Das F-Wort

„Duuuuuuuuuuu?“
„Waaaaaaaaaaas denn?“
„Mein Kollege hat mich gestern gefragt ob ich einen Freund habe. Ich habe „Ja“ gesagt. Was hältst Du davon?“
„Das ist ein sehr schönes Gefühl.“

„Duuuuuuuuuuu?“
„Waaaaaaaaaaas denn?“
„Ich möchte das zwischen uns aber im Moment noch nicht so richtig definieren. Ich genieße es gerade so wie es ist, freue mich Dich zu sehen und will Dich noch besser kennenlernen und schauen wie es sich entwickelt.“
„Okay“
„Ist das ein „okay, wenn Du es so willst“ oder ein „okay, das sehe ich ähnlich“?
„Weiß nicht.“

Man scheiße, ich bin ja selbst auch ein wahnsinniger Schisser. Angst mich zu öffnen, Angst Gefühle zu zulassen, Angst verletzt zu werden, Angst wieder zu verlieren, was man gerade gefunden hat, Angst irgendeine Art von Bindung einzugehen. Aber eigentlich hatte ich mich schon fast ein wenig an das F-Wort gewöhnt. Nein nicht „f****n““! Ich meine das andere F-Wort, was mit „reund“ aufhört. Warum hat gefühlt eigentlich jeder zurzeit eine Angst das F-Wort auszusprechen? Fast so, als würde man sich damit ein Leben lang verpflichten und gleich vor den Traualtar schreiten.
Bloß nicht festlegen! Beziehungen engen ein und sind böse. Dann ist man nicht mehr man selbst und wird nur noch von der anderen Person bestimmt und unter Druck gesetzt. Dann geht die luftige Lockerheit verloren. Beziehungen sind wirklich böse. Dann ist man abhängig und kann nicht mehr frei über seine Freizeit entscheiden. Dann muss man sich abstimmen und vielleicht – Oh Schreck – die Wochenenden miteinander verbringen. Dann kann man nämlich nichts mehr allein machen, sondern ist nur noch im Doppelpack zu haben. Die langsame Verschmelzung zum WIR. Ihr scheiß „Wir“ Frauen habt die Männer versaut!!! Jawohl!!! Lasst sie endlich in Ruhe wieder ihr Leben leben und wundert Euch nicht über Bindungsängste!

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30 Kommentare

      1. Ja. Wobei Freund unvergänglich ist, zumindest für mich. Mein Partner oder Lebensgefährte klingt schon viel verbindlicher. Freund kannst auch ein nicht fester Freund sein. Also ich würde mich daran nicht zu sehr aufhängen 🙂

  1. Ach, manchmal wendet sich das auch ganz schnell. Vielleicht ist er in 5 Tagen für das F-Wort bereit, will es nur unbedingt „selbst und für sich alleine entschieden und bestimmt“ haben. 😀 Wir wissen doch, diese Männer sind im Allgemeinen sehr seltsam 😉

  2. Verrückt. Gestern habe ich einen Beitrag mit dem Titel „The F Word“ begonnen zu verfassen. Zufälle gibt’s…Ich habe selbst aber auch noch nicht raus, warum dieses Wort für manche Menschen (ich gehöre da leider zu) so ein Problem ist. Ich komm mir echt bescheuert vor, wenn ich zugebe, dass mir das Aussprechen von „Ich habe einen Freund“ oder „Ja, das ist mein Freund“ echt schwer fällt und nur mit einem verlegenen Grinsen bewältigt werden kann. Ich finde den Gedanken, den „Wir“-Frauen die Schuld zu geben einfach super! Die kann ich nämlich auch null leiden. Wenn ich schon so Sätze höre wie: „Da muss ich erst mal meinen Freund haben, ob ich da kann. Keine Ahnung, ob wir für dieses Wochenende schon Pläne haben“. Ich möchte brechen. Ich bin gespannt, wie sich das bei euch weiterentwickelt und hoffe, dass er sich (wie ich) auch ein Herz fasst und einfach ins kalte Wasser springt.

