Wenn man als Solo-Gast auf einer Hochzeit eingeladen ist…

Letztes Wochenende war ich mal wieder allein auf einer Hochzeit. Ich war noch nie wirklich in Begleitung auf einer Hochzeit, denn als ich noch ein Pärchen war, wollten meine Freunde noch nicht heiraten und als ich frisch getrennt war, dachten alle Frauen anscheinend, dass sie ihre Männer jetzt schnell fest halten müssten und heirateten eine nach der anderen. Zurecht! Ich hätte sonst bestimmt der ein oder anderen sofort den Typen ausgespannt und jedem von ihnen fünf Kinder angehangen.

Letztes Wochenende haben wir also erfolgreich A. und A. unter die Haube gebracht. G., der sich inzwischen nicht mehr gegen das F-Wort sträubt, sondern mich jetzt offiziell Freundin nennt, musste arbeiten. Ich fand das nicht schlimm, da die Einladung zu dieser Feier bereits Monate vorher in meinem Briefkasten lag. Da gab es G. nur in Form von Gurkenmasken, Gin Tonic oder Gossip Girl. Also packte ich letzten Samstag meine Sachen, denn die Hochzeit war im Schwabenländle, zog ein hübsches Kleid an und hüpfte zu meinen Freunden ins Auto.

Nun, jetzt bin ich zwar kein Single mehr (Oh Gott! Oh Gott! Dabei stand Jiuliena gleich nach Beate im Duden unter Dauersingle), aber allein auf Hochzeiten zu gehen ist immer noch nicht schön und ich kann mich noch sehr sehr gut an die letzten Hochzeiten erinnern, die ich als Singlefrau verbrachte.

  1. In der Kirche

Alle Pärchen sitzen brav nebeneinander, halten Händchen, schwelgen in Erinnerungen an ihre eigene Hochzeit oder träumen von der bevorstehenden, während ich schon beim Einzug der Braut Rotz und Wasser heule und mir niemand ein Taschentuch reicht. Niemand legt den Arm um mich und sagt wie hässlich das Kleid der Trauzeugin ist. Stattdessen erhalte ich mitleidige Blicke die sagen „Oh man, ob Du in Deinem Alter noch mal jemanden kennenlernst, der Dich heiraten will, ist fraglich.“

  1. Der Sektempfang

Beim Sektempfang trinke ich generell mindestens 5 Gläser um die gut gemeinten Ratschläge der anderen Gäste zu ertragen:

  • Der Richtige kommt schon noch! Und was ist wenn nicht?
  • Warte nur auf die erste Scheidungswelle! Und wann kommt die endlich? Der Spruch kommt übrigens nur von alten Männern, die ihr wieder gewonnenes oder nie aufgegebenes Junggesellen Dasein feiern.
  • Man darf nur nicht suchen! Und der findet mich dann einfach so?
  • Es passiert immer genau dann wenn Du es nicht erwartest! Mist und ich rechne jeden Tag damit!
  • Vielleicht lernst Du ja heute Jemanden kennen? Also ich habe noch nie, wirklich noch nie einen interessanten Singlemann auf einer Hochzeit gesehen. Da gibt es nur Pärchen oder merkwürdige Alleingebliebene (wie mich).
  • Betrink Dich heute einfach! YES! Bester Ratschlag. Würde ich jedem Single auf einer Hochzeit auch empfehlen.
    Deshalb trinke ich lieber gleich noch einen Sekt.
  1. Die Tischordnung

