Die schönsten Tage…

Das Jahr 2020 war für die meisten schwierig. Für mich auch, aber die Tage im August vor und nach der Hochzeit waren definitiv die schönsten im ganzen Jahr. Ich schwebte wie auf Wolken. Endlich war ich wieder schwanger. Und endlich sah auch einmal ausnahmsweise alles gut aus. Die Werte waren wie aus dem Bilderbuch. Das HCG stieg. Keine biochemische Schwangerschaft, kein Windei. Die ersten Hürden waren geschafft. Es lag noch ein langer Weg vor uns, aber ich war zuversichtlich.

Neues Leben kommt, altes Leben geht.

Ich hatte Urlaub, paddelte in der Sonne auf dem See mit meinem SUP und freute mich auf ein paar schöne Tage im Norden der Republik, wo unsere Hochzeit stattfinden sollte. Ich weiß noch wie ich dachte, dass genau in diesem Moment, da auf dem See, mit dem SUP unter mir, der Sonne im Gesicht, der warmen Luft, der Ruhe und der Vorfreude, ich mir wünschte jetzt auf eine STOP Taste im Leben drücken zu dürfen. Alles fühlte sich irgendwie gut an und ich spürte eine tiefe innere Ausgeglichenheit. Ich freute mich auf die Zukunft, die wie aus einem Klassiker herausgeschnitten vor mir lag: Verheiratet, mit G. und mit Baby. Es fehlte nur noch das Einfamilienhaus und der Hund, aber hey – Ich bin dann doch eher der Katzentyp. Aber wer hätte das noch vor ein paar Jahren gedacht? Könnt Ihr Euch noch an meinen Artikel erinnern, woran man den Richtigen erkennt? G. gab mir dieses Gefühl. Es fühlte sich einfach richtig an.

Mit einem Lächeln im Gesicht kam ich nach Hause, welches direkt verstummte als G. mir mitteilte, dass seine Oma gestorben wäre. Sie war 96 und die letzten zwei Wochen ging es ihr schon nicht gut. Wir waren beide nicht geschockt, aber traurig. So kurz vor der Hochzeit. Als wir sie im Mai über das Datum und den Ort unserer Trauung informierten, war sie ganz aus dem Häuschen. Sie rief direkt bei meiner Schwägerin an und verpflichtete sie am nächsten Tag ein Kleid für die Hochzeit zu shoppen. Das blaue Kleid hing nun leider noch ungetragen bei ihr zu Hause im Schrank.

Dennoch musste ich irgendwie an diesen blöden Spruch denken „Neues Leben kommt, altes Leben geht.“ Es war Zeit für Oma Hilde gewesen. Sie hatte mit ihren 96 ein stolzes Alter erreicht und musste nicht lang leiden. Es heißt, dass für eine neue Seele auf der Welt Platz gemacht werden muss. Hilde war gegangen und das Mini in meinem Bauch machte es sich gemütlich. Die Hochzeit stand bevor und wir blickten nach vorn.

Entspannt heiraten im Coronajahr – WE DID IT!

Wir heirateten im Sommer 2020 im kleinen Kreis, direkt am Meer. Meine beste Freundin war mit ihrer Familie angereist, genauso wie unsere eigenen Familien. Nachdem wir monatelang nach dem Antrag überlegt hatten, wie wir letztendlich heiraten wollen, war es im Mai auf einmal ziemlich klar. Wir riefen 3,5 Monate vorher im Standesamt an und erhielten direkt einen Termin im August und begannen auch dann erst mit der eigentlichen Planung. Schnell war eine tolle Location gefunden, direkt am Meer, stylisch, aber nicht kitschig. Da wir diese nicht komplett mieteten und unsere Hochzeit unter der Woche stattfinden sollte, war diese auch noch frei. Gutes Essen und guter Wein (den ich nicht trinken durfte), barfuß im Sand mit strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel. Wir hatten Glück, denn die Corona Bestimmungen waren gelockert, was kleinere Feierlichkeiten anging. Am Morgen rief ich noch in der Location an und erzählte dem Team, dass ich ganz frisch schwanger wäre und sie bitte darauf achten sollten, dass sie mir immer alkoholfreie Getränke servieren sollten, die aber wie alkoholische aussehen mussten. Wir hatten einen Deal. Am Hochzeitstag zu verstecken, dass man kein Alkohol trinkt, ist wirklich nicht leicht. Aber ihr kennt ja inzwischen meine wertvollen Tipps und die halfen mir super über den Tag und es war nur einmal kurz peinlich, als der Kellner übermäßig betonte, dass er mir einen alkoholfreien Cocktail bringen würde. Aber auch das durfte ja mal erlaubt sein. Der Tag verging viel zu schnell. Es war schön so viele glückliche Gesichter zu sehen, die ich selbst so ins Herz geschlossen habe und ich fühlte mich glückselig, dass alle wegen uns den Weg auf sich genommen hatten und teilweise so viel Liebe in die Vorbereitungen von kleinen Überraschungen und Geschenken gesteckt haben. Ich spürte einfach ganz ganz tief in mir viel Liebe und Glück und einer innere Zufriedenheit wie schon lange nicht mehr. Vielleicht würde am Ende doch noch alles gut werden. Vielleicht.

8 Kommentare

  1. Deine Cliffhanger machen mich fertig…
    Deine Texte an sich kann ich inzwischen schon nicht mehr entspannt lesen, weil man immer Angst hat, dass es doch anders kommt, als man hofft. Ich scrolle auch nur ganz langsam weiter, damit ich mich nicht selbst ausversehen spoiler und dann kommt da schon wieder so ein offenes Ende…

    Also ganz unabhängig vom Inhalt – großes Kompliment für deinen Schreibstil.

    Ich hoffe von ganzem Herzen, dass Oma Hilde euch durch ihr Gehen ein kleines Geschenk ermöglicht hat, welches ihr bald in den Armen halten könnt. 96 ist wirklich ein stolzes Alter und in euren Gedanken hat sie sicher die Hochzeit mit euch mit gefeiert.

    1. Haha, tut mir leid für die Cliffhänger, aber das schlimme ist: Mein Leben besteht aus diesen ganzen Cliffhängern. Immer und immer wieder: Warten, Hoffen, Bangen.
      Danke auf jeden Fall für das Kompliment.

  2. Alles richtig gemacht würde ich sagen. Gerade in so einer beschwerlichen Zeit ist es einfach nur schön sich Liebe ins „Haus“ zu holen. Auch wir haben im Corona Jahr geheiratet. Es war nicht direkt geplant, aber nach der ersten Fehlgeburt konnten wir uns nichts schöneres vorstellen, als unseren Zusammenhalt mit einer Heirat zu besiegeln. Es ist ein unglaublicher Liebesbeweis trotz der schweren Zeit die ihr durchmacht/durchgemacht habt zueinander zu stehen. Ich bin gespannt wie eure Geschichte weitergeht.

    1. Da geb ich Dir recht. Manche Paare wachsen zusammen, manche treibt es auseinander oder durchleben eine schwere schwere Zeit. Wir gehören zum Glück bisher zu Ersteren. Hoffen wir mal dass das so bleibt. Ohne Liebe und einem engen Vertrauten lässt sich sowas nicht überstehen.

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