Wenn Freundinnen Mamas werden…

Seit letztem Wochenende bin ich bei Ella, einer Freundin die ich vor mehr als 10 Jahren bei einem gemeinsamen Praktikum kennengelernt habe. Wir haben uns gleich an unserem ersten Tag kennen (und lieben) gelernt. Manchmal trifft man im Leben so Personen, die man auf Anhieb sehr mag. Wir waren beide Single, sind zusammen um die Häuser gezogen, haben uns unsere Lebensgeschichten erzählt, saßen mit Picknick in der Sonne und haben einfach unsere gemeinsame Zeit unwahrscheinlich genossen. Auch nach dem Praktikum sind wir trotz unterschiedlicher Wohnorte in engen Kontakt geblieben. Wir feierten Silvester zusammen, fuhren zusammen in den Urlaub, besuchten uns und unterstützten uns gegenseitig bei der ersten Job- und Männersuche nach dem Studium. Auch als wir beide in Beziehungen steckten blieb zwischen uns alles beim Alten, was nicht selbstverständlich ist. Denn viele meiner Freundinnen veränderten sich in Beziehungen und damit auch unsere Freundschaften.

Vor einem Jahr hatte Ella beruflich in meiner Stadt zu tun und ich freute mich auf einen gemütlichen Mädelsabend mit Sushi, Wein und dem ein oder anderen Cocktail. Als sie zur Tür rein kam, hielt sie mir eine kleine Flasche Schnaps vor die Augen und meinte, den wirst Du jetzt brauchen. Normaler Weise heißt das derzeit in meinem Freundeskreis „Ich bin schwanger!“ oder „Ich werde heiraten.“ (Früher hieß es „Halligalli Drecksaufest“!) Bei Ella konnte ich mir weder das Eine noch das Andere vorstellen, da ihre Beziehung noch relativ frisch war und er mir alles andere als bindungswillig schien. Die Gedanken in meinem Kopf spielten also Ping Pong: „Schwanger?“ – „Nein!“ – „Heiraten?“ – „Nein!“ – „Schwanger?“ – „Nein!“ – „Heiraten?“  – „Nein!“ Also schaute ich sie nur verdutzt mit offenem Mund an.

Schon platzte es aus ihr heraus: „Ich bin schwaaaaaanger!“ Überrascht und ungläubig schaute ich sie an. „Echt jetzt?“ Aus Sushi, Wein und Cocktails wurde an diesem Abend nichts mehr, aber in gemütlicher Atmosphäre schilderte sie mir aufgeregt alle Details. An diesem Abend schwor sie mir auch, dass sie nieeee nieeeee eine von den Muttis wird, die jede Woche ihr Profilbild auf Facebook auf das neuste Babybild ändern und allen Freunden stolz vom ersten Pipi und Kacka ins Töpfchen berichten.

Gut ein Jahr später steht mein Besuch bei ihr an. Ella wohnt inzwischen im In-Viertel der Stadt, in einer riesigen Wohnung mit Dachterrasse und einer Bonzenkarre in der dazugehörigen Tiefgarage. Ihr Freund ist Bänker und kann sich das leisten. Ich freue mich drauf Mini-Ella kennenzulernen und ein paar Tage mit Ella zu verbringen.  In den letzten Monaten war viel passiert und ein gegenseitiges Update dringend notwendig. Mini-Ella begrüßte mich auch gleich sehr herzlich und ich musste sie gleich tief und fest in mein Herz schließen und war glücklich eine weitere Freundin gewonnen zu haben.

Es dauerte allerdings nicht lange da musste ich feststellen, dass mir die neue Freundin, die alte abtrünnig gemacht hatte. Ella war rund um die Uhr mit Mini-Ella beschäftigt. Wenn wir kurz Zeit zum Quatschen hatten, weil Mini-Ella ein Schläfchen hielt, war Mini-Ella trotzdem Thema. Natürlich fragte ich auch viel nach, weil ich wissen wollte wie Ella mit ihrem neuen Mama-Job klar kommt und ob es wirklich das Schönste ist auf Erden was man… äh… Frau sich vorstellen kann. Irgendwie verpasste Ella aber den Zeitpunkt auch nach meinem Leben zu fragen, was derzeit nunmal keine Babys, Spucktücher, Milchbrei und Krabbelstunden beinhaltet. Sonntagabend war die Kleine dann endlich im Bett und Ella machte eine Flasche Wein auf. „Endlich.“ dachte ich. „Ella is back!“ Aber Ella schaltete den Tatort ein, machte es sich mit ihrem Freund auf der Couch bequem und konnte auch an diesem Sonntag ihre Routine nicht verlassen. Montags trafen wir eine andere schwangere Freundin und am Dienstag eine andere Mama. Dreimal dürft ihr raten über was sich die Damen unterhielten.
Versteht mich nicht falsch liebe Mamas. Ich verstehe absolut, dass die Kiddies  Euer ein und alles sind. Aber warum gibt es dann einfach kein – absolut kein – anderes Thema mehr? Warum ist es auf einmal eine Selbstverständlichkeit, dass ich koche, spüle und aufräume, während Mini-Ella gefüttert, gebadet oder ins Bett gebracht wird? Langsam kommt mir eine Ahnung wie sich die Papas dieser Welt fühlen müssen. Mir fiel die letzten Tage auf dass die Dialoge zwischen Ella und ihrem Freund nur noch funktional waren und oftmals mit einem Augenrollen von beiden Seiten begleitet wurden. Wo geht die Liebe hin? Reserviert Mini-Ella alles für sich allein? Die Tage, an denen ich zu Besuch bei Ella war, hat Ella definitiv mehr mit Mini-Ella gesprochen als mit mir, obwohl diese noch nicht antwortet. Ich bin ein bisschen traurig und verlasse sie mit wehmütigen Gedanken an unsere Zeit in Italien, Cappuccino schlürfend auf der Piazza, fernab von Wickeltischen und Babyfläschchen. Die Zeit in der wir eins waren und die Gedanken der anderen lesen konnten.

