Nächste Station: IVF

Vor ein paar Wochen hatten wir in der Kinderwunschklinik einen Beratungstermin für eine IVF. Wir werden zwar natürlich schwanger, aber uns läuft ein wenig die Zeit davon, weswegen wir diese Art der künstlichen Befruchtung nun in Erwägung ziehen. Leider schützt die künstliche Befruchtung nicht vor einer Fehlgeburt, deswegen bin ich auch nicht so euphorisch, was diesen Weg angeht. Allerdings bin ich – trotz ständiger Zykluskontrolle – seit meiner letzten Ausschabung im September nicht mehr schwanger geworden. Das ist jetzt nicht so ungewöhnlich. Der Körper muss ja erst mal zurück in den Rhythmus finden und die jüngste und damit fruchtbarste bin ich ja nun auch nicht mehr. Mit Anfang 30 wäre ich da sicherlich entspannter, aber nun habe ich Angst, dass mein Zeitfenster bald abgelaufen ist, weshalb wir uns über die verschiedenen Möglichkeiten einmal informieren wollten.

Unterschied IVF und ICSI

Bei einer IVF (In-Vitro-Fertilisation) werden die Eizellen mit dem aufbereiteten Sperma in einem Reagenzglas zusammengebracht. Es findet eine spontane Befruchtung statt. Wenn die Spermienanzahl oder Beweglichkeit stärker eingeschränkt ist, kann es passieren, dass es selbst auf engem Raum in der Petrischale nicht zu einer Befruchtung kommt. Dann ist eine ICSI (intracytoplasmatische Spermieninjektion) sinnvoll. Im Unterschied zur IVF, bei der etwa 50.000 gut bewegliche Spermien jeder Eizelle zugesetzt werden, wird bei der ICSI ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle eingespritzt.

Ja, romantisch klingt das jetzt alles nicht gerade. Aber romantisch ist bei einem langjährigen Kinderwunsch auch schon lange nichts mehr.

Wenn Euch wieder eine schlaue Freundin aufgrund einer ausbleibenden Schwangerschaft rät, „es doch mal mit Hilfe, also künstlich, zu probieren und dann klappt es ganz sicher“, möchte ich Euch hier einmal genau beschreiben, was hier die Hürden (für uns) sind. Mal abgesehen davon, dass wie schon erwähnt, eine künstliche Befruchtung nicht vor Fehlgeburten schützt.

Unsere Voraussetzungen

Wir sind beide gesund. Das ist gut. Wir werden sogar schwanger. Das ist noch besser, denn die meisten die es mit einer IVF oder ICSI probieren werden das nicht. G.s kleine Jungs sind zahlreich und sportlich unterwegs, so wie er. Gute Voraussetzungen. Außerdem sind wir verheiratet. Juchu! D.h. die Krankenkasse unterstützt uns finanziell, auch wenn der Eigenanteil immer noch schwindelerregend hoch ist. Wie hoch genau, erzähl ich Euch noch.

Es mal eben im nächsten Zyklus mit einer IVF zu probieren ist aber leider nicht so einfach, wie meine Freundin K. glaubt. Denn man muss zahlreiche Formulare beantragen, unterschreiben, zurückschicken und einige Voruntersuchungen machen.

Was genau muss man für eine IVF beantragen?

Zunächst machten wir erst einmal einen gemeinsamen Beratungstermin in der Kinderwunschklinik. (Wartezeit: 10 Tage)

Es war das erste Mal dass mich G. bei meinem Besuch von Frau Dr. Pille begleitete. D.h. nicht dass er mich sonst nicht unterstützen würde. Er lies ein Spermiogramm machen und gemeinsam ließen wir beim Spezialisten (außerhalb der Klinik) Immunologie und Genetik testen. Das meiste bei einer Kinderwunschbehandlung bleibt aber dann doch irgendwie an der Frau hängen. Zykluskontrolle, Blut abnehmen, Hormone usw.

