich Emails zwischen Weihnachten und Neujahr? Warum beschäftigen sich Menschen mit IT-Projekten, Testmanagement und dem Protokollieren von Entscheiderkreisen? Warum sitzen sie nicht einfach unter ihrem grünen Tannenbaum, essen Christstollen und spielen mit Ihren Kindern und deren Carrera-Rennbahnen?

Na ja, nicht alle schicken Emails. Die meisten sind irgendwo am Strand, in der Sonne, mit coolen Leuten unterwegs, erleben Abenteuer, fahren Ski mit Freunden, machen einen Fallschirmsprung oder heiraten gerade. Wenn man sich meine Timeline bei Facebook so anschaut könnte man meinen der Welt geht es ziemlich gut.

Ich mache dabei auch mit. Poste immer nur wenn es mir gut geht. Will ja mit meinen Facebookfreunden mithalten. Letztes Jahr habe ich noch ein Bild von meiner coolen Silvesterparty aus Bangkok gepostet. Dass ich dieses Jahr kurz nach Neujahr eine Stunde durchgeheult habe, habe ich in meiner Timeline lieber nicht erwähnt. Wäre ja auch verrückt. Dann würde der Ex denken dass es mir nicht gut geht. Und das stimmt ja nicht. Das stimmt wirklich nicht! Ich ärgere mich darüber dass ich mir manchmal versuche einzureden, dass mein Leben langweilig und unvollständig ist. Aber eigentlich geht es mir ziemlich gut. Ich habe eine liebe Familie, viele Freunde (und zwar im richtigen Leben, nicht nur auf Facebook), ich bin gesund, habe Arbeit und ein Dach übern Kopf. Ich kann mir einen teueren Flug nach Mittelamerika oder Asien leisten und fremde Kulturen entdecken, während die Leute da, Deutschland wahrscheinlich nie kennenlernen werden. Deswegen versuche ich mich dieses Jahr nicht nur im Optimismus, sondern auch in Dankbarkeit.

Danke, dass ich diesen Job habe, der mir keinen Spaß macht, bei dem ich aber gut verdiene und mir somit tolle Zalandopäckchen liefern lassen kann, Urlaub buchen kann und Sushi und Tapas mit Freunden essen gehen kann.

Danke für meine lieben Freunde, die teilweise leider viel zu weit weg wohnen und mit ihren Kindern einen Fulltime Job haben, aber die besten Freunde der Welt sind. Mich so lieb haben wie ich bin. Mich trösten wenn es mir schlecht geht und tolle Dinge mit mir unternehmen.

Danke dafür dass ich gesund bin, auch wenn ich mir gleich beim ersten Skitag im neuen Jahr, den Arm geprellt habe und der Arzt immer noch nicht weiß, ob es vielleicht doch ein feiner Bruch ist. Ich bin gesund. Habe weder HIV, noch Leukämie, noch Krebs – noch sonst eine schlimme Krankheit.

Danke für eine kleine Wohnung, die zwar ar…. teuer ist und ich schon in vielen Hotelzimmern geschlafen habe, die größer als meine 36m² waren, aber sie ist meine Oase. Sie liegt zentral in einer der schönsten Städte Deutschlands und nur einen Katzensprung von den Bergen, schönen Seen und grünen Wiesen entfernt. Ich habe sie selbst eingerichtet. Hier ist es kuschelig und warm und meine Couch ist soooo bequem.

Danke auch Mama und Papa für die guten Gene. Auch wenn Ihr es nicht geschafft habt zusammen zu bleiben, bevor mein Bruder oder ich ein Enkelkind in die Welt setzen konnten. Ich bin so blooooooond, soooo semmelblond, dass ich meine Haare nie färben muss und ich kann essen wie ein Scheuendrescher und nehme nicht zu (dafür hassen mich bestimmt jetzt Einige).

Zu guter Letzt ein Dankeschön an Euch, dass Ihr meinen Sarkasmus versteht und meinen fehlenden Optimismus nicht verurteilt.

Happy sunday!

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7 Kommentare

  1. Du schriebst von deiner Wohnung als deine Oase. Passend dazu ist Facebook eine Fata Morgana und was für eine. Wenn man so überlegt, wie Entertainer so lebten, dass sie sich betranken, um dann für den Auftritt fröhlich zu sein. Dazu gabs noch schöne Fotos auf Hochglanz und wir hielten sie für glückliche Menschen und wollten auch so sein. Jetzt haben wir es selbst geschafft. Wir trinken am Abend, weil wir feiern gehen und dabei gut drauf sein müssen. Und wir machen diese Bilder, die Sehnsüchte wecken und präsentieren sie unserem Publikum (oder meinte ich Freunde?). Und wir erkennen, dass diese Entertainer zwar ein schönes Leben gehabt haben können, aber wir kennen nur das Abziehbild und das Poster davon. Das wahre Leben findet aber eben nicht auf den schönen Bilder auf FB, sondern im Kreis der Freunde statt.

  2. Ich glaub FB hat die besten Zeiten hinter sich. Ich bin da nur noch um meinen Blog bekannt zu machen, oder bekannt zu halten. Gut die Erinnerung an Geburtstage ist toll.

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