Angst und Freude

Ja, ich weiß. Cliffhanger kann ich. Und wisst Ihr warum? Weil mein Leben aus Cliffhangern besteht. Das habe ich hier schon oft genug beschrieben. Nun wollt Ihr aber sicher wissen wie es weiterging mit der hauchzarten zweiten Linie auf dem Frühtest.

Ich musste zwei lange Tage warten, bis ich zum Bluttest in die Kinderwunschklinik konnte. Mittags erhielt ich dann den Anruf mit den Werten. Mein Herz klopfte bis zum Hals. Fragt mich nicht warum. Ich hatte beide Sätze schon oft gehört. Der erste ging ungefähr so „Ihr Schwangerschaftstest war leider negativ. Tut mir leid.“ Und der andere, den ich auch dieses Mal zu hören bekam, ging in etwa so: „Jiuliena, Ihr Test war positiv. Sie sind schwanger. Herzlichen Glückwunsch!“

Anonymes bloggen

Spätestens seit meinem Artikel „Anonymes bloggen über Gänseblümchen, Sonnenlicht und Herzchenscheisse“ weiß ich, dass es ein oder zwei Freundinnen gibt, die hier (weiterhin) mitlesen und sicherlich auch mein Comeback verfolgt haben. Nur sehr sehr enge Freundinnen von mir wissen überhaupt von meinem Blog, der ja auch jahrelang still gelegt war. Deshalb ist es auch nicht schlimm, wenn sie meine Gedanken zu dem Thema kennen. Vieles wissen sie eh schon aus Gesprächen mit mir. Vielleicht finden sie sich sogar in dem einen oder anderen Artikel wieder oder fragen sich, ob ich sie meine, wenn ich von Makis spreche oder jemand anderes gemeint ist. Bisher hat mich niemand dieser Mädels darauf angesprochen. Still und heimlich lesen sie in meinem „Tagebuch“. Aber wie Ihr wisst, bin ich inzwischen im Hier und Jetzt angekommen und die Nachricht, die ich am Telefon von Frau Dr. Pille erhielt, ist nur wenige Wochen alt. Für diese Freundinnen ist es sicherlich ein wenig merkwürdig auf diesem Wege zu erfahren, dass ich wieder schwanger bin. Normaler Weise hätte ich so früh auch nichts erzählt. Aber nun wisst Ihr es und ihr dürft mir auch gratulieren, aber ein High Five verbiete ich Euch. Für Freude ist es in meinem Fall zu früh.

Angst und Freude

Ich kann nicht leugnen, dass ich mich sehr gefreut habe, als die Klinik die Schwangerschaft bestätigte. Ich bin wieder schwanger. Nach vier Fehlgeburten mit OP und Vollnarkose und einer biochemischen Schwangerschaft fühlt es sich aber auch nicht nur nach Freude an. Sondern direkt schwingt da die Angst mit, dass es wieder nicht bleiben möchte, dass dieses Wunschbaby sich wie die anderen verabschieden könnte. Manchmal bin ich daher richtig traurig, weil ich nicht diesem puren Mutterglück ausgesetzt bin, bei dem man sich die Zukunft rosarot ausmalt, gedanklich schon ein paar Vornamen durchgeht und das Kinderzimmer einrichtet. Und gleichzeitig, gleichzeitig versuche ich mich trotzdem zu freuen.  Aber es will nicht so richtig klappen, jedenfalls nicht so richtig. Und wenn ich ehrlich bin, verbiete ich es mir und auch allen anderen. Ich habe mir fest vorgenommen erstmal niemanden aktiv davon zu erzählen, weder meiner Mutter, die ich nächste Woche besuche, noch meiner besten Freundin, die von allen bisherigen Schwangerschaften weiß. Ich will nicht, dass sie sich für mich freuen. Mit der Freude könnte ich nicht umgehen und würde sie nur kaputt reden.

Ich will einfach nicht schon wieder so tief verletzt werden und von Wolke 7 in ein tiefes Loch fallen. Jetzt höre ich jeden Tag aufs Neue in mich hinein. Jedes kleinste Anzeichen versuche ich wahrzunehmen. Sind das Bauchschmerzen? Was bedeutet dieses Ziehen im Rücken? War das jetzt eine Schmierblutung? Gestern habe ich mir auf offener Straße sogar kurz in den Schritt gefasst, weil ich Angst hatte, dass ich bluten könnte. Peinlich. Aber einige Männer machen das, wenn auch aus anderen Gründen, ja ständig. Man möge mir verzeihen. Und nur zur Beruhigung. Im Vergleich zu den Männern, habe ich mich vorher umgeschaut, ob mich jemand beobachten könnte.

