Mann, Kind, Haus und Garten iss grad nicht.

Himmelfahrt – Langes Wochenende – Heimat.
Mutti freut sich und fragt was sie mir zu essen kochen soll.
Ein Schnitzel mit Spargel und einer Tonne Sauce Hollandaise wären schön.

Meine Mutter hat sich nach der Trennung von meinem Vater und einer damit verbundenen sehr langen Leidensphase nun (wieder) ein ziemlich perfektes Leben aufgebaut. Sie ist endlich wieder glücklich. Mann, Haus, Garten und eine Urlaubsreise im Jahr. Ihr Leben ist wieder in Ordnung und ihr Haus spiegelt es wider. Alles ist perfekt sauber und aufgeräumt. Nach dem Duschen wird das Bad sofort auf Hochglanz gebracht, nach dem Kochen der Herd sofort von Schmutz befreit. Schuhe gehören in den Schuhschrank und liegen nicht im Eingangsbereich rum. Das Bett macht man wenn man aufsteht und das Geschirr spült man wenn man mit dem Essen fertig ist.

Und bei mir? Mein Leben ist Chaos. Meine Wohnung ist klein, zu klein und die neu gekauften Schuhe stehen auf dem Esstisch, weil sie so hübsch aussehen und ich sie noch ein wenig anschauen will, bevor ich sie in mein Schuhregal stelle. Das Geschirr von letztem Mittwoch steht noch unabgewaschen in der Spüle und mein Köfferchen vom langen Wochenende packe ich erst morgen aus. Es ist doch so schönes Wetter heute. Oder vielleicht erledige ich das auch erst übermorgen. Das Bad müsste ich auch mal wieder putzen, aber hey – verdammt – in 5 Minuten bin ich verabredet. Das kann ich auch noch nachher machen. Später komme ich nach Hause und will nur noch ins Bett. Die Pfandflaschen nehme ich einfach morgen früh auf dem Weg zur Arbeit mit… aber – ach – am nächsten Morgen bin ich schon wieder so spät dran, dass der Umweg zum Glascontainer einfach nicht mehr drin ist. Also bleiben sie noch ein paar Tage unaufgeräumt in der Küche stehen.

Manchmal esse ich abends Nutellabrötchen, gehe ungeduscht ins Bett oder vergesse mir die Zähne zu putzen. Meine Rentenvorsorge heißt Zalando, Zara und H&M. Außer einer Haftpflicht bin ich nicht versichert. Rücklagen gibt es bei mir keine. Ich bin Ü30 und Single. Gehe gern aus, shoppen und ich liebe liebe liebe das Reisen. Keine Chance im Moment auf Haus, Mann, Kinder und Garten. Klar hatte ich mir das mit 18 auch anders vorgestellt, aber so what? Es kam eben doch anders als ich gedacht habe.

Warum muss ich eigentlich ständig mein Leben bei meiner Mutter verteidigen? Mutti hätte das grad gern ganz anders für mich. Aber eine schöne, große Wohnung ist grad nicht drin, denn das Geld was ich durch meine Casa Jiuliena spare, investiere ich in Zalando, Sushi und Rucksacktouren in die weite Welt. Meine Küche hat keinen Hochglanzlack, aber meine Spaghetti schmecken mir trotzdem richtig gut. Ich tanze Salsa in Kuba, trinke Wein an der Isar mit Freunden bis ich lalle und mit den Fahrrad Achten fahre, gehe im Regen spazieren, singe laut und falsch beim Auto fahren, knutsche fremde Männer auf Partys, lerne surfen, esse frische Mangos am Strand auf den Philippinen, während ich mit Menschen aus aller Welt über das Leben philosophiere und träume von einer Finca am Meer.

Ich lebe einfach. Carpe diesen scheiss diem. Und denke nicht zu sehr an morgen. Vielleicht lerne ich morgen den tollsten Mann auf diesem Planeten kennen, ziehe Ende des Jahres mit ihm in eine ordentliche, aufgeräumte Wohnung am Stadtrand, heirate und zeuge mit ihm ein Baby. Aber bis dahin halte ich an meinem Leben fest und versuche nach dem Glück zu greifen, was sich mir scheinbar auf eine andere Art zeigt als meiner Mutter.

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9 Kommentare

  1. Die Geschichte deiner Mutter zeigt doch, dass man auch mit diesem perfekten Leben nicht sicher ist. So ist das halt. Ich bin auch Ü30 und lebe ganz gern in einer WG. Natürlich bin ich Single, aber warum auch nicht. Ein gewisser Gedanke an Sicherheiten und die Zukunft kommt immer mal wieder, aber das überlasse ich dann gern dem großartigen Autoren in mir, der sich bisher einfach nur versteckt 😉

    1. Ja, stimmt genau. Und vielleicht ändert sich ja an meinem Singleleben mal irgendwann was und vielleicht werde ich dann auch ein wenig vorausschauender und gesetzter und weniger chaotisch… aber im Moment finde ich es ganz in Ordnung so wie es ist.

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