Mama und Oma sind die Besten

Meine geliebte Oma ist gestorben als ich 15 war. Das ist mittlerweile schon ziemlich lang her. Also so 10 Jahre. Na gut. Etwas mehr vielleicht. So drölfzehn oder viefzehn. Jedenfalls muss ich trotzdem noch unglaublich viel an sie denken. Sie war so ein herzensguter Mensch und hat für ihre Enkelkinder alles gemacht. Meine Mama hat viel von ihr geerbt. Sie ist ebenfalls sehr aufopferungsvoll für ihre geliebten Menschen. Für uns und meinen Papa hat sie immer alles stehen und liegen gelassen und sich und ihr eigenes Glück hinten angestellt. Oma genauso. Oma kam früher zweimal die Woche zu uns und hat geputzt und gebügelt, hat mit uns Kindern Kakao getrunken und immer was Kleines mitgebracht. Das war die Zeit in der ich mich wie ein Schneekönig über ein Überraschungsei oder ein Kindercountry gefreut habe. Oma fehlt mir. Nicht wegen der Ü-Eier. Nein, Oma war einfach Urlaub. Oma war wohlfühlen. Bei Oma war die Welt in Ordnung. Ich musste nur an ihrer Tür klingeln und ich ich konnte diese heile Welt betreten. Dann konnte ich auf ihre Oma-Couch, den Fernseher anschalten und Oma kochte Spaghetti oder Gulasch. Ich wünschte, ich könnte noch einmal mit meiner Oma sprechen und ihr erzählen wie dankbar ich ihr für alles bin.

Meine Mama, ist ihr wie gesagt, sehr ähnlich. Sie musste einiges in ihrem Leben durchmachen. Meine Oma ist früh gestorben, sie selbst war schwer krank. Die Trennung von meinem Vater hat sie wahnsinnig getroffen und selbst jetzt – fast 15 Jahre danach, spricht sie noch oft davon. Ich glaube es ist echt nicht witzig mit Mitte 50 nach 30 Jahren wieder Single zu sein und dann auch noch seinen Job als Geschäftsführerin einer Firma zu verlieren und mit Arbeitslosengeld ohne Aussicht auf etwas Neues plötzlich allein klar zu kommen. Umso mehr freue ich mich, dass Sie seit 3 Jahren wieder glücklich ist. Mit Ü60 noch einmal geheiratet hat, inzwischen in einem kleinen Häuschen mit Garten am Stadtrand wohnt und in einigen Monaten in Rente geht und ihr Leben noch nach Herzenslust genießen kann. Sie musste so viele schlimme Dinge erleben, aber hat sich nie unterkriegen lassen. Sie ist eine wirklich starke und bewundernswerte Frau. Und auch wenn sie mich manchmal in den Wahnsinn treibt mit Dingen wie „Jetzt such Dir endlich mal einen Freund!“ oder „Die Bettwäsche gehört gebügelt“ oder „Gib nicht so viel Geld für Klamotten und Reisen aus!“ oder „Wenn Dein Vater und ich noch zusammen wären…“ oder „Komm doch zurück in Deine Heimatstadt!“ oder oder oder – ich hab sie wirklich sehr sehr lieb und hoffe nicht nur ihre blonden Haare geerbt zu haben, sondern auch den ein oder anderen Charakterzug.

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6 Kommentare

  1. dann: Wenn du denkst du hättest es deiner Oma gerne gesagt, sag es deiner Mama mal ganz lieb…..und dadurch sagst du es ja irgendwie auch deiner Oma denn sie ist ja ein Teil von Ihr

  2. Ah, ich verstehe so gut, was Sie meinen! Wenn Menschen für eine eine Art Safety Zone bilden, man sich in deren Nähe verkriechen kann, so, dass alles im Außen abprallt wie an einer unsichtbaren Wand, man einfach nur geschützt und geliebt und sicher ist. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass und wie Ihnen Ihre Oma fehlt.

    Umso beeindruckender was Sie über Ihre Mutti schreiben. Den Mut, die Kraft muss frau erst einmal besitzen, sich unter vollkommen fremden Vorzeichen neu zu definieren, neu zu wurzeln, wie wunder-voll, dass es Ihr gelang.

    Das scheinen zwei sehr besondere Frauen zu sein, Ihre Oma und Ihre Mutti. So richtig wundern tut es mich indes nicht, denn großartige Mütter bringen großartige Enkel-Töchter hervor – und das sind Sie eindeutig!

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