Die Kinderwunschklinik gab uns einen Behandlungsplan für unsere erste IVF mit. Dieser muss zunächst von meiner Krankenkasse (Dauer: ca. 14 Tage) genehmigt und dann von seiner Krankenkasse (Dauer: nochmal ca. 14 Tage) genehmigt werden.
(Wartezeit: 28 Tage)

Mit dem genehmigten Behandlungsplan kann man dann zumindest in unserem Bundesland, wenn man verheiratet ist, beim Zentrum für Familie und Soziales einen Zuschuss beantragen. Bei der Krankenkasse, als auch beim ZFS wurde ich (mehrfach) darauf hingewiesen, dass keinerlei Kosten übernommen werden, wenn man vor Genehmigung mit der Behandlung beginnt. Okay, also dann mal wieder wartene.
(Wartezeit: 10 Tage – 4 Monate).

Vier Monate?

Warum ich hier so eine ungenaue Angabe mache, erzähle ich gleich. Die Warterei vertreibe ich mir aber gerade wunderbar mit diversen Arztbesuchen. Schließlich soll es ja nicht langweilig beim Thema Kinderwunsch bei uns werden und der Gedanke darf ja auch nicht mal ein, zwei Tage in den Hintergrund geraten. (Das war Ironie, für die dies nicht verstanden haben!) Für eine IVF benötigt man im Vorfeld außerdem

  • eine (erneute) Überprüfung der Schilddrüse
  • einen negativen HIV Test (von beiden)
  • ein weiteres Beratungsgespräch beim Frauenarzt, der über Alternativen (Adoption) sowie körperliche und seelische Belastungen aufklärt

Nur noch ein bisschen warten und gedulden

Nach mehreren Wochen Warten kam dann endlich ein Brief vom ZFS. Ich rechnete fest mit der Genehmigung der Gelder und dem ersehnten Start der Behandlung. Leider stand 2 Monate nach Antragseingang da drin, dass man die Förderung (noch) nicht übernehmen wollte, weil der Freistaat den Haushalt für 2021 noch nicht freigeben hatte. Die erforderlichen Mittel sind zwar vorgesehen, aber noch nicht bestätigt. Und das im März 2021. Unglaublich, dass man einem Paar Ende Dreißig mit einem 4jährigen Kinderwunsch mitteilt, sie sollen sich noch ein wenig gedulden.

I C H H A B E A B E R K E I N E G E D U L D M E H R!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Genau deswegen will ich ja auch die IVF. Wir entschieden nicht länger zu warten. Immerhin hatten wir ja die Genehmigung beider Krankenkassen in der Tasche und damit die Zusage der 50%igen Kostenübernahme. Es geht also los mit dem zweiten Kapitel unserer Kinderwunschbehandlung. Vor uns (na ja eher mir) steht nun der Beginn der Hormonbehandlung, die mir jetzt schon eine Heiden Angst macht. Aber wir wissen ja wofür wir es tun und irgendwie will ich einfach alles versucht haben, bevor wir aufgeben (müssen).

20 Kommentare

  1. Anfang 30 sein bedeutet nicht automatisch, dass man noch viel Zeit hat… Ich höre so oft “Du bist noch jung, du hast ja eh noch Zeit“. Irgendwie gehen alle davon aus, dass schwanger werden bis mindestens 40 problemlos funktioniert. Ich habe allerdings einen AMH-Wert von 0,5 und damit tickt die Uhr schon recht laut.
    Alles Gute auf eurem weiteren Kinderwunschweg!

    1. Ja, das stimmt natürlich. Kann man nicht verallgemeinern, aber in meinem Fall war / ist das definitiv so. Mein AMH Wert ist auch deutlich schlechter als 0,5 😒 aber das ist ja auch nicht zwingend aussagekräftig, sondern nur ein Hinweis.