    1. Mir fiel / fällt das ja auch nicht leicht nach so einer langen Singlephase. Aber ich weiß einfach dass ich es gern will. Für Dich scheint es ja irgendwie ungewohnt aber prinzipiell willst Du es, oder?

    1. Angst kommt aber aus Erfahrungen und davon gibt es inzwischen einige. Das lässt sich nicht vermeiden. Vielleicht muss man es auch nicht benennen. Da hast Du recht. So lange man die selbe Richtung einschlägt.

  3. Ich verstehe dich so gut!!
    Neuerdings höre ich immer öfter „Herzmensch“. Sagt man wohl heute so. Klingt wohl unverbindlicher, soll aber aussagen, dass man sich wichtig ist. Ich hasse so einen neumodischen Scheiss. Meine Güte!! Ich hoffe, du bekommst deinen reund mit F!

    1. Herzmensch würde mir ja auch erst einmal genügen. Klingt immer noch besser als „meine Ich-weiß-noch-nicht-was-das-mit-uns-ist.Wir-schauen-einfach-noch.“

  4. Ja warum nur. Die Angst, das Ganze Mysterium eines – wie auch immer ausgelegten – Miteinanders auch noch zu benennen und damit einen Zwang zu erzeugen ist. .. so Teeny. Das ist doch alles Hollywood und hat weder mit Selbstständigkeit, noch mit Schicksal, Wir-Frauen oder Abhängigkeit zu tun.
    Es.
    Ist.
    Ein.
    Wort!

    Was daraus gemacht wird ist immer noch deine Entscheidung. Ich konnte damals voller Stolz sagen: „Meine Ehefrau“. Nicht weil ich sie besaß, nicht weil ich „et jeschafft hab die Schnalle zu binden“. Sondern weil sie genau das war. Meine Ehefrau. Weil sie sich für mich entschieden hatte.

    Aber wieder zurück zum schlimmen Wort Freund/Freundin.
    Hollywood. Das war das Stichwort. Ihr (ich rede hier bewusst nicht von wir, denn ich nehme mich da raus) seid so beschäftigt mit der Vorstellung unabhängig zu sein, dass ihr euch von der Definition über kleine und eigentlich unbedeutende Worte bestimmten lasst. Du willst Freundin genannt werden, dann tu es! Und zwar nicht um ewige Verbundenheit auszudrücken, sondern weil es so ist. Jetzt und gerade. Alles andere ist Wortdrechselei.

    Es ist Schnuppe, wie man das Ganze Getue um Miteinander nennt. Aber mit einem klaren „ditt is mein Freund“ machste dich in den Augen derer, für die eine Sache manchmal auch nur eine Sache ist, am wenigsten lächerlich.

    Sei emanzipiert, benenne dein Leben so wie es ist. Und nicht mit den Halbschattengezüchten der Filmcharaktere.

    Live and peace
    Censay 😇

    1. Für mich ist es nicht nur ein Wort sondern ein Bekenntnis: Die / Der gehört jetzt zu mir und wir möchten gern unser Leben oder zumindest einen Teil miteinander verbringen. Und ich bin für sie / ihn da wenn sie / er mich braucht. Deshalb. Deshalb möchte ich gern Freundin sein und Freund sagen können.

      1. Das ist aber doch nicht die einzige Bedeutung des Wortes. Und selbst wenn. .. häng ein „jetzt gerade“ dran und du bist wieder frei. Wie du es zwar eigentlich gar nicht sein willst aber sein willst?
        Wenn du es sein willst, stellt sich die Frage dann für dich noch? Oder stehen da andere Wünsche und Fragen im Weg? Was ist nun Selbstbestimmung?

        Zudem lebst du (scheinbar) dieses Bekenntnis doch schon. Das „sich zieren“ mag ja mit 15 Jahren und Händchen halten noch süß gewesen sein. . . Aber sind wir das noch?

