Eine Liebeserklärung an Rom

Ich glaube fast jeder trägt eine große Liebe in sich zu einem bestimmten Land oder einer bestimmten Stadt. Vielleicht die Stadt in der man aufgewachsen ist, in der man einen unvergesslichen Urlaub erlebt hat oder in der man alle Sommerferien verbracht hat. Bei mir ist es die Stadt, in der ich ein Jahr als Au Pair verbracht habe. Zum ersten Mal auf eigenen Beinen stehen, eine fremde Kultur und fremde Menschen kennenlernen und neue Erfahrungen fernab von zu Hause und ohne Mama an meiner Seite machen. Goethe hat mal gesagt: „…denn an diesen Ort knüpft sich die ganze Geschichte der Welt an, und ich zähle einen zweiten Geburtstag, eine wahre Wiedergeburt, von dem Tag, da ich Rom betrat.“ Und genauso fühlt es sich für mich an. Auch wenn das natürlich ein bisschen übertrieben und kitschig klingt.

Wenn ich hier aus dem Flugzeug steige und die ersten Sonnenstrahlen meine Nase kitzeln, fühle ich mich von diesem Ort herzlich aufgenommen und irgendwie angekommen. Es scheint als würde mir Rom ein herzliches, lautes und fröhliches „Ciao bella!“ entgegen rufen, mich tief umarmen und wie eine original-italienische Mamma an ihren dicken Busen drücken. Die Luft riecht anders. Nach Mopedabgasen, nach Pastawasser, nach Pizzateig und Espresso, nach Sonne und alten, kühlen Gebäuden.

Mein Lieblingsstadtteil ist Trastevere: enge verschlungene Gassen, Kopfsteinpflaster, kleine Bars, viele Touristen, Wäscheleinen zwischen den hohen alten Gebäuden, herunter gekommene Fassaden und italienisches Stimmengewirr was nach Musik in meinen Ohren klingt. Ich könnte stundenlang auf dem Piazza di Santa Maria sitzen und die vorbeikommenden Leute beobachten. Die junge, schicke, braungebrannte Italienerin im kleinen schwarzen mit den 10cm Absätzen und dem dunklen Lidstrich, die kleinen, quirligen Bambini, die zwischen den Menschenmengen fangen spielen, ein junger dunkler Gitarrenspieler, der sich gerade in seiner eigenen Welt befindet und so wunderschön auf seiner Gitarre ein Lied der Beatles spielen kann, dass es mich fast zu Tränen rührt. Dazu ein Schluck Wein und ein Stück Pizza a mano (to go) und ich bin seelig.

Falls Ihr demnächst mal in Rom sein solltet, schaut unbedingt mal durch das berühmte Schlüsselloch am Piazza dei Cavalieri di Malta. Auch wenn sich dahinter keine nackten, gut gebauten Italiener tummeln, sondern „nur“ der Petersdom, kann ich mich an diesem Ausblick einfach nicht satt sehen. Da kommt es schon mal vor, dass mich eine japanische alte Schachtel an stuppst und mir zu verstehen gibt endlich weiterzugehen, damit sie ihre brandneue Digitalkamera ans Schlüsselloch pressen kann (übrigens bevor sie selbst erst einmal mit bloßen Augen durchgeschaut hat). Nicht weit von diesem zauberhaften Ausblick befindet sich der „Giardino degli aranci“, ein kleiner Park mit süß duftenden Orangenbäumen und einer Terrasse perfekt Ausruhen, Träumen oder Knutschen. Den Blick auf den Tiber, das Kapitol, den Petersdom und Trastevere sauge ich jedes Mal wenn ich in Rom bin, tief in mich auf, damit ich ihn zu Hause auf Knopfdruck wieder aufrufen kann. Im Giardino stehen Steinbänke, die von der südländischen Sonne vorgewärmt, zum Sitzen einladen. In erster Reihe mit dem besten Blick auf die Stadt sitzen zwei verschämte Jugendliche, halten Händchen und knutschen wahrscheinlich zum ersten Mal. Dann werde ich immer ein bisschen neidisch, denn die erste große Liebe habe ich auch in Rom erlebt. Es gibt hier einfach so viele romantische Plätze an denen man sich heimlich treffen und sich verliebt in die Augen schauen kann. Damals, in meinen zarten sweet Eighteen hat mir L. genau diese Plätze gezeigt. Ich bin mir bis heute nicht sicher in wen ich mehr verliebt war, in L. oder in Rom. Auf jeden Fall hat die Liebe zu Rom bis heute gehalten und ich teile sie gern mit Freunden, Bekannten oder eben Euch. Während es für mich damals noch ein riesen Akt war allein nach Rom zu fliegen, was ja über Tausend Kilometer von meiner Heimat entfernt war (und ist), fliegt mittlerweile jede Billigfluggesellschaft nach Rom und es wird inzwischen wie ein Wochenendtrip in die Berge oder an die Ostsee gehandelt. Freitagabend ins Flugzeug und Sonntagabend zurück. Will man die Stadt richtig kennenlernen, braucht es natürlich ein paar Tage mehr. So ist es eben auch mit einer neuen Liebe. Es braucht viele Tage um sich kennenzulernen und auch ein bisschen Alltag. Das genieße ich übrigens gerade sehr. Und dabei habe ich nicht von der Stadt gesprochen, die sich in meinem Herzen breit macht. Um den kleinen Entzug nach Dolce Vita jedoch zwischendurch kurz zu stillen, kann ich einen Kurztrip nach Rom nur empfehlen.

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4 Kommentare

  1. Hallo du Liebe,
    ich träume von einer Reise in diese Stadt, oder zumindest erst einmal ein Kurztrip … Deine wunderbaren Worte haben dies noch intensiviert. Könntest du mir sagen, wo du in Trastevere gewohnt bzw. übernachtet hast?

    1. Hey! Vielen Dank! Freut mich wenn der Text Lust auf Rom gemacht hat. Ich würde Dir in Trastevere ein Air BnB empfehlen. Ich bin zufälliger Weise dieses Wochenende in Rom und teste ein Air BnB. Wenn es gut ist, schicke ich Dir den Link! Liebe Grüße und buch bitte schnell Deinen Flug! 😉

      1. Liebe Jiuliena! Ich hoffe du hattest eine (wieder) wunderbare Zeit dort? Ich würde mich über eine Erzählung zu deinen Liebelingsorten sehr freuen! Hast du eine gute Übernachtung gehabt?
        Liebe Grüße

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