    1. Danke, ich musste jetzt irgendwie den nächsten Schritt gehen. Die ganze Warterei macht mich wahnsinnig. Auch wenn nach der IVF die Warterei nicht aufhört.

  2. Ich erspare dir eine „ne bekannte hat da gute Erfahrungen mit gemacht“ Story (ausser die ist angebracht als Motivation

    (SPOILER SPOILER SPOILER……

    Sie hat 3 Kinder mittlerweile, nr3 war ein „da ist noch Material übrig, das kann man sicher noch benutzen“ versuch, wie wenn man sich nicht sicher ist ob die Milch noch gut ist und dann todesmutig nen mini schluck einfach probiert.)

    (SPOILER ENDET HIER)
    drücke euch die Daumen ❤️

    1. Haha, danke für diese Geschichte. 🙂 Ich freue mich natürlich über solche Stories sehr. Aber leider kann ich dann immer keinen Vergleich zu mir selbst ziehen, weil bei Freundin XY ja auch wahrscheinlich ein anderes Problem vorlag. Und vor Fehlgeburten schützt die IVF ja leider nicht. 😦

      1. Ja das stimmt wohl. Die genaue Geschichte der beiden, kenne ich tatsächlich nicht. Man fragt ja auch nicht unbedingt nach, zumindest wenn man ein wenig anstand besitzt und den habe ich zum Glück auch ☝️
        Versucht euch „einfach“ nicht verrückt zu machen, das wird schon klappen. Fehlgeburten sind ein Arschloch 😢 ich hab zwischen k1 und k2 auch eine gehabt. Das dann in mehrfacher Ausführung ist einfach unfair, ungerecht und vor allem schmerzlich und beängstigend.
        Ich hasse diese Menschen, die einem so bescheuerte Tipps geben, ich mach es jetzt trotzdem: vielleicht magst du ja Yoga oder ähnliches zum erden, Kopf frei bekommen, die Angst loslassen. Ich find yoga kacke aber meine beste macht das regelmäßig und es hilft ihr nicht nur um damit bei anderen Frauen Eindruck zu schinden, sondern um die Ungerechtigkeiten des Lebens zu überstehen 😔😟
        Fühl dich lieb gedrückt. Und noch n postkarten Spruch: good things come to those who wait ❤️

      2. Lieben Dank, aber auch den Tipp kenne ich natürlich schon. Mady Morrison und ich sind schon jahrelang die besten Freunde. 😉 Ich war sogar im Yogaurlaub letztes Jahr – auch wenn der nicht ganz so entspannt war, wie er eigentlich werden sollte. (https://carpediesenscheissdiem.wordpress.com/2021/01/15/schwanger-corona/)
        Nach vier bzw. fünf Fehlgeburten kennt man glaub ich alle Tipps. Von A wie Akupunktur (https://carpediesenscheissdiem.wordpress.com/2020/12/04/akupunktur/) bis Y wie Yoga. 🙂 Da hoffe ich nur dass am Ende Dein Postkartenspruch hilft. 😉

  3. Das mit dem Landeszuschuss finde ich auch unmöglich. Ich meine, den Leuten, die das bearbeiten sollte doch klar sein, dass da eine enorme psychische Last hinten dran hängt. Man könnte ja auch einfach pro forma zum Jahresbeginn ein Schreiben versenden, in dem man auf mögliche längere Wartezeiten bei der Genehmigung hingewiesen wird. Dann weiß man wenigstens, woran man ist, aber erstmal zwei Monate zappeln lassen ist echt unnötig.

    Deine Angst vor der Hormontherapie kann ich verstehen. Ich drücke dir die Daumen, dass die Nebenwirkungen sich in Grenzen halten. Zum Glück ist es ja auch ein überschaubarer Zeitraum, den man aushalten muss.

    Ich wünsche euch von ganzem Herzen, dass dieser Weg euch endlich zum Ziel führen wird ❤️

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