Vielleicht funktioniert das aber noch immer, denn bei unserer Verabschiedung meint Ella „Ich hoffe Du kommst trotzdem bald wieder auch wenn Du ein bisschen die letzten Tage zu meinem Personal Assistant mutiert bist.“ Na ja, für gute Freunde mache ich auch das. Irgendwann kann sie sich hoffentlich revanchieren und mir den ganzen Tag Tipps geben, welche Kinderwagenmarke die richtige ist, was gesund und ungesund fürs Kind ist und was zur Babyerstausstattung gehört. Die Zeiten ändern sich nun mal und aus Party-Ella ist Mama-Ella geworden.

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10 Kommentare

  1. Oh wie ich das kenne! Ja, die Natur ordnet alles der Aufzucht des Nachwuches unter.
    Danke auch für dein Verständnis der Papas (auch wenn diese meist gerne Männer bleiben würden und nicht gerne zu Papas mutieren wollen).
    Die Kurzcharakterisierung des Grades der Veränderung der früheren Frau mache ich immer am Profilbild der jetzigen Mutter in WhatsApp et. al. fest:
    – Normalfall: Aus dem Foto der Frau ist ein Foto von Mutter und Baby geworden. Schlussfolgerung: Wenn Du sie triffst, werdet ihr über das Kind reden.
    – Extremfall. Aus dem Foto der Frau ist ein Foto nur des Babys geworden.
    Schlussfolgerung: Triff die Frau nicht! Es gibt sie nicht mehr!
    Der Fall „Aus dem Foto der Frau wurde ein Foto von Mutter, Kind und Vater“ kommt nie vor.
    Der Fall: „Nach der Geburt hat Frau ein neues Foto nur von sich selber eingestellt“ kommt vor. Meistens erst, wenn das Kind in der Schule ist. Vielleicht kann man die Mutter dann mal wieder treffen und frustrierten Reste der Frau trösten: „Keine Mädelsabende und keine tollen Feiern mehr, keine interessanten Gespräche und die Beziehung zum eigenen Mann ist ja leider so schlecht geworden in den letzten Jahren.“

  2. Leider ist das so! Wenn ein Baby zur Welt kommt verändert sich das Leben so sehr – es ist nichts mehr wie vorher. Nicht dass man kein Interesse mehr hat an Kino, Theater, Freunden etc., man hat einfach keine Zeit, keinen Nerv mehr wenn man dreimal in der Nacht aufstehen musste und Schlafmangel hat 😦 Manche sind überfordert mit dieser neuen Situation und sind dann froh, wenn sie sich mit Gleichgesinnten austauschen können. Das frühere „Nomalleben“ ist ein für alle mal vorbei und nicht alle sind glücklich damit! Man hat einfach keine Zeit mehr für alles was zuvor wichtig war und glaube mir, den Müttern fehlt das auch! Ich war jahrelang nicht im Kino weil ich einfach keinen Sitter hatte und für einen schönen Abend mit meinem Mann keine 50 Euro Babysitter bezahlen wollte 😦
    Irgendwann bekommt man sein „altes“ Leben zurück. Manche früher, die die einen Babysitter haben, z.b. Großeltern die hin und wieder mal einen freien Abend ermöglichen. Oder sehr viel später, wenn man keine Kinderbetreuung hat. Aber in dieser Zeit verändert man sich gewaltig, da Kindererziehung, permanenter Zeitdruck die eigene Persönlichkeit neu aufstellen.
    Die Frage ist ob man sich in dieser Zeit als „Freundinnen“ so weit voneinander entfernt hat, dass frau sich danach nicht mehr wiederfinden kann?
    Ich weiss nicht ob ich mich hier zu weit aus dem Fenster lehne: Du könntest Deine Freundin fragen ob Du für ein paar Stunden das Baby hüten kannst, so dass sie mit ihrem Mann mal wieder ein paar Stunden verbringen kann, denn das fehlt auch völlig 😦 und im Austausch dazu hat sie mal einen Abend für Dich frei und ihr Mann passt auf?