Wenn ich Glück habe, bin ich auf einer Hochzeit auf der ich die Hälfte der Gäste kenne. Dann sitze ich mit bei Freunden und fühle mich nicht allein. Wenn es eine Hochzeit ist auf der man nur eine Handvoll Gäste kennt, wird die Sache schwieriger. Entweder bin ich der Auslöser für einen Tisch mit einer ungeraden Anzahl an Stühlen oder ich sitze am Singletisch, was einer öffentlichen Kreuzigung gleich kommt. Im ersten Fall verbringe ich also den ganzen Abend mit Gesprächen über Babys, Hochzeiten und Baufinanzierung. Am Singletisch hingegen könnte der Bär steppen, wenn dieser gut aussehende Typ vom letzten Clubbesuch mit dran sitzen würde. Tut er aber nicht. Dort sitzt nur der Computernerdkollege vom Bräutigam und die vier hässlichen Cousinen der Braut, die die Grenzen ihres Heimatdorfes noch nie überschritten haben.
Ich trinke lieber noch einen Sekt.

  1. Der Hochzeitstanz

Mit ein bisschen Alkohol im Blut (oder ein bisschen mehr) lässt es sich wenigstens ausgelassen zur „lustigen Partymusik“ des „Alleinunterhalters“ tanzen. Aber nicht vor 2Uhr. Denn erst einmal werden ja alle Pärchen zum Tanz gebeten. Besonders diejenigen, die seit Jahren einen Diskofox Tanzkurs belegen, freuen sich auf diesen Teil des Abends. Also stelle ich mich an den Rand, setze mein allerschönstes Fake-Lächeln auf und klatsche im Takt der immer noch nicht besser werdenden Musik. Bis auf einmal A. auf mich zukommt und fragt: „Darf ich dir Achim vorstellen? Warum tanzt ihr zwei Hübschen nicht einmal zusammen?“ Da würden mir gleich mehrere Gründe einfallen. Erstens: Ich hasse Verkupplungsversuche. Zweitens: Die einzige Gemeinsamkeit die Achim und ich scheinbar haben ist, dass wir Single sind und anscheinend das Brautpaar kennen. Das waren zwei Gemeinsamkeiten, aber mit Achim tanzen mag ich trotzdem nicht. Er scheint mindestens 20 Jahre älter als ich zu sein und sieht aus wie der Bruder oder eher Vater von Meister Propper.
Ich trinke lieber noch einen Sekt.

  1. Hochzeitsspiele

…sind meistens eher peinlicher Natur. Wenn es jetzt richtig schlimm kommt, muss ich mitmachen. Natürlich kommt es gaaaaaanz schlimm. Ich muss quer durch den Saal eine Schachtel an einer Schnur hinter mir herziehen und einige der Männer folgen zur Musik. Ist das wirklich Musik oder bin ich gerade auf der Wiesn? Dann sagt ein Gast plötzlich ins Mikro: “Liebe Männer, ihr dachtet wohl, ihr seid hinter einem hübschen Mädchen her, dabei habt ihr nur eine alte Schachtel verfolgt!” OMG! Schlimmer geht’s nicht mehr. Oder doch?

Ein schräges Kostüm mit drei Öffnungen wird dem Bräutigam über den Kopf gezogen. Die Braut muss sich hinter ihren Mann stellen und ihre Hände durch die Ärmel stecken. Und dann geht die Schweinerei auch schon los. Mal ehrlich: Welcher erwachsene Mann möchte sich bitte vor den Augen aller Freunde und Verwandten von seiner Braut von hinten füttern / die Zähne putzen / kämmen lassen? Und das mit einem Babykostüm? Ähm. Keiner.
Ich trinke lieber noch einen Sekt.

  1. Der Brautstrauß

Was sind das nur für Frauen, die in wunderschönen Kleidern boxen, Augen auskratzen, kämpfen, schlagen, drängeln, schreien und nach ein paar fliegenden Blumen hechten? Glauben sie wirklich dadurch entgehen sie dem Single Dasein?
Da trinke ich lieber noch einen Sekt.

  1. Die Hochzeitsnacht

Während das Brautpaar verliebt nach Hause oder ins Hotelzimmer schwebt, schwebe ich allein in mein Bett. Moment! Ich schwebe nicht. Ich torkel. Und zwar in Richtung Schlafzimmer, stoße mir das Schienbein am Couchtisch und falle angezogen und ohne Zähne zu putzen ALLEIN ins Bett.

