Die Frage nach Familienplanung

Zu meinem Geburtstag im letzten Jahr bekam ich viele Glückwünsche. Darunter eine Whatsapp Nachricht von Uwe. Uwe ist ein alter Bekannter, den ich schon mehrere Jahre nicht mehr gesehen hatte. Ich glaube er war mal an mir interessiert, aber Uwe ist der Typ Mann, der an jeder Frau interessiert ist, die in sein Beuteschema (schlank, halbwegs attraktiv, passendes Alter) passt. Es war also für mich nicht schwer da auch rein zu rutschen. Wir haben uns damals ein paar Mal getroffen und waren locker befreundet, aber mehr irgendwie auch nicht. Mit der Zeit hatte sich diese Bekanntschaft dann verloren. Und was bleibt bei solchen Begegnungen meist übrig? Ja, natürlich, die jährlichen Geburtstagsnachrichten. Ich hatte an seinen schon nicht mehr gedacht, aber er schrieb mir an meinem folgende Zeilen:

Happy Birthday, Jiuliena. Mach Dir ein schönes Sommerwochende, Uwe.“ Eine belanglose Nachricht auf die eine belanglose Antwort und ein kurzes „Wie geht’s?“ von mir folgte. Mit einem einfachem „gut“ sind die Konversationen dann meistens beendet und der Kontakt verschwindet wieder in die Weiten von Whatsapp, Facebook und Instagram.

Aber Uwe stellte direkt im Anschluss die böse K-Frage: „Und arbeitest Du schon an der Familienplanung?“ Entschuldigung? Ist das eine Frage, die auf ein „Wie geht es Dir?“ folgt? Äh Moment. Genau genommen, hat er mich gar nicht gefragt, wie es mir geht, sondern nur ich ihn. Meine Familienplanung erschien ihm eindeutig interessanter, als wie es mir geht. Die Frage hat mich damals wirklich überrascht. Damit wird im Allgemeinen oft so (viel zu) locker umgegangen. Natürlich wusste  er nicht, dass er mit der Frage direkt in (m)ein persönliches Wespennest gestochen hatte, aber die Frage stellt man(n) doch einfach auch nicht.

Was wäre im Nachhinein eine gute Antwort gewesen?

  1. Hi Uwe, danke mir geht es auch gut. Oh das war gar nicht die Frage, sorry!
  2. Ja, tun wir. Wir bumsen bereits seit Monaten ohne Verhütung. Macht echt Spaß. Würde es daher auch nicht „Arbeit“ nennen. Und wie sieht es bei Dir aus? Ist es Arbeit oder Spaß?
  3. Familienplanung? Was? Ich bin doch erst Ende 30!!! Bis 75 will ich mein Leben erst noch ein wenig genießen.
  4. Ja na sichi, und Du?
  5. WTF? Das geht Dich nen feuchten Dreck an!

Zum Schluss wäre da noch eine ehrliche Antwort, die genaugenommen, niemand hören oder lesen will.

6. Ja, tun wir. Genau genommen seit mehreren Jahren. Leider hatte ich in der Zeit vier Fehlgeburten mit jeweils anschließender OP und eine biochemische Schwangerschaft. Nun habe ich Angst dass es bald zu spät sein könnte. Wir sind aber in Behandlung.  

Ich wählte Variante 7: Ich habe auf die Nachricht einfach gar nicht geantwortet und hoffe dass er mir dieses Jahr nicht wieder gratuliert.

Die böse K-Frage (Frage nach Kindern bzw. der Familienplanung)

19 Kommentare

  1. Immer Nummer 6! Man muss den leuten mal ihre scheiß Grenzen aufzeigen, weil das einfach verdammt nervtötend ist… Bei dir isses die K Frage, bei mir die Frage nach meinem verkackten Beruf/Studium, aber es gibt auch belanglose Dinge wie zB Haare… Kollegin hat wunderschöne rote Locken und wurde immer wieder gefragt ob es eine Perücke sei bzw warum sie eine Perücke trägt, irgendwann hat es sie so genervt dass die Antwort war… „Leukämie“ von da an hörte es größtenteils auf mir den dummen Fragen 😑

    1. Mit Freunden kann ich mittlerweile so offen reden. Aber so Bekanntschaften wie Uwe geht das meiner Meinung nach einfach nichts an. Es macht mich verletzlich. Ich möchte einfach nicht dass er das weiß wo wir in diesem Punkt stehen.