    1. Wir wohnen ja leider nicht in einer Stadt. D.h. ich bin nur einige wenige Abende da und die würde ich natürlich gern mit ihr verbringen. Es geht ja auch nicht darum dass ich nicht verstehe wie wichtig und anstrengend das alles ist, aber die ein oder andere Frage zu meinem Leben, wenn das Kind im Bett ist, wäre schön gewesen.

      1. Da hast Du natürlich recht. Wenn Du schon da bist, sollte sie sich zumindest auf Dich einstellen. Ich finde es schade wenn sie gar kein Interesse mehr hat.
        nteressen hatte ich immer, nur die Zeit nicht dazu…..

    2. Ich glaube der Kindesvater verdient so gut, das einem Babysitter und einer Putzfrau nichts im Weg steht. Da mache ich mir um alleinerziehende Mütter mehr Sorgen.

  3. Geht bei mir im Freundeskreis mittlerweile auch los. Aus meinen lockeren Freundinnen sind teils extrem unentspannte Kontrollfreaks geworden, die über nichts anderes als Babys sprechen können. Dass das alles neu und aufregend ist und man sich gern mit Gleichgesinnten austauscht, kann ich verstehen. Aber 24h am Tag? Spricht ja schon Bände, wie Ella und ihr Freund miteinander umgehen. Traurig 😕

  4. Die Situation kommt auch mir bekannt vor. Ich freue mich für jede Freundin, die ein Kind bekommt. Von ganzem Herzen. Und ich bin auch interessiert an den Fortschritten der kleinen Erdenbürger und daran, was sie so alles den ganzen Tag anstellen. Aber einige Freundinnen mit Kindern ergehen sich tatsächlich in (gefühlt) stundenlangen Monologen über das Befinden des Kleinkindes ohne ein einziges Mal zu fragen: Und wie geht es dir so? Mich hat das auch schon ein paar Mal enttäuscht, weil ich mir so denke „nur, weil ich gerade kein Kind in meinem Leben habe, bedeutet das ja nicht, dass nichts passiert“. Dass es auch anders geht beweisen mir zum Glück auch ein paar Freundinnen. Sie schaffen es tatsächlich neben so spannenden Themen wie „wo bekommt man das günstigste Windel-Abo“ oder „wo findet der nächste Baby-Flohmarkt statt“ auch einfach mal zu fragen: Und bei dir so?

  5. Ich weiss genau wie du dich fühlst, mir ging es mit meiner besten Freundin ähnlich. Ich glaube bei deiner Freundin kommt noch der plötzliche Reichtum dazu, der sie noch ein Bisschen erwachsener erscheinen lässt, wodurch ihr Leben im grossen Kontrast zu deinem Single-Leben steht. Auch scheinen die beiden eine leicht spiessige Ader zu haben, nach dem Motto „Wir wollen perfekte erwachsene Eltern sein“. Meine Freundin war etwas weniger spießig und auch nicht extrem reich, wenn ich den Unterschied zu meinem eigenen Leben natürlich klar sehen konnte, vor allem beim zweiten Kind dann. Dennoch haben sie uns ihr Mann immer noch Witze gerissen und uns allen gesagt „Habt bloss keine Kinder, ihr habt keine Ahnung, was ihr euch da anlacht“ 🙂 Sie haben trotzdem noch Besucher empfangen und Partys gefeiert, auch wenn meine Freundin dann immer wieder für ein paar Stunden im Kinderzimmer verschwand. Man kann es also auch anders machen, als zu zweit auf der Couch sitzen. Jedoch gibt es etwas, was mir – genau wie dir wirklich wehtut – und zwar ist es die Tatsache, dass seitdem meine Freundin ihre Hochzeit, ihre Schwangerschaft, ihren Umzug in einer kinderfreundliche Wohnung, ihre zweite Schwangerschaft und ihr jetziges Leben als Mutter hatte, sie der Meinung ist, dass ihre Pflichten viel essentieller sind als meine. Sie erwartet von mir, dass ich da bin bei Umzügen und allen anderen Herausforderungen, dass ich an alle Geburtstage denke, bei allen Parties und einfach nur so stets aufräumen helfe, nach den Kindern frage und und und. Dabei sieht sie die Herausforderungen in meinem Leben nicht als wichtig an, klar fragt sie wie es mir geht und alles, jedoch spüre ich, dass im Vergleich zu den Herausforderungen vor denen sie selbst täglich steht sie meine absolut unbedeutend findet. Dabei merkt sie nicht, wie hart es für mich ist mit 31 unverheiratet, ohne Kinder, ohne reiche Wohnung und ohne dem finalen viel Geld einbringenden Job zu sein, wie sehr ich als nun erwachsene auf mich allein gestellte Frau dem ernst des Lebens ins Gesicht blicke. Sie sagt mir sogar, dass ich egoistisch bin, dabei merkt sie nicht, dass sie in ihrer eigenen Babyblase gefangen ist und das seit 3 Jahren. Ob sie für mich Zeit haben wird, um mir beizustehen wenn ich das alles eines Tages durchmache, ist fraglich, denn ihre Familie ist nun für immer ein Teil von ihr und an erster Stelle.

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