        Bitte versteh mich nicht tadelnd. Ich find es nur schade, wenn Menschen ihre Wünsche aus Ängsten heraus verdrehen. Und so wirkt es auf mich.

      2. Ich möchte eine Beziehung führen, in der man sich gegenseitig Freiraum lässt. Ich kann das sehr gut, aber ich denke, dass viele gar nicht wissen wie so eine Beziehung funktionieren kann. Das höre ich an solchen Sätzen wie „Genieß Dein Single leben. Jetzt kannst Du noch machen was Du willst.“ Ich habe mich in meiner letzten Beziehung nie eingeschränkt gefühlt und ich habe auch nie eingeschränkt. Ich glaube aber davor hat er Angst. Ich ziere mich nicht! Er ziert sich! Ich habe gewisse Ängste, aber ich weiß inzwischen was ich will. Ich hoffe aber er kapiert dass ich kein verklebtes WIR sein möchte, sondern ein WIR was aber auch durchaus auch parallel im SIE und ER existieren kann.

      3. Ich sagte „du“, meine das aber natürlich umfassender. Warum macht er so einen Deal draus. Zeigst du ihm nicht das andere? Will er es nicht sehen? Aberglaube? Es ergibt einfach keinen Sinn, den Namen die Taten regieren zu lassen. Weil mir der Bezeichnung auch gleich ein anderer Mensch dasteht. Ja ne is kla.

        Hoffe für dich das versteht er irgendwann.

      4. Ich glaube wir kennen uns noch zu wenig um einschätzen zu können wie wir in einer Beziehung ticken. Ich versuche jetzt auch einfach erst einmal auf die Taten zu schauen, die allesamt eine positive Sprache sprechen.

      5. Ich glaube, es ist egal wie man das Kind nennt während man es badet. Aber das ist nur meine Sicht.
        Dir alles Gute mit dem „was auch immer er dann ist während er kein Freund ist“.

  5. JAWOHL!

    Ich war auch ein Schisser, was Bindung angeht. Neeeeeeeeeeee, das ist GAR nicht mein Ding. Klar, anstrengend war es schon…. und irgendwie auch nicht immer angenehm…. aber wenn man von Anfang an sagt: „Hey, ich bin momentan echt null offen für Monogamie“, dann erwartet man doch, dass sie das ernst nehmen, oder?
    NEIN, natürlich nicht. Warum sehen so viele Menschen Sex als Heiratsantrag?! Ich versteh das nicht.

    Nene, vor festen Bindungen fürchtete ich mich – aus denselben Gründen wie du! Ich hasse es, mich an jemanden komplett anzupassen, alles mit einer Person zu machen, kaum noch Zeit für Freunde und Familie zu haben, weil ja dann der Partner sicher beleidigt oder „verletzt“ ist, wenn man mal ALLEINE mit Freunden was machen will – „Wieso? Schämst du dich auf einmal für mich?“ Und man eine ellenlange Diskussion breit treten muss, weil man es ihm/ ihr einfach nicht verständlich machen kann, dass es darum geht, dass man auch mal ‚frei‘ sein will (was im Endeffekt auch wie eine Beleidigung klingt).
    Oh nein. Und dann muss man IMMER sagen, was man denkt.
    „Woran denkst du gerade?“
    Ich dachte gerade daran, wann ich das letzte Mal das Side-Board abgestaubt habe, der Fernseher sieht auch furchtbar aus.
    „Ach nichts“, sage ich dann, weil es unwichtig ist und ich keine Lust habe, das jetzt auszubreiten.
    „Du siehst aber nachdenklich aus. Schatz?“
    „Wirklich nichts.“
    Dann seufzt er/sie genervt, weil er/sie meint, dir geht es nicht gut und redest nicht mit ihm – auch das wird als Beleidigung genommen.

    Hach ja. So viele Contra-Punkte auf der Liste.