      1. Verständlich, das ist ja auch privat und schmerzlich…manchmal denke ich erst später nach, dann hab ich schon rausgehauen 😑🙈Aber vielleicht wäre option 8 etwas zynisches wie bei meiner Kollegin(die keine Krebserkrankung hatte, und das moralisch natürlich nicht ganz korrekt war) nur dass Uwe beim nächsten Mal dreimal überlegt wie man höfliche Konversation führt

      2. Ich finde den Kommentar von @Frau Mutterherz super. Das ist ein guter Mittelweg um nicht so viel Preis zu geben und trotzdem freundlich darauf hinzuweisen, dass die Frage einfach zu intim ist.

  2. Ich habe auch mal eine Westpennnestfrage (Beruf) gestellt. Die Antwort war:
    Gibt es ein Thema über das du sehr ungern redest? Dann könnten wir uns darüber austauschen und dann komme ich nochmal auf deine Frage zurück… war für mich hart, aber auch cool und wir konnten beide lachen.

    1. #übergriffig… Das Wort was mir all die Jahre gefehlt hat um diese Art von Menschen in eine Schublade zu stopfen… Und abzuschließen… Und dann den Sperrmüll bestellen 😅
      Heute hab ich auch so richtig schlechte Laune, ich wünschte dieser kack Tag wäre endlich vorbei… Ich glaub ich muss jetzt selbst verfassen bevor ich weiterhin alle Beiträge zuspame 😅

  3. „Frauen in meinem Alter wollen entweder keine Kinder. Oder es klappt nicht. Und beides geht niemanden etwas an.“
    Ich würde diese Variante nehmen und hoffen, dass er was lernt.

  4. Ich kenne sowas, aber eher umgekehrt. Mich fragen öfter wildfremde Leute, oder flüchtige Bekannte, ob den nun endlich mal Schluß sei.
    „Na jetzt reicht dann aber auch, oder?“ Ich finde das sehr unpassend und anmaßend. In deinem Fall ist es auch eine Sch**ß Frage. A. Weil es niemanden was angeht, B. Weil es Wunden aufreißt, wie bei dir und C. Weil es auch gut hätte sein können, dass du (oder ihr) keinen Kinderwunsch habt. Allerdings kann es ja auch sein, dass der gute Uwe nur ein wenig auf den Busch klopfen wollte, ob du vielleicht Single bist. Möglich wärs.

    1. Ja, auch im umgekehrten Fall ist die Frage echt unpassend. Da geb ich Dir recht. Vielleicht wollte er wirklich auch nur meinen Beziehungsstatus herausfinden. Wäre ihm auch zuzutrauen, aber auch das wäre über so eine Frage mehr als unpassend.

  5. Variante 2 ist mein absoluter Favorit. 🤩 Variante 6 hätte ihm wahrscheinlich klar gemacht, dass die K-Frage keine Smalltalk Frage ist. In jedem Fall steht das E in Uwe nicht für Empathie. Das U steht hingegen für ungeniert. 🤪

    1. Ja, Variante 2 wäre sooo mein früheres lustig, leichtes „me“. Und jetzt könnte ich sofort heulen, wenn mich jemand fragt.

      Das W in Uwe heißt auch nicht witzig oder wortgewandt. Wofür dieser ganze Typ eigentlich steht werde ich wohl nie erfahren. 😉

      1. Da hilft nur eins: Blockieren. Dann kommen auch keine doofen Fragen mehr. Es geht um deinen Seelenfrieden, nicht um seinen.

        Ich glaube, seine Eltern wollten ihn “Oh weh.” nennen. Das ging aber nach damaliger Rechtssprechung nicht. Dann wurde es eben Uwe. 😄

  6. furchtbar… aber leider nicht überraschend!!! Dass es die Frage nach der Familienplanung in unseren Small Talk-Gebrauch geschafft hat, ist schon bemerkenswert. Aber wahrscheinlich wollte er nur wirklich genauer über deinen Beziehungsstatus Bescheid wissen 😉 Leider ist mir das auch schon bei einem Bekannten passiert, der anscheinend nicht wusste, dass Babies nicht einfach wie bei Amazon bestellt werden. Er hat gefühlte 95x Mal in der selben Konversation nachgefragt, warum wir denn jetzt noch keine Kinder haben. Irgendwie hab ich ihn sogar um seine heile Welt beneidet, dass er anscheinend noch nie von Unfruchtbarkeit gehört hat.

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