Das Silvesterdilemma.

Das Jahr 2019 ging zu Ende. Ich blickte zurück. Was war gut? Was haben wir erlebt? Was können wir anders oder besser machen? Jedes Jahr sind Weihnachten und Silvester für mich melancholische Tage. Seit dem meine Eltern getrennt sind, empfinde ich diese sonst so gemütlichen Familientage eher als emotional anstrengend. Wenn die Feiertage geschafft sind, wo ich zwischen Mama, Papa, Schwiegereltern, Geschwistern hin und her fahren muss und das in unserem Fall über 1000km Autobahn bedeutet, verspüre ich zwar Erleichterung aber nur im übertragenen Sinne. Denn mein Körper verspürt eher eine Erschwerung nach all den Lebkuchen, Rotweingläsern, Stollengebäck und nicht zu vergessen dem Weihnachtsbraten.

Und was machst Du so an Silvester?

Kaum sind also diese erschwerende Tage vorüber kommt sie auch schon die Fragen aller Fragen: „Und was machst Du so an Silvester?“ Eine Angst einflößende Frage. Wer sich traut, sie zu stellen, hat entweder schon was vor oder will von der eigenen Planlosigkeit ablenken. Ich habe sie zum ersten Mal Ende August gehört – und zum letzten Mal am 31. Dezember morgens. Die Antwort ist jedes Jahr die gleiche: Ich habe keine Ahnung. Eine Woche vorher checke ich noch einmal alle Billigflug Airlines. Leider haben sich die günstigen Flüge nach Portugal oder Südspanien kurz vor Ende des Jahres zu Wuchern verwandelt. Selbst die ranzigsten Wohnmöglichkeiten zwischen Alpen und Ostsee sind seit einem Jahr ausgebucht. Wenn ich nicht bei Mutti auf der Couch landen möchte oder mir allein mit G. „Dinner for one“ anschauen muss, könnten wir auch selber eine Riesenparty schmeißen. Wieso bin ich nicht schon früher darauf gekommen?

Party Party Party

G. und ich fragten ein paar Freunde, die scheinbar nur auf unsere Einladung gewartet hatten und schwups waren wir 16 Leute. Ganz nach Silvestertradition sollte es Raclette geben. Wenn man einen Kinderwunsch hat, muss man nicht zwingend Alkohol vermeiden, aber es gibt Meinungen, die besagen, dass man auf jeden Fall nur reduziert trinken sollte und die ersten 2 Wochen einer Schwangerschaft weiß man ja nie von dieser, weil man erst 2 Wochen nach Eisprung überhaupt testen kann. Daher hatte ich in den letzten Monaten versucht das gemütliche Glas Wein und die Prosecconachmittage mit den Mädels ein wenig zu reduzieren. Während meiner Schwangerschaften verzichtete ich natürlich sofort und ganz. An dem Silvesterabend war es mir aber egal. Ich wollte mich einfach mal wieder betrinken nach dem ich so lange Verzicht geübt hatte. Wir hatten natürlich auch nur guten Wein und hochwertigen Champagner zu Hause. Nicht. Es flossen Schnäpse, Weißwein, Spritz und – ganz schlimm – es gab sogar ein Gemisch aus Batida de Coco und Maracujasaft – ganz wie vor 20 Jahren, als wir Teenis nur üble Sachen tranken um möglichst schnell Sternchen zu sehen oder wie der Bachelor bei all seinen Dates. Der Batida wirkte auch recht schnell und die anfängliche Silvestermelanchonie war schnell vergessen. Ich war gut drauf, drehte voll auf, die Musik war laut, mein Lachen auch. Ich streifte alles ab. Den stressigen Job, den Kinderwunsch, die Fehlgeburten, das schlechte Wetter, den schlechten Geschmack von Batida – alles war auf einmal weit weg. Alles drehte sich und fühlte sich leicht an, bis mir auf einmal schlecht wurde und ich mich unendlich müde fühlte.

Der Tag danach.

Autsch! Mir wurde schlagartig bewusst, warum ich so lange keinen Batida mehr getrunken hatte. Mein erster Gedanke am 01.01.2020 war: „Mir ist schlecht.“ Mein zweiter: „Sehr!“ Kurz darauf musste ich mich übergeben. Normaler Weise geht es mir dann besser, aber Billigalkohol dringt anscheinend tief in das Innerste ein, denn ich musste mich bis in den späten Abend noch übergeben. So startete ich also ins neue Jahr.

2020 vs. 2021

Ja, ich bin immer noch nicht fertig mit der Vergangenheitsbewältigung. In 2020 ist viel passiert. Corona. Hochzeit. Schwangerschaft. Ein paar Artikel sind es noch bis wir im Hier und Jetzt angekommen sind. Ich hoffe Ihr bleibt weiterhin dabei.

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