Meine erste und hoffentlich letzte IVF

Wir hatten es noch einmal auf natürliche Weise diesen Zyklus probiert. Wir wussten ganz genau wann mein Eisprung stattgefunden hatte und hatten uns zum richtigen Zeitpunkt sehr lieb. Wir hatten uns sogar mehrmals lieb. Bei den Hibbelhonks (ich liebe dieses Wort, was von Mamastisch kommt und bei mir als die Kinderwunschfreaks bekannt ist) heißt das dann „Bienchen setzen“. Ich weiß nicht warum man das in den Foren immer mit so einer Kindersprache umschreiben muss. Ich weiß, statt „lieb haben“ könnte ich auch Sex haben, miteinander schlafen oder bumsen schreiben, aber Bienchen? Really?

Egal. Ich hatte auf jeden Fall die Hoffnung, dass G.s Jungs dieses Mal endlich wieder einen Treffer landen könnten und wir uns den ganzen Quatsch mit der IVF inkl. der Hormontherapie und auch den immensen Kosten sparen könnten, aber: No Way. Der Schwangerschaftstest am Ende des Zyklus zeigte mal wieder nur einen Strich an und nicht die gewünschten zwei. Die Kinderwunschklinik bestätigte das. Es war enttäuschend und mich zieht es jedes Mal aufs Neue wieder runter, obwohl ich es inzwischen so oft schon erlebt habe.

Zyklustag zwei

Aber okay. Damit fiel dann bei uns eben der Startschuss für unsere erste (und hoffentlich letzte) IVF. Mit Beginn des zweiten Zyklustages begann ich mir Pergoveris zu spritzen. Dies dient der Stimulierung der follikulären Entwicklung in den Eierstöcken. Zur Eizellenentnahme sollen möglichst viele Eizellen zur Verfügung stehen, damit die Chance einer Befruchtung höher ist. Pergoveris kommt in einem Pen daher, bei dem man die tägliche Dosis selbst einstellt, die der Arzt einem vorher in einem Behandlungsplan mitteilt.

Als ich mit dem Rezept in die Apotheke lief, musste ich mehrfach schlucken, als die freundliche Apothekerin mir den Preis mitteilte. Ich erhielt zwei Pens für 537,32 EUR. Autsch. Das tat weh. Ich fragte sie ob die anteilige Unterstützung der Krankenkasse da bereits schon mit verrechnet wurde. Ja. War sie. Spritzen konnte ich ja inzwischen, aber dennoch war ich ein wenig aufgeregt als ich zum ersten Mal an dem Pen drehte um die entsprechende Dosis einzustellen und mir die Spritze in die Bauchfalte jagte. Zugegebener Maßen habe ich einen Heidenrespekt vor den Hormonen, die man seinem Körper damit unnatürlich zuführt. Am fünften Zyklustag sollte ich wiederkommen und wir würden prüfen, ob sich bereits etwas getan hätte.

Zyklustag fünf

Als ich bei Frau Dr. Pille im Zimmer saß, spürte ich die Aufregung. Ich war sehr gespannt wie die Hormonzugabe gewirkt hatte und wie viele Follikel man sehen würde. Ich hatte große Angst vor einer sogenannten Überstimulation, bei der sich zehn und mehr Eizellbläschen bilden. Die Eierstöcke, die im Normalfall 2 bis 4 Zentimeter groß sind, können so groß werden, dass sie bis zum Bauchnabel reichen. Und das alles ist dann natürlich auch mit ziemlichen Schmerzen verbunden. Memo an mich selbst: Lies nicht so viel im Internet über mögliche Risiken!

Die Ausbeute am fünften Zyklustag war allerdings etwas enttäuschend. Zwei Follikel. Mit Enttäuschungen kannte ich mich ja aber inzwischen aus: Die jetzige hies also 537,32 EUR für zwei Follikel, die mein Körper auch in einem normalen Zyklus schafft. Zwei Follikel hatte ich in der Vergangenheit tatsächlich öfter. Aber hey – die Optimisten würden sagen – es muss ja nur eine richtige dabei sein. Die Follikel waren schon ca. 15mm groß, d.h. ich sollte direkt mit der Downregulation starten. Dabei unterdrücken Hormonpräparate (GnRH-Agonisten oder GnRH-Antagonisten) die körpereigene Hormonausschüttung und verhindern so einen unkontrollierten Eisprung. Also direkt wieder in die Apotheke und nochmal Spritzen besorgen: „Ring ring ring. 112,99 EUR bitte. Dankeschön. Auf Wiedersehen!“ Gut, die nächsten Tage also abends stimulieren und morgens den Eisprung blockieren. Zwei Spritzen am Tag. An die Auslösespritze, die Blut verdünnenden Spritze und die Granocyte Spritze, die ab Transfer hinzukamen, dachte ich in dem Moment nicht. Ich fühlte mich ja jetzt schon bereits wie ein Junkie. Christiane F. I feel you.

