Der Wunsch nach Babyscheisse

Ja, ich bin wieder da. Zumindest bis zum nächsten Au Revoir. Mein letzter Artikel war ein gelungenes Come Back. Ich bin nicht Take That, sondern eher U2. Scheinbar wollt Ihr meinen Dünnpfiff aus Herzchenscheisse, Erfahrungen in Extremsituationen wie der Begegnung mit der fiesen Qualle oder dem Wunsch nach Babyscheisse weiterhin lesen. Damals, als carpe-diesen-scheiss-diem quasi High season und damit seine beste Performance hatte, hätte ich nie nie nie gedacht, dass mich dieses Thema einmal so verfolgen würde, wie es damals das Thema „Herzchenscheisse“ tat. Ein halbes Leben lang habe ich schließlich versucht nicht schwanger zu werden und war mir sicher, sobald ich einmal die Pille vergessen würde, würde sofort ein Kind in meinem Bauch entstehen. Nun gut 3 Jahre danach, kann ich Euch sagen, dass das sicherlich passieren kann, ich aber eindeutig zu dem einen von fünf Paaren gehöre, wo das eben nicht der Fall ist. Trotz Kinderwunsch kommt es bei jedem fünften Paar nicht zu einer Schwangerschaft – und das gilt sogar für Eltern, die bereits ein Kind haben und sich ein weiteres wünschen. Insgesamt rechnet man mit 1,4 Millionen Deutschen, die ungewollt kinderlos sind. Aber ganz langsam und von vorn.

Wie alles begann…

Jetzt geht es los!

Im Frühsommer 2017, vor über 3 Jahren also, nahm ich die letzte Pille aus meiner Packung und dachte damit kann das Abenteuer beginnen. Ein neuer Abschnitt in meinem Leben. Meine beste Freundin heiratete und wollte danach ebenfalls mit der Planung des zweiten Kindes starten. Wir malten uns aus, wie wir unsere Schwangerschaften zusammen genießen wollten und waren voller Vorfreude. Auch gut 3 Monate später war ich noch voller Hoffnung und dachte, dass ich nun den letzten Sommerurlaub zu zweit und mit einem gemütlichen Glas Wein am Meer noch einmal so richtig genießen würde. Im Dezember erzählte mit meine beste Freundin, dass sie schwanger wäre. Bei mir hatte sich immer noch nichts getan. Trotzdem war ich immer noch positiv. Ein Jahr Training sollte man sich als Paar ja geben, heißt es. Im Februar 2018 hielt ich ihn dann endlich in der Hand. Einen positiven Test. Zur Sicherheit machte ich gleich noch 4 weitere, weil ich es nicht glauben konnte. G. und ich hatten unseren 3. Jahrestag an dem ich ihn damit überraschte. Wir waren super glücklich und ich vereinbarte nach unserem kleinen Urlaub in Spanien direkt einen Termin mit meiner Frauenärztin. Im Urlaub schmiedeten wir Pläne, tauschten uns über Namen aus und waren einfach nur glücklich dass jetzt endlich unsere Zeit als Eltern beginnen sollte.