  1. Der Morgen danach

Aua! Mein Schädel! Ich brauche dringend ein Aspirin.

P.S. Das Thema scheint übrigens recht beliebt. Dory von Singliessen hat erst kürzlich einen sehr positiven Beitrag dazu geschrieben, der durchaus motiviert gut gelaunt allein auf die nächste Hochzeit zu gehen. Und Feli von 150 days to date, hat dem Thema gleich einen ganzen Blog gewidmet.

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29 Kommentare

  1. Ich habe mitgezählt: 9 Gläser Sekt – und dann alleine heim finden, das nenne ich trinkfest! Vermutlich hätte ich es nicht mehr bis nach Hause geschafft, geschweige denn überhaupt zur Tür raus. Vermutlich wäre ich unter der Hochzeitstafel liegengeblieben und hätte friedlich geschnarcht bis zum Morgen. Jawohl.

    1. Hahaha! Das stimmt. Ich bin im Training! 😉 Allerdings musst Du bedenken, dass ich schon nach der Kirche anfange – das ist die beste Hochzeits-Überlebensstrategie

      1. Ernsthaft? Nach der Kirche erst? Ich bräuchte vermutlich schon vorher 2 Glas Sekt. Lieber bisschen unsinnig auf den billigen Plätzen rumkichern als vor Verzweiflung leise weinen. Wenn keiner mitkichert, ist das nicht schlimm. Aber alleine schluchzen und keinen interessierts – näää, das geht gar nicht! 😉

  2. Herrlich! Nein, eher grausam, aber toll geschrieben. In meinen Entwürfen hängt ein ganz ähnlicher Text. Geschuldet der letzten Hochzeit auf der ich als Single war. Brauch ich jetzt nicht mehr…du hast es auf den Punkt gebracht :)))).
    Mich setzte man übrigens an den Kindertisch, neben den Toiletten. Ich nehm jetzt immer meinen schwulen Freund mit. Der sorgt dann auch gleich dafür, dass ich nach all dem Sekt sicher daheim ankomme.

  3. Ich sag nur eins: Schnell getraut Leben versaut. Glücklicherweise werde ich nie zu Hochzeiten oder Junggesellenabschieden eingeladen. Gut das könnte mir zu denken geben. Egal! Wenn es zur Scheidung kommt wird es schmutzig. Ich beneide die Heiratswilligen nicht bewundere aber deren Mut.

    1. Hochzeiten können schon auch sehr schön sein, aber manchmal ist es eben doch mehr Pflicht als Freude, auch wenn das ziemlich gemein klingt. Und absagen darf man erst recht nicht. Natürlich hoffe ich dass alle Paare zusammen bleiben auf deren Hochzeit ich bereits getanzt habe.

  4. Ich war in meinem Leben erst auf zwei Hochzeiten. Auf beiden aber als Single (wen wundert es – ist das doch Dauerzustand bei mir in den letzten Jahren). Die erste war die Hochzeit meiner Schwester. Da hat es mich nicht so gestört. Sie ist drei Jahre älter – sie durfte vor mir heiraten. 😉
    Außerdem hatte ich mit der ganzen Familie so viele liebe und vertraute Menschen um mich, dass ich mich in meinem bisschen Traurigkeitsgefühl wenigstens direkt in Mamas und Papas Arme flüchten konnte. 🙂

    Die zweite Hochzeit war vor einem Jahr. Eine sehr gute Freundin von mir. Und die hat sich schon echt blöd angefühlt. Dieses Gefühl von „wieder hat es jemand geschafft“. Hätte ich nicht die Weltbesten Arbeitskollegen, die mich den ganzen Tag über nicht allein gelassen haben, mich mit viel guter Laune von meinem Kummer abgelenkt und mich einer nach dem anderen immer wieder auf die Tanzfläche gezerrt haben, wäre das eine ziemlich traurige Veranstaltung geworden. So aber habe ich den Tag trotz Single-Dasein in guter Erinnerung (und zum Glück nix von wegen Single- oder Kindertisch).

