Auf den Philippinen mit Tao Philippines, von Palawan und dem Leben in Freiheit

Es ist schon wieder über ein Jahr her dass ich allein auf den Philippinen war, aber ich muss noch oft an diesen traumhaften Inselstaat denken, der mich so liebevoll und herzlich willkommen geheißen hat. Bevor ich von Bangkok nach Manila flog tourte ich etwas mehr als 3 Wochen zusammen mit A. (der besten Backpackingbegleitung die ich kenne) durch Thailand. Ich war also dank zahlreicher Massagen, Sonnentage, mehreren Ananassäften mit Sang Som und netten Reisebekanntschaften bereits tiefenentspannt.

Gleich im Flieger lernte ich L. kennen, die ebenfalls allein unterwegs war und mit mir zusammen das Abenteuer Palawan, eine Insel im Westen der Philippinen, starten wollte. Googelt jetzt besser nicht Palawan, denn wenn Ihr die Bilder dieser Insel seht, könnte das Fernweh stark ansteigen!

Über drei Ecken hatte ich von Tao Philippines gehört. Ein paar Recherchen auf der Internetseite und das wohl beste Werbevideo ever überzeugten mich. Fünf Tage auf einem Boot von El Nido nach Coron. Umgeben von kristallblauem Wasser, einzigartiger Tierwelt, netten Menschen, frischem Fisch und fernab der Zivilisation hörte sich für mich nicht soooo schlecht an.

Zusammengequetscht in einem Minivan freute ich mich kurze Zeit später auf die mindestens 6 stündige Fahrt von Poerto Princesa nach El Nido um zum Ausgangsort der Tour zu kommen. Mit meinen 1.74m musste ich mich ganz schön klein machen, um irgendwie in dem Van Platz zu bekommen. Der 1.90 Ami neben mir musste zusätzlich 16cm unterbekommen und mir war unklar, wie er das schaffte. El Nido war chaotisch und noch ein wenig vom Taifun geschädigt, der nur ein paar Wochen vorher dort wütete. Kleine Bars, Restaurants, alles sehr runter gekommen, aber voller Charme. Und überall die lieben Philippinos die uns immer sehr herzlich empfingen. Am Abend vor dem Trip gab es ein kurzes Briefing. Die Gruppe war bunt gemischt: Eine französische Familie, ein schwedisches Pärchen, einige Alleinreisende aus Italien, den US, England und Australien. Doch alle hatten eines gemeinsam: Die Lust auf Abenteuer.

Tao Philippines wurde 2006 von Jack und Eddie gegründet. Der Plan sah vor die rund 200 kleinen Inseln entlang der Route von El Nido nach Coron mit einem kleinen Fischerboot zu erkunden. Daraus entwickelte sich ein Eco-Tourismus-Projekt, welches für ökologischen und nachhaltigen Tourismus steht. Tao unterstützt außerdem die dort lebenden Menschen beim Bau von Schulen, Kindergärten, beim Erwerb von Unterrichtsmaterialien und der medizinischen Versorgung. Besonders nach dem Taifun „Hayan“ waren sie eine der ersten, die durch Spenden und Dank ihrer guten Vernetzung den Locals beim Wiederaufbau helfen konnten. Dank Tao kann man an 5 Tagen die wunderschönen Strände Palawans entdecken, isolierte Fischerdörfer, einsame Inseln, spektakuläre Riffe zum Schnorcheln und Tauchen und das alles (noch) fernab des Tourismus. Es gibt keine bessere Möglichkeit, diese sehr ursprüngliche und abgelegene Region der Philippinen zu erreichen.

„This is not a tour. This is a jorney, off the tourist routes, away from the crowd to a playground of hundreds of undeveloped tropical islands. This is not for everyone.“

Wir starteten also zum ersten Basecamp (die Unterkunfts-Lager auf den abgelegenen Inselchen) und schnell hatte ich einen neuen Freund gefunden. P. aus der Slowakei hatte die Art Humor bei der ich jedes Mal kurz davor war einzupullern und Tränen meine Wange runterliefen wenn er etwas sagte. Bis heute frage ich mich ob er weiß wie lustig er ist und Dinge sagt um ein Lachen zu ernten oder ob er einfach so ist wie er ist. Er war es auch der mir später in einem kleinen gemeinsamen Hostelzimmer einen rührenden (nicht ernst gemeinten) Heiratsantrag machte, während ich mir gerade Zähne putzte. Es gab sogar einen Ring. Aus Graß.