Dabei hat es bei den letzten Fehlgeburten nie geblutet und eine erneute Fehlgeburt kann ich mit meiner ganzen verrückten Art sowieso nicht verhindern, ganz gleich, wie früh ich sie erkennen würde. Aber so ist das nun mal. Ich bin angsterfüllt und das einzige was dagegen hilft, ist mich abzulenken und versuchen zu vertrauen, dass es dieses Mal eben anders wird. Dass G. und ich dieses Mal Eltern werden.

Ende Dezember ist der Termin. Mein erster ausgerechneter Entbindungstermin (ET) war im November 2018. Das Baby wäre jetzt schon 2,5 Jahre alt und damit fast ein Kleinkind. Der nächste Entbindungstermin war im Juli 2019, danach im Oktober 2020 und der ET der letzten Schwangerschaft wäre im April 2021 gewesen. D.h. selbst wenn nur beim letzten Mal alles gut gegangen wäre, wäre ich längst Mutter, wie meine Freundin A. die letzte Woche ihr Baby zur Welt gebracht hat.

Für mich heißt es also (mal wieder) abwarten. In ein paar Tagen habe ich wieder einen Termin in der Klinik. Dann bin ich bei 6+3 und auf dem Ultraschall könnte sich ein Herzschlag abzeichnen. Könnte. Es könnte aber auch ein Windei oder ein Ödem zu sehen sein. Die Angst ist da und dominiert leider immer noch die Freude.

17 Kommentare

  1. Liebste Jiuliena,
    jedes Mal wenn ich deinen Artikel öffne, klopft mir das Herz. Ich habe es dir ja damals zur Herzensscheisse schon gesagt, dass ich dich durch deine Texte noch mal mehr kennen lerne. Ich denke, mir stimmen einige zu, das schreiben beherrschst du! ☺️
    Ich liebe deine zynische Art hier. Es ist ein schweres Seelenthema aber trotzdem muss ich manchmal echt kichern. Und manchmal auch weinen. Jedes Mal von den fünf mal musste ich weinen.
    Als Freundin versucht man immer die richtigen Worte zu finden, um ja kein Salz in die Wunde zu streuen und dich vielleicht ein bisschen aufzubauen. Vieles kann man nicht beeinflussen, aber auf jeden Fall seine Gedanken. Sie können das Zünglein an der Waage sein.
    Jedoch. Ich habe schon überlegt ob ich den Newsletter abstelle. Zu lesen was man alles aus deiner Sicht falsch machen kann, hat mich bei unseren letzten drei Treffen so beeinflusst, dass ich mir nicht getraut habe, dich einfach zu fragen wie es dir gerade geht. Aus Angst dich von einem „okay“ Gefühl in ein „ängstlich/traurig“ Gefühl zu verstimmen. Ich war richtig aufgeregt, wie vor einer Präse (…okay bisschen weniger ☺️). Hab auf den richtigen Moment gewartet. Und zack war unser Coronakonformes Treffen schon wieder vorbei. Und schon wieder habe ich dich nicht gefragt. Das ist schlimm. Das hört jetzt auf, ich werde dich jetzt immer fragen! Egal ob es grad zur Stimmung passt! Basta! Und wenn du nicht reden magst, spüre ich das schon. Dann nehme ich den „Korb“ an.
    Trotz deiner Geschichte hier, glaube ich an ein Happy End. Irgendwas sagt mir das.
    PS: ich fühle mich nicht wirklich als MaKi angesprochen. Nur ein bisschen. 😉Und gleichzeitig möchte ich MaKis in Schutz nehmen. Familie macht nun mal 90% der Zeit aus. Und viele können einfach nicht abschalten. Nimm es ihnen nicht krumm, auch wenn es anstrengend ist.

    1. Es ist schwierig die richtigen Worte zu treffen. Das wissen wir auch. Aber ich glaube die Hauptsache ist, dass man sich für das Leben der anderen trotzdem interessiert und sich Gedanken um den anderen macht. Und das beweist du mit deiner Nachricht und deinen Gedanken ganz deutlich. Wünsche euch für eure Freundschaft dass ihr diese Zeit gemeinsam meistert und dann bald auch wieder die guten Zeiten zusammen verbringen könnt.

    2. Liebes Schnittlauch-Löckchen, ich wusste schon lange, dass Du mir hier folgst und ich war froh darüber. Denn so konnte ich Dir all die Dinge sagen, die ich Dir gern erzählt hätte und teilweise ja auch habe. Es ist nicht immer leicht, bei einem kurzen Treffen solch ein schweres Thema anzusprechen. Und ich weiß dass es auch für Dich (Euch) manchmal sehr schwer mit mir ist. Die richtigen Worte lassen sich nur schwer finden. Ich weiß aber dass Du eine Unmengen an Empathie mit Dir trägst und diese Zeilen beweisen das auch schon wieder. Unsere Treffen genieße ich immer sehr, denn ich weiß, auch wenn wir es nicht aussprechen, da ist ein unsichtbares Band. Und das wird auch bleiben. Egal ob Maki oder nicht. Bist Du übrigens nicht. Habe gerade noch einmal Dein Whatsapp Proflbild gecheckt. 😉
      Alles andere dann wieder beim nächsten Spaziergang. Fühl dich gedrückt.

