Das Risiko eingehen verletzt zu werden.

Pünktlich zum Sommeranfang bin ich ein bisschen verknallt. Das letzte Mal dass ich so was behauptet habe ist verdammt lang her und die Geschichte war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Ich verknall mich nicht oft. Leider viel zu selten. Ich bin inzwischen schon fast 5 Jahre Single, mal abgesehen von ein paar nicht näher definierten Versuchen zwischendurch und einigen Geschichten die ich mir hätte sparen können, gab es vielleicht ein paar Schwärmereien, aber ich bin sehr sehr vorsichtig mit dem Wort „verknallt“ oder „verliebt“.

Die Bauchlandungen waren einfach zu viel und nicht sehr sanft. Jetzt bin ich wirklich vorsichtig geworden, weil ich nicht noch einmal fallen möchte. Ich hatte oft das Gefühl dass die Herren am Anfang mehr interessiert an mir waren, als ich an ihnen war. Aber irgendwann kommt in so einer Geschichte immer der Punkt an dem sich mein Gefühlsleben verändert und ich auf einmal anfange den Typ gern zu haben und das zeige ich dann auch. Nein, nein… ich kaufe keine roten Rosen oder buche schon mal die Hochzeitsreise. Aber jeder halbwegs sensible Mann merkt dann dass ich ihn mag. Und genau an dem Punkt beginnen die ersten Bauchlandungen bzw. enden die meisten Geschichten. Inzwischen ist mein kleines Herzl ein bisschen angeknaxt und ich bin unsicher. Ich versuche nicht zu viel zu geben, damit ich nicht wieder enttäuscht werde. Ich versuche alles lockerer zu sehen und nicht gleich Angst zu bekommen, wenn er sich einen Tag nicht meldet, aber es fällt mir doch sehr schwer. Ich soll mehr Vertrauen haben, aber das rät mir eine Person die noch nie so richtig enttäuscht wurde. Und es ist einfach nur schwer. Besonders wenn man noch nicht einschätzen kann, wohin die Reise geht oder wie sehr man selbst gemocht wird. Jeder „verguckt“ sich ja in einer anderen Geschwindigkeit. Vielleicht ist er jetzt an dem Punkt, an dem ich vor 3 Wochen war („Ja, der/die ist nett. Mag ich. Mal schauen wies weiter geht. Mehr weiß ich auch nicht.“) oder er ist schon einen Schritt weiter als ich („Ach ich mag sie/ihn schon voll gern und wünsch mir so sehr, dass es endlich offiziell wird.“) Wahrscheinlich gehört ein bisschen Unsicherheit aber zu jeder Beziehungsphase dazu. Und am Anfang ist sie eben am größten.

  • Was wenn er meinen Humor nicht versteht?
  • Was wenn er meine Riesenzehe hässlich findet?
  • Was wenn er denkt ich wäre langweilig?
  • Was wenn er glaubt ich sei unsportlich?
  • Was wenn er meint wir passen nicht zusammen?
  • Was wenn er plötzlich und wie aus dem Nichts das Interesse verliert?

Irgendwann ändern sich dann die Fragen in:

  • Was wenn seine Freunde und Eltern mich nicht mögen?
  • Was wenn er nicht zusammen ziehen will?
  • Was wenn er mich nicht fragt ob wir heiraten?
  • Was wenn er keine Kinder will?
  • Was wenn ihm seine Karriere wichtiger ist als ich?

Und schließlich in:

  • Was wenn ich nicht mehr attraktiv genug für ihn bin?
  • Was wenn er seine Kollegin lieber mag als mich?
  • Was wenn er glaubt ich handele egoistisch und stelle die Beziehung hinten an?
  • Was wenn er denkt ich klammere?
  • Was wenn er nicht eifersüchtig ist?
  • Was wenn ich mich doch mal mit dem gutaussehenden Typen von letzter Nacht treffe?

Schön wäre es wirklich ohne all diese Unsicherheiten zu leben und ohne das Risiko eingehen zu müssen verletzt zu werden. Aber wäre es dann alles auch so spannend wie es gerade ist? Irgendwie machen solche Unsicherheiten eine Beziehung ja auch interessant. Selbst nach 10 Jahren sollte man sich der anderen Person nie 100% sicher sein. Denn wenn man es genau nimmt ist es ein Geschenk, dass er mit Dir sein Leben verbringen will oder auch nur einen Teil davon. Und Du schenkst ihm genau das Gleiche. Und jeder von Euch kann morgen sagen, dass er das nicht mehr will und sein Leben allein oder mit anderen weiterleben will.

Im Endeffekt bleibt mir also nichts anderes übrig als eine erneute Bauchlandung zu riskieren. Denn ohne Risiko funktioniert es ja anscheinend auch in der Liebe nicht.

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25 Kommentare

  1. Genau das. Aufstehen. Wieder versuchen. Wieder Vertrauen. Wieder hinfallen. Wieder aufstehen.

    Das ist Leben. Der Rest vegetieren.

    Vertrauen ist niemals falsch. Glaub einer geschätzten 8 von 10 beim enttäuscht werden. Wieder Vertrauen zwar schwer, aber niemals falsch.

    Wobei. . . Vielleicht lässt du mehr Entscheidungen einfach bei ihm und die Komplexe bei dir.

    Cross those bridges when you’re there.

      1. Das kannst du selbst lenken. Vertrauen und einlassen muss nicht schwach sein oder Selbstaufgabe heißen. Sei du.. nur vertrauend. Ganz easy. Wah?;-)

      2. Nach Voltaire: „Da es sehr förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.“
        Oder wie einmal gelesen und als funktionierend bestätigt: Bestell dir etwas vom Universum und du bekommst es.

        So einfach mal dreist und nimm dir das Glück.;-)

  2. Ich kann dich nur zu gut verstehen und drück dir die Daumen! Ich hab jetzt zum ersten mal einen, der fast alles an mir toll findet und verstehe es immer noch nicht ganz. Vorher habe ich mich fleissig im Bauchlanden geübt.

    1. Danke! Immer noch der Nachbar?
      Mit jedem Treffen nimmt er mir die Unsicherheiten ja ein bisschen mehr, aber die bauen sich mindestens genauso schnell wieder auf, wie sie gehen…

      1. Ja, immer noch der Nachbar 🙂 Ich kann dir nur raten, dich immer wieder daran zu erinnern, dass du eine eigenständige Person bist und auch gut alleine klarkommst, auch ohne ihn. Das stärkt dich in deiner Position

    1. ja, aber ich will ja auch nichts überstürzen… also wird es wohl eine Mischung aus beidem… immer schön vorsichtig sich einen Schritt nach vorne wagen.

  3. Ich bin ja eher die Person entweder voll oder gar nicht. Riskieren, hinfallen, aufstehen, wieder hinfallen um dann weiter zu fallen um dann aber wieder weiter hochzusteigen. Immer mehr riskieren als man sollte, was gibt es denn zu verlieren? Was ist schon der Schmerz, wenn man dann das Glück erreicht?

  4. Du sprichst mir gerade ein bisschen aus der Seele mit dem Punkt, dass zuerst er immer mehr „verschossen“ ist und dann bin ich auf Wolke 7 und er ist gar nicht mehr sooo begeistert wie vorher….

    Ich wünsche dir ganz viel Glück, dass deine Verknalltheit ein schönes Ende hat! 🙂

  5. Ich freu mich für dich und wünsche dir von Herzen alles Gute. Vertrauen wagen erlebe ich auch immer wieder als spannend und auch ich hoffe, dass es gut wird – für dich und für mich.

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