Mañana banana – Eine Reise nach Kuba ersetzt den Psychiater

Nach meinem fast 3 wöchigen Trip nach Kuba bin ich wieder ganz mit mir im Reinen. Meine Augen leuchten, braungebrannt und zufrieden begrüße ich die Tage. Fremde Leute erhalten von mir ein Lächeln, ich helfe der Nachbars Omi mit ihren Einkäufen und ich flirte mit dem Typen, der mir eine Wurstsemmel verkauft.

Danke Kuba! Danke an all die kubanischen Muchachos, die das innerhalb kurzer Zeit geschafft haben. Ich kann nur sagen eine Reise nach Kuba ist besser als ein Gang zum Psychiater.

Ich wache auf wenn es mein Körper für richtig befindet. In Deutschland ist das selten vor 10Uhr, in Kuba bin ich um 8 hellwach und werde von den Sonnenstrahlen, die durch das Fenster der casa particular brechen, geweckt. Eine Shorts und ein Top und ich bin fertig für den Tag. Styling brauche ich hier nicht, denn auf der Straße treffe ich Leute die mich nicht nach Oberflächlichkeiten beurteilen. Meine blonden Haare reichen vollkommen aus für ein „Hola chica linda!“ Für mein Frühstück nehme ich mir Zeit. Auf der Dachterrasse der Casa serviert mir der Gastgeber frische Bananen, Papaya, Ananas und Guave. Dazu Tortilla, Brot und Kaffee. Von weitem höre ich den Banana-Mann durch die Straßen seine Ware auf Spanisch anpreisen, was für mich wie ein kubanisches Lied im Ohr klingt: „Mañana banana“ Welch herrlicher Reim! Ich muss die Worte mehrmals wiederholen. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute – bis meine Reisebegleitung einen Brechreiz bekommt. Aber mal ehrlich: Gibt es ein Wortpaar was schöner klingt als „Mañana banana“?

Beim Bummel durch die alte Kolonialstadt Trinidad grüßen mich fremde Leute. Und einer sagt im Vorübergehen „You are the most beautiful flower I have ever seen in my life.“ Jetzt muss ich lachen, denn das ist selbst mir eine Spur too much, aber schön finde ich es trotzdem. Schließlich hat es mich zum Lachen gebracht. An der nächsten Straßenecke stehen ein paar Kubanos mit Gitarren, Trommeln und einem Bass und ein paar Touristen versammeln sich vor ihnen, lachen, klatschen und werden zum Tanzen aufgefordert.

Überall auf Kuba bringen die Menschen mir Lebensfreude und Herzlichkeit entgegen. Wenn ich kurz orientierungslos an einer Straßenecke stehe und im Lonely Planet auf den Stadtplan starre, kommt ein Muchacho daher und fragt ob er mir helfen kann. Da mein Spanisch unzureichend bis nicht vorhanden ist, erklärt er mir den Weg notgedrungen mit Händen und Füßen. Mehrmals passiert es auch, dass einer mit dem Fahrrad voraus fährt und ich ihm mit dem Wagen folge um aus dem Sackgassenchaos meinen Weg herauszufinden. In Santa Clara passiert es dann: Unser Mietwagen hat einen Platten. Wir fahren rechts ran, weil ein Muchacho uns signalisiert, dass der Reifen hin ist. Da stehen wir nun und schauen bedröppelt auf den Reifen. Ja, der sieht wirklich sehr platt aus. Der Muchacho lächelt uns an, fragt uns auf Spanisch nach einem Ersatzrad, welches wir im Kofferraum wissen. Mit einem Griff hebt er unsere Rucksäcke aus dem Kofferraum und legt sie auf die Rückbank. Diese entblößen unsere fünf Flaschen Rum, die wir als Geschenk für Freunde mitgenommen haben. Er lacht und gibt uns zu verstehen, dass er uns für versoffen hält. Damit hat er auch nicht ganz unrecht. Die Mojitos auf Kuba sind großartig! Ich verstaue die Rumflaschen ebenfalls auf der Rückbank und als ich mich wieder umdrehe, hebt er bereits mit einem weiteren Muchacho unseren Wagen mit dem Wagenheber hoch und wechselt das Rad. Meine letzten CUC gebe ich ihnen um ihnen wenigsten ein bisschen Dankbarkeit zu zeigen. Einer nimmt die umgerechnet 2,- EUR, der andere lehnt dankend ab. Ich bin erleichtert, dass uns der Reifenwechsel keine halbe Stunde aufgehalten hat und dankbar über die Freundlichkeit der Kubaner.

Die nächsten Tage verändert Kuba meine Gefühle und mein Wesen. Meinen Job als Projektmanagerin habe ich komplett vergessen, da es nur schwer ist ins Internet zu kommen und Wlan fast nirgendwo funktioniert, lasse ich das Handy die ganze Zeit aus. Wir genießen die Tage, auch wenn sie teilweise anders verlaufen, als wir geplant haben und das machen für mich die 3 Wochen Kuba so besonders: Freiheit. Mein Kopf fühlt sich herrlich leer an. Meine Reisebegleitung versteht mich zum Glück auch wenn ich ihr nur halbfertige Sätze hinwerfe, die vorabendlichen Mojitos werden zur Gewohnheit und mittlerweile grüße ich jeden Cubano, der mich anschaut mit einem freundlichen „Hola!“ als erste. An einem Tag steigen wir ausnahmsweise statt in einer Casa particular in einem Hotel ab. Als wir den nachmittäglichen Mojito an der Bar bestellen, müssen wir ein wenig warten, erhalten kein „chica linda“ sondern wirklich nur den Mojito den wir bestellt haben. „Ich wette die Hotelangestellten sind angehalten nicht mit den Gästen zu flirten“ entrüstet sich meine Begleitung verwundert. Ohne „chica linda“ oder wenigstens einem Lächeln, geht hier sonst gar nichts und wir haben uns in kurzer Zeit auch schon ziemlich gut daran gewöhnt, dass es uns sofort auffällt wenn dieses entfällt.

Nach 3 Wochen in Kuba, lande ich schweren Herzens wieder in Deutschland. Im Gepäck ein paar Sommersprossen, Lebensfreude und Motivation für die nächsten Wochen. Mein Leben erscheint mir auf einmal viel leichter als die Wochen davor. Ich habe genügend Energie dabei mein Glück in die Hand zu nehmen und selbst daran zu feilen. Alles fühlt sich leichter an. Nur die Freiheit, die Freiheit in den Tag hineinzuleben und das zu tun und zu genießen wonach mir gerade der Sinn steht, die Sonne und das Meer und natürlich das „Hola chica linda!“ werden mir sehr fehlen.

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23 Kommentare

    1. Ja, leider lässt sich die gefühlte Lebensfreude nur schwer in Worte fassen. Ich hoffe der Artikel spiegelt es einiger Maßen wieder. Buch Dir schnell einen Flug! 😉

  1. Oh, soo schön! Ich bin richtig neidisch, das klingt so wunderbar!

    Ich wünsch dir ganz fest, dass du die gute Laune und Lebensfreude bewahren kannst, die dieser Text ausstrahlt 🙂

    Liebe Grüsse,

    Fatima

      1. Ja, aber das ist ja auch das Schöne am Bloggen. Man trägt die Ergüsse in die Welt hinaus und wen es interessiert, der liest es und wen nicht, der klickt einfach das kleine Kreuz rechts oben im Browser. 😉

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