Wir schipperten also an traumhaften Stränden vorbei, hielten zum Schnorcheln und schwimmen an, aßen frische Kokosnüsse, Mangos und Bananen und lernten die Gruppe kennen. Am frühen Abend erreichten wir unser Camp: Kleine Bambusbetten, komplett offen, direkt am Strand mit einem schmalen Dach. Ursprünglich. Natürlich. Einfach. Romantisch. Duschen? Gab es nicht. Zwei riesige Kübel mit Süßwasser ersetzten diese. Toiletten? Ein Loch hinter einem Bambuszaun. Kein Strom, kein Handynetz – die komplette Freiheit. Ich hatte vergessen wie einfach das Leben sein kann ohne dass es mich stören würde. Was zählte waren die Begegnungen, die Entdeckungen und die Freude die mir der Anblick des kristallklaren Meeres und der endlos langen Sandstrände bereitete. Als es dunkel wurde grillten die Jungs von Tao frischen selbst gefangenen Fisch, schnippelten Gemüse und köpften weitere Kokosnüsse. Selbst an den philippinischen Rum (Tanduay) hatte Tao gedacht. Später saßen wir alle zusammen am Feuer, leerten den Tanduay zusammen mit frischem Ananassaft und erzählten uns unsere Lebensgeschichten. So schnell war die Gruppe eine Gemeinschaft geworden. Die Tage vergingen wie im Flug. An einem Tag besuchten wir ein kleines Inseldorf und kauften ein kleines Schweinchen, was mit uns noch einen weiteren Tag auf Reisen ging, bevor Oli, der Bootsführer, es auf dem Boot schlachtete. Ich konnte es nicht mit ansehen, geschweige denn anhören. Und versuchte mit dem Kopf so lang wie möglich unter Wasser zu bleiben, als dies geschah. Aber auch das gehörte dazu. An einem anderen Tag hatten wir Pech mit dem Wetter, hielten uns fast ausschließlich an Land auf um am Folgetag fast einen kompletten Seetag zu machen. Beim Schnorcheln entdeckte ich Rochen, Meeresschildkröten und Seeschlangen. Wir erkundeten versteckte Höhlen, Schiffswracks aus dem 2. Weltkrieg und schwammen über traumhaft bunt leuchtenden Korallengärten. Wer „The Beach“ auf Koh Phi Phi in Thailand sucht, sollte lieber mal in Palawan vorbeischauen. Alex Garland schrieb nämlich hier die Vorlage zu „The Beach“ und ließ sich von der Kraft der spektakulären Kalksteinfelsen und den menschenleeren und schneeweißen Sandstrände inspirieren. Niemand weiß vorher so genau wie die 5 Tage verlaufen werden. Klar ist nur, dass man am Morgen in El Nido startet und am Abend des letzten Tages in Coron sein wird. Zusammen mit C. aus Kolumbien, L. aus Österreich und P. aus der Slowakei bin ich übrigens nach dem Trip noch weiter nach Cebu. Ganz im Süden, in Oslob schwammen wir zusammen mit riesigen Walhaien im Morgengrauen und frühstückten danach am Strand Mango Pancakes und French Toast.

Ich glaube ich habe mich selten so frei und glücklich gefühlt wie in dieser Zeit. Das Gefühl so weit weg von allen gesellschaftlichen Zwängen zu sein, jeden Tag so zu leben wie man es für richtig hält, zu essen wenn man Hunger hat und nicht wenn die Mittagspause es vorschreibt, zu schlafen, wenn man müde ist und täglich neue Landschaften, neue Geschmäcker zu erleben, neue Menschen kennenzulernen, neue Erfahrungen zu machen… DAS IST DAS LEBEN! Und es wartet da draußen auf uns! Stattdessen sitze ich inzwischen wieder hier in meinem Großraumbüro. An der großen Hauptstraße. Tag aus Tag ein an meinem Rechner, schleppe mich von Meeting zu Meeting, kaufe, maile, scrolle, scanne, lade, faxe, kopiere, klicke, formatiere, drucke, schneide, fixiere, zoome und bearbeite – nur um am Ende des Monats diesen vierstelligen Betrag auf meinem Konto zu sehen und für ein paar Wochen im Jahr in das Leben da draußen verschwinden zu können. Mit Freunden philosophiere ich oft darüber, was besser ist. Ich weiß natürlich sehr gut, dass das was ich bei Tao Philippines erlebt habe nicht das Leben der Philippinos ist. Ich weiß, dass ich von Glück reden kann eine gute Ausbildung genossen zu haben, einen gut bezahlten Job, ein Dach über dem Kopf zu haben und mir Reisen wie die mit Tao leisten zu können. Aber dennoch bleibt diese Sehnsucht in mir bestehen alles zurück auf Anfang zu drehen. Ursprünglicher zu Leben. Zwar ohne Kino, Sushi, Auto, Online shopping und Fernsehen, aber dafür in Freiheit. Irgendwie habe ich diesen Traum noch nicht ganz aufgegeben.      