  2. Liebe Jiuliena, auch wenn die Angst ganz sicher größer ist als die Freude, möchte ich die Freude mit dir teilen und dir sagen wie sehr ich mich für dich freue. Und es freut mich dass du dich trotz dem vergangenen zunächst über den positiven Test freuen konntest. Ich möchte dir nicht sagen dass bestimmt alles gut wird, denn das kann man halt nicht wissen. Ich möchte dir sagen dass ich mit dir fiebere und ganz genau weiß wie du dich fühlst! Wünsche dir ganz viele starke Nerven für die kommende Zeit.

    1. Vielen Dank. Ja, jetzt heißt es Daumen drücken. Es ist schön zu wissen, dass es hier echt einige gibt, die mich verstehen und die Dinge die ich schreibe nachempfinden können oder es zumindest versuchen. Ich versuche weiterhin stark zu bleiben. Schön dass Du hier mitliest und Danke für die lieben Worte.

  3. Wenn es Glück bringen würde, sich in der Öffentlichkeit als Frau in den Schritt zu greifen, Juliena, dann greife ich mir heute mit der größten Freude alle 5 Minuten in den Schritt!!! Egal, ob jemand guckt und mich peinlich findet!!! Denn: du hast alles Glück der Welt verdient!!

    PS: ich fiebere mit dir mit, ich habe mit dir Angst. Und ich wünsche mir, dass wir uns bald alle mit dir freuen können ♥️

  4. Ich kann dich soooo gut verstehen, kenne diese Gefühle und Gedanken. Ich wünsche dir von Herzen alles Gute!

  5. Ich habe auf unserem langen Weg zum Kind glücklicherweise nie ein Wunder gehen lassen müssen, aber zumindest ahne ich ein bisschen, dass man sich die rosa Wattewolken einer normalen Schwangerschaft wünscht. Ich drücke fest die Daumen und sobald du das GO fürs Freuen gibst, freue ich mich wie bolle mit dir! 💕🐞🍀

  6. Alles alles erdenklich Gute, ich fiebere mit Dir! Ich weiß nicht, ob es hilfreich und nachvollziehbar ist, vielleicht liest sich das total komisch aus Deiner Situation heraus, vielleicht liefert es Dir aber auch eine andere Perspektive: ich würde viel darum geben, es zumindest aktiv probiert haben zu können, den Kinderwunsch zu verwirklichen, trotz all der Trauer, Schmerzen, Enttäuschungen und Rückschläge, in die das münden kann. Mangels Partner habe ich diese Möglichkeit nicht. Du bzw. Ihr habt alles versucht und kämpft sehr für Euer Glück. Ich denke egal wohin das mündet ist das eine wertvolle Lebenserfahrung (zumindest stelle ich mir das so vor und würde lieber das wählen, wenn ich eine Wahl hätte als mein eigenes „Nichts“ in diesem Lebensbereich, auch wenn das große Ziel „happy family“ das wäre, was wir uns beide wünschen bzw. gewünscht hätten).

    1. Danke dass Du das mit mir (und uns) teilst. Ich verstehe diesen Punkt irgendwie. Weil ich sicherlich schon viel habe auf dass ich stolz sein kann und worüber ich mich freuen kann. G. ist eines dieser Dinge. Und Du glaubst nicht wie dankbar ich jeden Tag dafür bin und wie besonders gerade diese Zeit in unserer Beziehung ist, weil es sie noch einmal auf eine andere Ebene hebt. Nicht jede Beziehung ist so stark wie unsere und übersteht so eine schwierige Zeit wie wir sie bereits hinter uns haben. Dennoch ist es ein wirklich anstrengender Weg und niemand weiß ob er je endet oder die Schmerzen irgendwann aufhören. Ich drücke Dir die Daumen, dass Du zumindest einen Teil dieses Weges auch bald gehen kannst. Egal ob Kinderwunsch oder nicht, sondern dieses tiefe Gefühl zu haben, dass dieser Jemand der Richtige ist.

  7. Ich drücke dir auch ganz fest die Daumen und hoffe so sehr, dass die Angst bald von Freude abgelöst werden kann. ✊🏼🍀

    Hätte man noch diesen naiven Optimismus in sich, würde man jetzt sagen, dass das doch der perfekte Stoff für diese typischen Mutmacher-wenn du am wenigsten dran glaubst passiert es ganz natürlich-Geschichten ist.

    Ich finde es übrigens sehr mutig, dass du uns, jetzt sogar in Echtzeit, an deinem Weg teilhaben lässt, obwohl du weißt, dass deine Freundinnen hier mitlesen.

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