Ein neuer Lebensabschnitt

Ende des Monats ist es also so weit: G. und ich ziehen zusammen. Ja, wer hätte das noch vor ein paar Monaten vermutet, dass ich, bekennender Dauersingle (mein Bild im Duden neben dem von Beate), mal mit meinem FREUND zusammenziehen werde. Mein Freund. Ein bisschen komisch klingt es tatsächlich immer noch, obwohl ich jetzt genügend Zeit hatte mich daran zu gewöhnen. Mein Freund.

Ende des Monats beginnt für mich ein neuer Lebensabschnitt. Es ist wohl irgendwie ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Mit meinem Exfreund habe ich zwar auch zusammen gewohnt, aber das war etwas anderes. Er war beruflich viel unterwegs und teilweise wochenlang weg. So kam kein Alltag auf und ich hatte genügend Freiraum für mich. Zusammenziehen ist ein Bekenntnis nach außen. Man verkündet der Welt sesshaft geworden zu sein und befindet sich automatisch in einer Lebensphase in der Heirat, Kinder und gemeinsames Altwerden und all der ganze Scheiß im Bereich des Möglichen liegt.

Marotten die ich bisher gut verstecken konnte, werden nun ans Tageslicht kommen. Grünblaue Peelinggesichtsmasken von dm im Gesicht, meine Schwäche für Gute Zeiten, schlechte Zeiten, meine ständigen Zalandopakete, blonde Haare, die ich immerzu verliere und die sich in jeder Ecke und überall in blondes Rollgras verwandeln, Migräneanfälle bei denen ich zu nichts, absolut gar nichts fähig bin und Tage an denen ich einfach so schlechte Laune habe oder mir zum Heulen zu Mute ist. Verstecken ist nicht. Die Wohnung ist nicht sonderlich groß ein bisschen hellhörig. Das Badfenster liegt direkt neben dem Balkon. Muss ich also die nächste Zeit immer leise pupsen? Oder soll ich dabei den Wasserhahn laufen lassen?

Gleichzeitig wird es für mich auch eine große Herausforderung. Ich ziehe in seine Wohnung und kann wahrscheinlich meine lustigen, bunten Bilderrahmen mit Fotos aus meiner Kindheit, meiner Familie, Reisen und Freunden nicht alle aufhängen. Mein riesiger Klamottenschrank kommt erst mal nicht mit und ich muss mit weniger Aufbewahrungsplatz auskommen (eine der größten Herausforderungen). Männerabende mit Fußball und Bier, Sportgeräte und Klamotten verstreut in der ganzen Wohnung und ab und zu Metallica in voller Lautstärke werden meine Zukunft sein.

Und was noch?

Jeden einzelnen Tag neben diesem tollen Mann aufwachen. Morgens als erstes dieses süß – verstrubbelte Gesicht anschauen und abends eng aneinander gekuschelt einschlafen. Gemeinsam frühstücken und zu Abendessen. Und nur noch in Ausnahmefällen Tiefkühlpizza allein vorm Fernseher in sich reinstopfen. Gemeinsames Wein trinken auf dem Balkon in der Abendsonne. Nach Hause kommen und es ist jemand da, der Dich mit Kuss empfängt und fragt wie Dein Tag war. Der Dich tröstet, wenn es ein schlechter Tag war, der Dir zuhört, Dich unterstützt und mit Dir Pläne schmiedet. Und allein dafür lohnt es sich.

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16 Kommentare

  1. Das siehst du falsch. Es lohnt sich für das blaue Maske tragen und keinen stört es.
    Ich wünsche dir, dass du schnell siehst was das -mmn – beste an zusammenleben ist: man wird vertraut miteinander.

    Aber nett vom Fernseher, dass er dir Pizza ausgibt.

  2. Herzlichen Glückwunsch, ich freu mich. Solange eure Beziehung nicht endet wie in dem Roman Good Girl, welchen ich letzte Woche während meines Ibiza Urlaubs gelesen habe, habt ihr meinen Segen.

  3. Ich musste 37 werden um mit einem Partner zusammen zu ziehen. Davor habe ich immer alleine gewohnt, erzähl mir von Marotten! Aber es ist toll, ich genieße es jeden Tag!

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