Zyklustag acht

Nach dem Wochenende sollte ich wiederkommen, damit wir schauen konnten, was sich getan hat. Waren noch ein paar Eizellen dazu gekommen? Waren die schon gesehenen weiter gewachsen und konnte zwei Tage später planmäßig die Entnahme stattfinden? Es war kalt und es regnete, als ich wieder vor der Praxis stand. Bereit für den nächsten Schritt. Während des Ultraschalls war Fr. Dr. Pille sehr ruhig. Das kannte ich schon von ihr, denn das war sie immer bevor sie mir negative Nachrichten mitteilte. Meist folgte darauf der unbeliebte Satz „Es tut mir leid.“ Und so war es auch dieses Mal. Trotz der Medikamente, waren die Eizellen am Wochenende gesprungen. Hüpf hüpf! Das kommt anscheinend bei einigen wenigen Frauen vor (1% oder so) und natürlich war ich wieder Teil davon. Somit war die Party vorbei, bevor sie begonnen hatte. Den Zyklus konnten wir direkt abhaken, da wir uns am Wochenende nicht getraut hatten „uns lieb zu haben“, aufgrund der Hormonbehandlung. Bei zwei Eizellen hätten wir die Chance natürlich nutzen können, wären es aber fünf oder mehr gewesen, rät die Klinik aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit auf Mehrlingsgeburten und damit verbundenen Komplikationen davon ab. Und wieder eine Enttäuschung mehr auf der Liste. Mal abgesehen davon, dass wir für null komma nichts viel Geld ausgegeben hatten. Davon hätte ich auch locker nach Malaysia fliegen können, mir einen Jahresvorrat an Gin Tonic und Sekt anhäufen können oder endlich mal wieder eine gescheite Zalando Bestellung (unbezahlte Werbung) aufgeben können. Mir liefen noch in der Praxis die Tränen über die Wange. Wie um Himmels Willen soll man so noch optimistisch bleiben? Wie geht das?

10 Kommentare

  1. Das ist hart. So hart…
    Wie dabei optimistisch bleiben? Gute Frage…Ich würde mich vermutlich so richtig ein paar Tage im Elend suhlen, bis mein Körper das Gefühl hat, wieder genug Kraft zu haben?? Hmm…Ach, ich finde das alles so beschissen!!!
    Aber einen winzig kleinen Trost gibt es: wäre das Geld für Urlaub draufgegangen, du hättest dir dort die Lebensmittelvergiftung deines Lebens geholt!! Das sagt mir mein Bauchgefühl!

    ♥️♥️♥️♥️

    1. Puh, bin ich froh die Lebensmittelvergiftung gerade noch einmal vermieden zu haben. 😉
      Ich war natürlich erstmal enttäuscht, aber inzwischen ist es abgehakt. Mehr als das Geld nervt mich eigentlich die Zeit die wir verlieren. 😔

  2. Mir fehlen gerade irgendwie mal wieder die Worte. 😥
    Wie kann man denn so viel Pech haben wie ihr in den letzten Monaten? 😪
    Ich drücke euch soo fest die Daumen, dass es im nächsten IVF Zyklus besser läuft! 🍀🍀🍀

  3. Mir geht es wie friedaliebtschnickschnack, mir fehlen die Worte.
    Wie man da noch optimistisch bleiben soll? Ich habe keine Ahnung, mir geht als völlig unbeteiligte Person inzwischen leider auch der Optimismus aus.
    In meinem Kopf existierte bisher nur die Version, dass eine durchgeführte IVF erfolglos bleibt, aber dass es erst gar nicht dazu kommen kann, darüber habe ich nie im Leben nachgedacht.

    Es tut mir so leid für euch.
    Manchmal fragt man sich echt, warum das Leben so gemein sein kann.
    Meine Daumen bleiben nun in Dauerschleife gedrückt, denn ihr könnt wirklich jedes kleine bisschen Glück gebrauchen. 🍀🍀🍀

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