Den Kinderwunsch weglächeln

Es tat dieses Mal ein wenig mehr weh. Es war schwieriger zu akzeptieren, dass es schon wieder vorbei war. Dass wir nicht in 10 Monaten unser Baby im Arm halten durften. Die OP (Ausschabung / Abrasio die Zweite) war erst nächste Woche und zuvor stand noch der runde Geburtstag von G. an. Seine Familie war da, meine Familie war da und am Wochenende sollte eine große Party stattfinden. Ich sollte fröhlich sein und konnte es nicht. In mir trug ich noch immer dieses kleine Wunder, was keins mehr sein sollte. Ich war traurig und trotzdem biss ich die Zähne zusammen und setzte ein Lächeln auf. Das wurde von mir erwartet. So machte ich es immer. So würde ich es auch noch beim dritten und vierten Mal machen.

Auf der Party waren viele Leute, die ich länger nicht gesehen hatte. Auch ein befreundetes Pärchen, was gerade verkündet hatte, dass sie schwanger wären. Mit einem Augenzwinkern meinte sie zu mir, dass sie hoffe, dass wir bald folgen. Ich lächelte. Mal wieder. Dann ging ich auf die Toilette und musste heulen. Irgendwann klopfte es an der Tür, ich musste wieder raus und erneut mein Lächeln aufsetzen.

Die meisten, die es nicht erlebt haben, haben keine Vorstellung davon wie schmerzhaft es sein kann, sich etwas so sehr zu wünschen und es dann wieder zu verlieren. Es fällt mir immer noch sehr schwer von neuen Schwangerschaftsverkündungen und Geschichten zu hören. Von „das ging ganz schnell“, „das kam ganz überraschend“ bis „eigentlich wollten wir nicht noch ein Kind“. Und dabei lächele ich unentwegt tapfer. Freue mich für Freundinnen, spreche anderen Mut zu und bekomme selbst ein „Ach, das klappt bei Euch sicher auch bald“ zurück. Wie lang mein Leidensweg dabei ist, wissen ja auch die Wenigsten. Und selbst jene, die es wissen, nehmen es anders als Betroffene wahr. In deren Augen bin ich ja einfach immer kinderlos. Egal ob schwanger, Fehlgeburt, nicht schwanger. Für Andere ändert sich also nichts und sie meinen mir Trost zu spenden oder Mut zu zusprechen wenn sie Sätze sagen wie „Das wird schon noch!“. Wie oft ich bei der Frage nach Kindern inzwischen geschluckt und  gelächelt habe, weiß ich inzwischen nicht mehr.  

11 Kommentare

  1. Ich finde es schwierig hier eine gute Lösung dieser sozialen Problematik zu finden. Natürlich gäbe es Optionen, aber alle sorgen dafür, dass die Leute noch mehr nervige Fragen stellen. Dass die vollkommene Offenheit anscheinend nur dazu führt, einen gutgemeinten Ratschlag zu bekommen, hast du ja schon mehrfach geschrieben, daher ist selbst das keine wirkliche Möglichkeit. Allerdings führte dich dein Weg in eine Isolation, die neben der Trauer über das Geschehene noch zusätzlich belastete. Ich weiß nicht, ob du dir so richtig klar gemacht hast, was du und G. da über die Jahre erlebt und überstanden habt, also was für ein Kraftakt das war. Ich bewundere, dass ihr daran nicht zerbrochen seid.

    1. Danke…Du kennst ja noch nicht das Ende der Geschichte. 😉
      Btw: Gibt es hier eigentlich ein Ende?

      Du hast Recht ich kann hier leider auch keinen optimalen Lösungsvorschlag geben wie andere mit Frauen wie mir umgehen sollten. Wahrscheinlich ist der richtige Weg auch für jede Frau ein anderer.

      1. Es gibt eigentlich nie ein Ende…wobei ich nicht weiß, ob ich mein Ableben nicht als mein persönliches Ende bezeichnen würde.

        Ich erwarte gar keinen optimalen Lösungsvorschlag, das würde ja bedeuten, dass Menschen oder in diesem Fall Frauen immer gleich sein würden. Zum Glück ist das aber nicht so, sonst wäre es langweilig. Mir bringt aber jede offene Erzählung Einsicht und Erkenntnis. Dafür bin ich dankbar.

  2. Wenn ich so etwas lese bekomme ich oft ein schlechtes Gewissen, denn mir ist auch schon so ein Spruch rausgerutscht. Da hat man in jungen Jahren, als fast alle im Umfeld in der Familienplanung waren, nicht drüber nachgedacht.
    Mir ging das Thema Schwangerschaft / Babies aber immer mächtig auf den Nerv und mir taten die Leute leid, die dabei standen und nichts damit anfangen konnten.
    Heute gehe ich sensibler mit dem Thema um, zumal meine Kinder langsam ins Alter kommen wo der Kinderwunsch Thema wird.

    1. Du musst kein schlechtes Gewissen haben.ich denke der lockere Umgang mit dem Thema kommt daher, dass viel zu wenig in den Medien thematisiert wird,wie schwer so ein Kinderwunsch sein kann und wie einfach und schnell man schwanger wird und es dann natürlich auch bleibt. „Einmal nicht aufgepasst!“ Aber genau deswegen schreibe ich hier alles auf was mich bewegt und beschäftigt und freue mich wenn ich zum Nachdenken anrege.

  3. Du hast alles Recht der Welt traurig, wütend, enttäuscht zu sein. Es ist wie es ist du bist kinderlos. Und es ist verdammt schmerzhaft. Das ist schlimm. Ich verstehe dich. Ich selbst hab das alles durchgemacht. Nach unsäglichen Enttäuschungen, Schmerzen, Verlusten wurde ich schwanger. Diese Schwangerschaft stand bereits in den Anfängen mit dreien im Bauch – zum Schluss warens nur noch zwei unter keinem guten Stern. Sie kamen nach einer Odysee 8 Wochen zu früh und heute 22 Jahre später ist gar nichts gut. Ich bin ein seelisches Wrack. Mehr möcht ich hier nicht schreiben. Ich habe mit meinem Wunsch nach Kindern letztendlich 2 Menschen ein Scheißleben gegeben.
    Dir nur soviel auf den Weg mitgeben. Such Dir/Euch Hilfe. Sortiere dich. Vor einigen Jahren begann ich mit der Aufarbeitung. Und aus heutiger Sicht. Kinderlos ist kein Makel. Den angeblichen Makel macht das Umfeld und die anderen.
    Ich drücke dich unbekannter Weise.

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