    Die letzte Hochzeitseinladung eines eigentlich guten Freundes, habe ich aber aus eben diesem Grund abgelehnt. Single auf einer Hochzeit ist wirklich schlimm genug. Kennst du dann außer dem Bräutigam niemanden, ist das Problem doch eigentlich schon vorprogrammiert… Es fiel mir sehr schwer ihn an seinem großen Tag allein zu lassen. Aber die Angst vor einem schrecklichen Tag war einfach zu groß.

    Und so bin ich eigentlich ganz froh, dass mein Freundeskreis so klein ist. Da heiratet es sich nicht so oft. 😉

    1. Oh! Absagen habe ich mir bisher noch nie getraut. Schließlich darf man sich schon ein wenig glücklich schätzen, wenn einem das Paar dabei haben will. Man braucht nur eine gute Hochzeitsüberlebensstrategie. Neben Sekt und schwulen Freunden gibt es sicherlich noch andere. 🙂

  5. Hm. Also ich würde sogar freiwillig an den Kindertisch. Da ist wenigstens was los. Nicht dieses anschweigen wie an den Tischen wo sich nur Parteien kennen. Man kann Unsinn aushecken, über die Reden meckern, die langweiligen Piefkes auslachen.

    Als Single auf ner Hochzeit ist okay. Geht ja nicht um einen selbst, sondern um anderer Leute Glück. Und das neide ich nie jemand. 🙂 Und den guten Ratschlägen lache ich ins Gesicht. HAHAHA (Zitat nach „in einem Land vor unserer Zeit“)

    1. Censay, Du hast meinen vollen Respekt. Du hast natürlich vollkommen recht. Nur leider ist es manchmal schwer die eigenen Bedürfnisse komplett hinten anzustellen.Bin aber auf jeden Fall dafür dass man es an so einem Tag versuchen sollte. Notfalls mit Hilfe von Sekt. 😉

  6. Super Artikel! Hast dich ja herrlich an allen Klischees bedient. Dein armer armer Kopf, aber in diesen Fällen hätte ich wahrscheinlich auch einmal mehr zum Sekt gegriffen 😀
    Ich selbst gehe sehr gern auf Hochzeiten, auch wenn ich kein Single bin finde ich es auch ganz schön allein, meist ist man dann unter Arbeitskollegen oder Freunden…

    Ganz liebe Grüße
    Mary // http://www.April28.de

    1. Danke! Wahrscheinlich kommt es auch auf das Single-Frustlevel an, wie wohl man sich auf solchen Hochzeiten fühlt. Die letzte zum Beispiel tat gar nicht mehr weg. 😉

  7. Solo-Gast zu sein ist nicht schön!
    Mache auch immer wieder die Erfahrung! Wieso Heiraten nur grade alle? 😁
    Danke für den lustigen Beitrag habe mich sehr amüsiert 😄
    Und gelacht hab ich die letzten Wochen nicht wirklich!
    Wer bei mir mitliest weiß was ich meine 😔

  8. Muahhhh, ging mir sehr ähnlich auf der Hochzeit meiner kleinen Schwester im Sommer. Schön war auch der – sehr laute – Kommentar meines Dads „Na jetzt sind se ja alle unter der Haube,…na außer Du musstest Dich ja wieder auf den Markt schmeißen!“ Familie is was schönes *grins …blieb nicht bei 9 Sektchen, da ging noch was…aber der Fotograf war lecker ;-DDDDD

  9. Ich bin zwar kein Single, aber zum Grinsen hast Du mich trotzdem gebracht… Ich bin Fotograf… und was Du da beschreibst empfinde ich nach x- Hochzeiten genauso… Und ich bin jedes Mal froh, NICHT der Bräutigam zu sein…

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