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13 Kommentare

  1. Vielleicht sind diese Reisen so besonders, so wertvoll, weil sie nicht alltäglich sind. Wir sind frei unsere Reisen so zu gestalten, wie es uns gefällt und verdienen durch unseren Job auch das nötige Geld. Und wer weiss, vielleicht klinken wir uns eines Tages für eine Weile aus…you never know!

      1. Damit wir es wert-schätzen, geniessen, bewusst wahr nehmen, das tägliche Glück spüren – alles ist begrenzt: das warme Wetter, der glitzernde Schnee, das Leben und selbst die Welt. Und wir können einmal drumherum, wenn wir das wollen….

  2. Weil alles Grenzen hat. Weil du in einem begrenzten Rahmen einen begrenzten Ausschnitt eine stark beschränken Welt aufnimmst. Das ist nicht das Leben, das ist ein von Selbsterhaltung befreites Leben. Das kann nur auf Zeit funktionieren.

    Das Schwein war aus einmal da. Es wurde dir geschlachtet. Du wurdest gefahren. Es gab schon Schlafstätten. Alles dass hat jemand getan um einen Rahmen zu schaffen, in dem du dich frei fühlst. Du hast es bezahlt, sorgenfrei und ohne Alltag zu sein.

    Eco-Tourismus mag der Umwelt weniger weh tun, aber es ist dennoch nur ein Geschäft. Ein angenehmes vielleicht, bestimmt aber kein Leben.

    Leben ist nicht frei, sich wenn ich dir zustimme, dass die Beschränkungen in unserer Zeit stark wirken.
    Aber was jeder Mensch zu jeder Zeit an jedem Ort hatte, hat und haben wird ist ein Körper. Ein bedürftiges Ding, dessen Bedürfnisse befriedigt wollen. Wir mögen viele der Bedürfnisbefriedigungsnotwendigkeiten ausgelagert haben (dein Brot hat jemand gemacht, deine Kleider, dein etcetc.) Aber Leuten Endes könnten wir nur verstecken, was in der Grundlage bleibt: unser ganzes Leben muss und wird begrenzt bleiben.

    Insofern ist es noch auf anderer Ebene als deinen genannten (hey wow. Ein vierstelliges Gehalt!) Vielleicht wertzuschätzen, dass wir uns heute davon eine Auszeit kaufen können.

    1. Schön geschrieben und ich gebe Dir komplett Recht. Das habe ich ja auch im letzten Abschnitt geschrieben wo es heißt, dass ich sehr wohl weiß dass das was ich dort erlebt habe nicht DAS LEBEN für immer sein kann. Ich glaube ich will einfach nur den Rahmen, wie Du es nennst, in meinem jetzigen Leben ein bisschen verändern.

      1. Das ist meist ein Projekt, dass dir im Endeffekt ein leben beschert, in den du dich wohler fühlst.

        Wir, also der Mensch, optimiert sein Leben mehr und mehr. Aber selten mal über ein downgrade.

      2. Als Downgrade kann man es nur bezeichnen wenn man auf materielles schaut. Ich würde es allerdings eher als Upgrade empfinden.
        Wie ist es denn bei Dir?

  3. Goooott wie neidisch du mich machst. Ich war im Februar auf den Philippinen. Allerdings auf Mindanao in Davao fuer die meiste Zeit. Ich wollte unbedingt nach Palawan aber finde im Februar mal n Flug hin und zurueck, der nicht genau so teuer ist wie von Deutschland auf die Philippinen…

    1. Echt? Innerhalb Asiens fand ich die Flüge gar nicht mal so teuer. Bin auch mehrmals hin und her mit Cebu Pacific. Die haben bunte Boardkarten mit Flugzeugen drauf die ein Gesicht haben und mein Name (Nur Vorname) wurde mit Edding drauf geschrieben. 😉

      1. Uff das ist echt viel zu viel. Fortbewegung ist auf den Phillis aber wirklich etwas mühsam. Aber vielleicht bist ja noch irgendwann einmal in der Ecke. Palawan war wirklich ein Traum!

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