Der erste Rückschlag: Die Geschichte einer frühen Fehlgeburt

Nach dem positiven Bluttest bei der Ärztin bekam ich direkt einen Mutterpass ausgestellt und wartete gespannt auf den ersten Ultraschall. Während der Untersuchungen war meine Ärztin verdächtig ruhig. Sie sagte mir dann, dass sie keine Herzaktivität feststellen konnte. Ich war in der 7. Woche und sollte eine Woche später wiederkommen. Sie meinte, dass ich mich auf eine Fehlgeburt vorbereiten sollte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich kein einziges Mal darüber nachgedacht, dass irgendetwas schief gehen könnte, sondern war mir so sicher, dass wir nur schwanger werden müssten und dann alle schwierigen Hürden genommen hätten. Unter Tränen erzählte ich es G. der mir Mut zusprach, aber eine Woche später bestätigte sich der Verdacht der Ärztin. Mir wurde zu einer Ausschabung geraten. Während ich auf meinen Termin wartete erhielt ich von der nächsten Freundin die Nachricht, dass sie schwanger wäre. Und selbst am Tag der Operation eröffnete ein befreundetes Pärchen uns dass sie ein Kind erwarteten. Sie konnten ja nicht wissen in welcher Situation wir uns befanden. Ich schwankte zwischen Neid, Wut, Verzweiflung, Trauer und Hoffnungslosigkeit. Und diesen bunten Gefühlscocktail sollte ich noch eine Weile mit mir herum tragen. Oh Moment, eigentlich ist er ja immer noch mein täglicher Begleiter. Denn Ihr könnt sagen was Ihr wollt: Schöne Urlaube, viel Sushi, sich auf Job und Karriere konzentrieren oder die Zeit zu zweit (noch) genießen – es gibt einfach NICHTS, was diesen Wunsch vom Tisch bringt oder erträglicher macht. „Carpe diesen scheiss diem“ hilft in so einem Moment leider gar nichts.

15 Kommentare

  1. Ok. Uff. Ich habe heute Geburtstag, und an seinem Geburtstag darf man sich ja bekanntlich etwas wünschen ☝🏻
    Ich wünsche mir für dich, liebe Jiuliena, dass euer Kinderwunsch in Erfüllung geht!!! Und zwar bald!!! Von Herzen wünsche ich euch ganz ganz viel Kraft bis dahin ❤️❤️❤️

    1. Ach, wie lieb Du bist. Dabei weiß ich dass Du gerade ganz andere Probleme hast und dafür wünsche ich Dir auch vieeeel Kraft. Geb Deinen Wunsch lieber für Dich auf! ❤️

    1. Ich weiß Du meinst das nicht böse , aber man kann es drehen und wenden, die Psyche verursacht sicherlich keine Fehlgeburt. Genau wegen solcher Tipps schreibe ich aber auch weiter, weil ich denke dass mehr darüber geschrieben muss, damit man als Betroffener nicht einfach nur „Das wird schon“ oder „Denk positiv“ zu hören bekommt.

      1. Nein, sicher meine ich das nicht böse. Warum auch?
        Es gibt viele Gründe, warum es „nicht klappt“. Im Detail ist sogar die Schulmedizin zumindest sprachlos. Aber ich würde ein psychisches Moment nicht von der Hand weisen.

        Ich wünsche Dir viel Glück bei der Erfüllung Deiner Wünsche.

  2. Liebe Jiuliena, mir tut es aufrichtig leid für Dich, für Euch beide. Ich mag mir den Moment gar nicht vorstellen, in dem man Dir sagt, dass da leider kein Herzschlag ist. Eine Freundin von mir erlebte das auch – und auch wenn man so nah daneben steht, man steht trotzdem „nur“ daneben.
    Umso mehr wünsche ich Euch, dass Euer Wunsch in Erfüllung geht!

  3. Uff, das ist heftig, mir sind gerade die Augen beim Lesen sehr feucht geworden und dabei war ich nie in deiner Situation und würde behaupten, dass ich sie nachvollziehen könnte. Daher bedanke ich mich für diesen ehrlichen Einblick und hoffe für dich. Hoffe für euch.

    1. Wow, danke für den Kommentar. Ich hab noch nie mit einem Mann über meinen Kinderwunsch gesprochen außer natürlich mit G. Dachte immer dass da die nötige Empathie fehlt, aber vielleicht habe ich mich da getäuscht. Das finde ich ne gute Erkenntnis.

      1. Ich denke tatsächlich, dass wir Männer das niemals nachvollziehen können, nur darf das keine Ausrede dafür sein, es verstehen zu wollen. Das geht eigentlich recht einfach: Zuhören, zuhören und nochmal zuhören. Daher bin ich so dankbar, dass du so ehrlich schreibst.

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