    Und DOCH bin ich eine Beziehung eingegangen. Die Erste in meinem ganzen Leben. Ich wusste nichtmal, was ich da überhaupt mache.

    Was ist das Fazit? Ich bin glücklich! Ja, es hat sich alles bewahrheitet, meine Befürchtungen. Freunde sieht man so gut wie GAR nicht mehr allein, man macht ALLES im Doppelpack, man sollte jeden möglichen Gedanken miteinander teilen (erst letztens hatten Kora und ich eine Diskussion, weil ich meinte, dass ich auch noch meine EIGENEN Gedanken haben möchte. Und wenn es nur darum geht, dass ich mir überlegt habe, ob Fliegen pupsen können.)

    Aber ich habe all die schönen Aspekte dabei nicht beachtet. Meine Vorstellungskraft gegenüber negativer Punkte in Beziehungen war überragend, aber dass es auch einfach schön sein kann, jeden Abend mit ein und derselben Person im Bett zusammengekuschelt zu liegen, sich die Konturen einzuprägen und das Herz flattern zu spüren, die Küsse, die immer besser, zärtlicher, bedingungsloser werden oder der Sex, der irgendwann so gut ist, weil man inzwischen den Partner gut genug kennt, dass man meint, mit keinem anderen Menschen mehr SO einen guten Sex zu haben, wie mit DIESEM einen Menschen.
    Ich liebe es auch, wenn wir dann gemeinsam auf der Couch liegen, kuscheln, „The Foster“ oder „Orange is the new black“ schauen, oder wir beide nebeneinander liegen und einfach nur Bücher lesen.
    Ich habe angefangen, mich durch sie, etwas besser kennen zu lernen. KLar gab es Phasen, in denen ich dachte, mich selbst nicht mehr zu finden, weil ich mich so sehr versuche, ihr anzupassen. Aber nach zwei, drei Monaten war ich ICH und auch so noch akzeptiert und geliebt zu werden, ist ein wundervolles Gefühl.
    Unsere „Beziehung“ war die ersten zwei Monate auch inoffiziell (also keiner von uns beiden verlor ein Wort darüber, geschweige denn, machte sich GEDANKEN darüber, was das zwischen uns ist. Wir ließen es einfach auf uns zukommen)
    Und dann, wenn die ersten Freunde, Bekannte sagen „Ihr seid aber ein süßes Paar“…. nun, da denkt man genauer darüber nach und WIR dachten – Hey, wenn es inoffiziell schon jeder sieht, warum dann nicht auch offiziell?

    So….
    ich hoffe, ich konnte dir auch die schönen Seiten einer Beziehung ein bisschen näher bringen….. das ist natürlich LANGE noch nicht alles, aber …. meine Partnerin hat gerade an der Tür geklopft und ist mit einem Frühstückstablett hereingekommen. Kaffee (Latte Macchiato, mit einer Tablette Süßstoff), fettarmer Joghurt, oben drauf frische, geschnittene Obststücke – Ananas, Erdbeer, Apfel, Birne… mhhhh….
    D.h.. ich muss schluss machen und „frühstücken“..

    ,-)))

    1. Abeeo, vielen Dank für diesen wunderbaren Text. Mein Artikel hier ist, wie die meisten ironisch gemeint. Denn ich selbst glaube auch dass man in einer Beziehung sehr glücklich sein kann, wenn man sich gegenseitig genügend Freiheiten lässt. Eine Beziehung heißt nicht automatisch dass man alles ab sofort zusammen machen muss und eins von den WIR-Pärchen sein muss. Ich glaube aber dass viele oben beschriebene Ängste mit sich tragen, weil sie bereits solche Beziehungen gelebt oder bei anderen gesehen haben. Es kann aber ganz anders sein!!!!! Bei Dir hört es sich auf jeden Fall nach der richtigen Entscheidung an. Genieß es! Aber behalte auch ein paar Gedanken für Dich. Das ist nicht schlimm, denn man bleibt trotzdem ein Individuum!

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