Projektname: Mini

Ich verbrachte das Wochenende mit ein paar Freundinnen aus der Heimat in einem Wellnesstempel. Meine Freundin A. ist wieder schwanger. Ich weiß dass es bei ihr auch kein leichter Weg hier hin war. Sie mussten auch nachhelfen. Wie lang das tatsächlich gedauert hat, weiß ich nicht. Aber es hat ja geklappt und sie ist eine wirklich wunderschöne und entspannte Schwangere. Ich weiß nicht, ob ich wirklich so entspannt bin, aber ich denke auf jeden Fall bin ich dieses Mal sehr positiv. Endlich wieder schwanger nachdem in 2019 nur eine biochemische Schwangerschaft zu Stande gekommen war. Das wurde dieses Mal bereits ausgeschlossen und die erste Hürde war geschafft. Der HCG Wert in meinem Körper stieg. Die Schwangerschaft intakt. Unser kleines Geheimnis bewahrte ich mir am Wochenende noch und sagte auch meiner besten Freundin nichts. Ich glaube ich kann erst ein klein wenig aufatmen, wenn ich einen ersten Herzschlag auf dem Ultraschall erkennen kann.

Drei Hürden

Direkt am Montag nach dem Mädelswochenende sollte es so weit sein. Der nächste Arztbesuch stand an. Ich war 7+1. Das heißt die Schwangerschaft ist 7 Wochen und 1 Tag alt. Man rechnet hier allerdings immer ab dem ersten Tag der letzten Periode, da sich der Eisprung meistens nie genau feststellen lässt. Jetzt sollte auf jeden Fall ein Herzschlag zu sehen sein. Beim letzten Besuch hatte sich unser Mini noch ein wenig versteckt, aber ein (erneutes) Windei konnten wir ausschließen, da bereits der Dottersack zu sehen war. Ich hatte also schon 3 Hürden genommen: 1. Ich bin endlich wieder schwanger. 2. Es ist keine biochemische Schwangerschaft und 3. Es ist auch kein Windei.

Drei Hürden die für die meisten Frauen eigentlich nur eine sind: Ich bin schwanger!

Projektname: Mini

Ja, unser Mini. Kein Würmchen, kein Krümel, Böhnchen, Pünktchen, Gummibärchen oder – Achtung am aller schlimmsten: ich nenne es auch nicht Bauchzwerg. Ich lese mittlerweile schon immer mal wieder in diversen Foren und stolpere dabei immer über die gleichen dämlichen Begriffe. Ich finde es schön, wenn Pärchen kreativ werden, was den Projektnamen angeht und sie etwas finden, was zu ihnen passt. Freunde von mir haben ihren Bauchzwerg Dieter genannt. Das finde ich schön. Aber vielleicht bin ich da auch ein wenig eigen. Ich mag auch nicht „Schaaaaaaahaaaaaatz“ genannt werden.

Okay, Mini und ich waren am Montag jedenfalls Punkt 9 bei der Ärztin. Ich war richtig nervös, aber auch gleichzeitig positiv gestimmt. Die Zeit im Wartezimmer zog sich wie Kaugummi. Endlich wurde mein Name aufgerufen. Ich wollte aufstehen, aber im gleichen Moment realisierte ich, dass nicht ich gemeint war sondern eine Frau die einen ähnlichen Nachnamen wie ich hatte. Peinlich berührt setzte ich mich wieder und tippelte nervös an meinem Handy rum. Endlich wurde ich rein gerufen. Die Ärztin fragte, wie es mir geht. „Gut, aber ich bin sehr nervös, ängstlich und aufgeregt.“ „Haben Sie irgendwelche Beschwerden?“ „Nein gar nicht, am Wochenende hatte ich ein kurzes Ziehen im Bauch verspürt, aber das ging schnell vorbei. Meine Brüste spannen wie Teufel und ich fühle mich wie Dolly Buster, aber ich bin fit, mache Yoga, gehe joggen und habe keine Anzeichen von unwohl sein.“ Das hatte ich übrigens auch in den anderen Schwangerschaften nicht, obwohl ich es mir manchmal wünschen würde, damit ich weiß dass alles „normal“ ist. „Sehr gut. Dann schauen wir einfach mal direkt nach, wie es dem Würmchen so geht.“ Würmchen. Aaaaarghhh! Es ist ein Baby. Ein Embryo, unser Mini, aber kein Würmchen.

