Die zweite Fehlgeburt

Es war ein kalter Novembertag. In der Arbeit hatte ich dieses Mal nichts angekündigt, sondern mich einfach krankschreiben lassen. Die Entwicklung meiner Schwangerschaft war ca. in der 5. Oder 6. Woche stehengeblieben. Es hatte sich kein Embryo entwickelt, sondern die Fruchthöhle war leer geblieben. Ein Windei. Trotzdem hatte ich Schwangerschaftssymptome. Zur Sicherheit warteten wir auch noch eine weitere Woche ab. Und auf meinen Wunsch hin, weil ich auf einen natürlichen Abgang hoffte auch noch eine weitere Woche. Als sich in der 9. Woche immer noch nichts getan hatte, weder ein Abgang noch eine Weiterentwicklung, vereinbarten wir wieder den OP Termin. Ich kannte das Prozedere dieses Mal ja schon. Es sollte dieses Mal mit der OP eine Untersuchung des Gewebes veranlasst werden, weshalb ich in eine andere Klinik als beim ersten Mal ging.

Früh morgens um 7 sollte ich nüchtern erscheinen. Danach erfolgte wieder das Ausfüllen von Formularen, ein Gespräch mit dem operierenden Arzt und dem Narkosearzt. Wie beim ersten Mal lies ich traurig alles über mich ergehen.

Erleichterung und Trauer liegen nah beieinander

In der Umkleide begegnete mir ein junges Mädchen, nicht älter als 14 oder 15. Ich dachte nach, wie weit weg für mich damals eine Schwangerschaft war und dass das Mädchen recht fröhlich wirkte, obwohl es so ein grausamer Ort für mich hier war. Das hielt mir vor Augen, dass es für jede Frau anders sein kann, sich von einer Schwangerschaft zu verabschieden. Auf eine Ausschabung muss nicht unbedingt Trauer folgen. Es kann eben auch für den ein oder anderen Erleichterung sein. Für mich war es das definitiv nicht.

Die OP verlief eigentlich ganz gut. Aber danach hatte ich viel länger Schmerzen als beim ersten Mal. Die Blutung hielt fast 2 Wochen an. Ich wurde quasi täglich daran erinnert, was ich verloren hatte. Auch psychisch war es schwer den Abgang zu verarbeiten. Ich habe immer noch große Angst vorm Älter werden und dass ich eines Tages gar nicht mehr dazu in der Lage sein werde ein Kind zu bekommen, aber in dieser Zeit war diese Angst besonders groß. Man darf nicht überlegen und rechnen, wann es wieder klappen könnte, denn dann ist man nur mit Warten beschäftigt. Das Leben soll aber kein Warten sein. Kein Warten auf den Eisprung, kein Warten auf einen positiven Test, kein Warten auf eine Schwangerschaft. Ich möchte eigentlich nicht mehr warten. Aber wenn man sich etwas so sehr wünscht, ist es schwer die Gedanken in eine andere Richtung zu lenken und am Ende wartet man doch wieder oder ist traurig, weil das Warten kein Ende zu haben scheint. Eigentlich war ich noch mit Warten beschäftigt, aber schon nach 3 Wochen war meine Periode wieder da und ich konnte in einen neuen Zyklus starten. Ich war beruhigt und dachte dass nehme ich als gutes Zeichen, um positiv in ein neues (Kinderwunsch-) Jahr zu starten. Mittlerweile waren seit Absetzen der Pille bereits fast 2 Jahre vergangen.

11 Kommentare

  1. Liebe Jiuliena, es tut mir sehr leid, dass du diese Erfahrung gleich zwei mal machen musstest. Ich hatte am Freitag meine erste Fehlgeburt. Ich muss mich selber ständig dazu ermahnen, nicht nur „zu warten“, wie du ja ebenfalls geschrieben hast. Nur auf den nächsten Eisprung zu warten, um eventuell wieder schwanger werden zu können, überspringt so viel Lebensqualität, aber ist wohl ein Instinkt nach dieser traumatischen Erfahrung.
    Ich wünsche dir alles gute!

    1. Hey, vielen Dank für Deine Anteilnahme. Ich hab gerade auch einmal bei Dir rein gelesen und besonders Deine Willkommenseite spricht mir aus dem Herzen. Habe leider den Likebutton nicht gefunden sonst hätte ich ihn gedrückt. 😉
      Schön dass sich noch mehr Blogs mit dem Thema beschäftigen. Ich werde auf jeden Fall regelmäßig vorbeischauen.

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