Gedankenkarussell

Mit bis zum Hals klopfenden Herzen legte ich mich auf die Liege und die Ärztin führte den Ultraschallstab ein. Ich konnte erst nicht hinschauen. Dann traute ich mich doch. Es sah eigentlich fast so aus wie beim letzten Mal. Ich hatte mir vorher in einem Youtube Video einen Ultraschall angeschaut, wo man ein kleines klopfendes Herz sah und konnte keinen Vergleich ziehen. Eine Fruchthöhle war zu sehen und sah aus, als wäre sie weiter gewachsen, der Dottersack war auch da. Die Ärztin vermochte auch den Embryo zu sehen, aber sie sagte schnell, dass dieser sehr klein wäre. Auch einen Herzschlag konnte sie nicht eindeutig erkennen. Sie sagte, wie dürfen noch nicht die Hoffnung verlieren, aber ein wenig gedämpfte Hoffnung gäbe es leider schon, weil ich ja schon bei 7+1 war und man eigentlich mehr sehen sollte. Ich wusste nicht was ich denken sollte. Gab es noch Hoffnung? War es schon wieder vorbei? Ich sollte Freitag wiederkommen. FÜNF volle Tage warten und hoffen und bangen. Beim Gedanken daran wurde mir schlecht. Zudem war Freitag eigentlich mein letzter Arbeitstag, denn ich wollte einen Tag später für eine Woche zusammen mit einer Freundin in den Yoga Urlaub nach Portugal fliegen. Sollte ich das lieber absagen? Was sollte ich ihr sagen? Sie wusste nichts von meiner Schwangerschaft. Was wenn mir wieder eine OP bevor stand? Was wenn ich im Urlaub Blutungen bekomme oder sogar eine Fehlgeburt? Wäre es aber vielleicht besser eine Woche weg von allem zu sein, wandern zu gehen und Meeresluft zu atmen, als zu Hause zu sitzen und Trübsal zu blasen? Und vielleicht, aber ganz nur vielleicht gibt es ja noch eine Chance. Eine kleine Chance, dass dieser Freitag zum besten Tag in meinem Leben werden würde. Dass sich ein kleines Mini mit klopfendem Herzen seiner Mutter zeigt und mir sagt: „Mach Dir keine Sorgen Mama, ich bin gesund, ich wachse und schon bald werden wir uns richtig sehen und in den Armen halten können.“ An diese Hoffnung klammerte ich mich und versuchte die 5 tägige Wartezeit irgendwie zu überbrücken.

8 Kommentare

  1. Ich habe ja bereits geschrieben, dass ich auf jeden neuen Beitrag warte und hoffe, dass doch bald das Happy End kommt. Und am Anfang hat sich dieser Beitrag wirklich so gelesen, als wäre es nun endlich soweit und dann…. ich weiß gerade nicht, ob ich den nächsten Beitrag tatsächlich lesen will. Wenn ich jetzt stoppe ist es quasi Schrödingers Baby 😉

    Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie du dich die letzten Jahre, als du all diese Sachen durchleben musstest, gefühlt hast, wenn es mich als völlig Außenstehende schon so mitnimmt diese Geschichte zu lesen.

    Durch Geschichten wie deine lerne ich unsere Situation gerade auch noch ein Stück mehr zu schätzen. Ja, es klappt zwar seit fast 1,5 Jahren nicht, das ist Mist, aber dafür mussten wir auch noch nicht den Schmerz eines Verlustes erfahren. Wenn es nie klappen sollte, ist das auch hart, aber der größte Schmerz würde uns erspart bleiben.

  2. Ja, manchmal denke ich auch dass sich die Kinderwunschzeit bei uns wie ein Krimi anfühlt. Oder doch eher ein Horrorfilm? Egal, auch Horrorfilme haben Happy Endings. 🙂 Du musst auf jeden Fall weiterlesen.
    Ich weiß dass sich 1,5 Jahre auch ziehen können und man langsam verzweifelt. Es ist gut darüber zu sprechen oder zu schreiben. Man muss nur die Personen finden, die einen verstehen und gern zuhören. Das finde ich persönlich am Schwierigsten. Wer umgibt sich schon gern mit Negativität? Ich drücke Euch auch weiterhin die Daumen!

    1. Okay, ich bleibe dran 🙂
      Über ein Forum habe ich ein paar Frauen kennengelernt, die es ebenfalls schon länger erfolglos versuchen. Wir haben ein WA-Gruppe und der Austausch dort tut mir gut, wir sitzen ja schließlich alle im selben Boot.

      Danke fürs Daumen drücken 🙂

  3. Ich finde diese Kinder-Kosenamen auch schwierig… Mini ist eine super Bezeichnung 🙂 Es ist schwer zu verstehen, warum es für manche Frauen nur Hürden gibt, während andere nicht mal wissen was das ist. Allerdings ist das eben auch immer nur eine Momentaufnahme in unserer Biografie. Danke für die tollen Beiträge!

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