Best, middle und worst case.

Nachdem meine Schwangerschaft von der Kinderwunschklinik bestätigt wurde, sollte ich ein paar Tage später wieder kommen, um den Anstieg des HCGs zu kontrollieren. Eine biochemische Schwangerschaft könnte man ausschließen, wenn der Wert ordentlich steigen würde, im Normalfall sich alle zwei Tage verdoppelt. Ein paar Tage nach dem positivem Test in der Kinderwunschklinik lag mein HCG Wert schon über 1100 und im Ultraschall entdeckte Frau Dr. Pille nach einigen suchen eine minikleine Fruchthöhle. Ich war erleichtert. Die erste Hürde war geschafft.

Gitte, die Hebamme

Die erste Hürde von vielen, vielen weiteren. Denn ich musste nun ganze ZWEI Wochen (also vierzehn lange, sich wie Kaugummi ziehende Tage) auf den nächsten Ultraschalltermin warten. Die zwei Wochen zogen sich. Ich fixierte meinen Körper und versuchte jedes Ziehen und Zwicken zu deuten. Waren diese oder jene Schmerzen normal? Ich machte noch einmal einen Termin beim Hämatologen, welcher mir die Dosis der Spritzen für die Blutgerinnung erhöhte. Darauf hin bekam ich aber leichte Schmierblutungen und meine Sorge und Angst wuchs und wuchs.

Ich schrieb eine Hebamme in meiner Nähe an, mit der Bitte mich während der Schwangerschaft zu betreuen. Für mich fühlte es sich ein wenig komisch an, noch vor dem ersten Herzschlag des Minis, mich mit einer Hebamme zu beschäftigen, aber teilweise bekam ich tatsächlich (in der 5. Woche) bereits Absagen, weil die Hebammen schon voll waren und keine weiteren Patientinnen mehr aufnehmen konnten oder wollten. Am Ende telefonierte ich mit Gitte. Ich erzählte Ihr von meine Ängsten, Sorgen und dem langen Bart meines Kinderwunsches. Sie hatte viel Verständnis und meinte, dass wir es noch einmal mit Akupunktur zur Beruhigung versuchen sollten. Ich hatte ja schon einmal über ein paar Monate hinweg Erfahrungen mit der Akupunktur sammeln können. Die witzige Wendy Wendisch konnte mir damals nicht zu einer Schwangerschaft verhelfen, sondern wurde selbst schwanger. Aber am Anfang tat mir die Stunde Ruhe und das Gespräch mit ihr wirklich sehr gut. Also dachte ich, dass ich der ganzen Sache noch eine Chance geben würde. Ich verabredete mich also fünf Tage vor meinem Angsttermin in der Kinderwunschklinik mit Gitte, der Hebamme. Sie hörte mir zu, aber ich hatte das Gefühl, dass sie mit Fehlgeburten nicht viel anfangen konnte. Wahrscheinlich kontaktieren sie viele Frauen tatsächlich erst später, wenn die Schwangerschaft bereits fortgeschritten ist und somit die Wahrscheinlichkeit für eine Fehlgeburt deutlich sinkt. Von einer immunologischen Untersuchung und Granocyte Spritzen hatte sie jedenfalls noch nie gehört. Ich lies mich trotzdem von ihr nadeln und hatte tatsächlich danach ein gutes Gefühl und die Angst vor dem Termin bei Frau Dr. Pille trat (kurzzeitig) ein wenig in den Hintergrund.

Angstszenarien

Die Nacht vor dem Termin tat ich allerdings kein Auge zu. Ich malte mir alle möglichen Szenarien aus. Es gab das Szenario 1, wo wir einen gesunden Embryo entdecken würden und direkt den Herzschlag sehen würden (BEST CASE), Szenario 2, wo Embryo und Fruchthöhle zu sehen wären, aber noch kein Herzschlag, der vielleicht noch kommen würde, vielleicht aber auch nicht (MIDDLE CASE), Szenario 3 ein Windei oder einen zu kleinen Embryo, der nicht dem Entwicklungsstand entsprach (WORST CASE) und somit wieder eine Ausschabung anstehen würde. Ich überlegte schon wie ich es G. erzählen würde, wie ich den Besuch bei meiner Mutter aufschieben würde und machte mir, wie immer, viel zu viele Gedanken.

Die zweite Hürde

Endlich war es Freitag. Ich war inzwischen bei 6+5 angekommen (6 Wochen und 5 Tage war ich nun schwanger). Gleich morgens schwang ich mich aufs Fahrrad und fuhr in die Klinik. Mein Bauch grummelte. Der Angstschweiß lag auf meiner Stirn. Oder kam das vom Fahrrad fahren? Unruhig zappelte ich im Wartezimmer umher. Ich konnte mich nicht auf die neusten Nachrichten aus der Bunten und der Gala (#unbezahlte Werbung) konzentrieren und blätterte ziellos in den Magazinen. Prominente scheinen alle nicht zu altern und sind scheinbar auch alle noch mit 45 fruchtbar. Über mögliche Hilfen, wie künstliche Befruchtung oder Eizellenspende wird dabei nicht berichtet und daher hört man als Frau mit Kinderwunsch auch oft den Satz „Ach schau mal. Diane Kruger ist mit 42 zum ersten Mal Mutter geworden oder Susan Surandan sogar mit 46. Das geht schon. Du hast noch Zeit.“

G. durfte leider nicht mit zu Frau Dr. Pille um mir das Händchen zu halten. Das war vielleicht auch besser, denn sonst hätte ich sein Händchen wohlmöglich zerquetscht. Endlich durfte ich ins Behandlungszimmer.

Frau Dr. Pille fragte wie es mir geht und ich erzählte ihr von meiner Angst und meiner Aufregung. Daher musste ich nicht lang warten und durfte direkt zum Ultraschall. Es dauert nicht lang da sah ich eine schöne Fruchthöhle. Allerdings war sie schwarz. War sie leer? War das ein Windei? Es dauerte noch einmal kurz und Frau Dr. Pille sagt diesen einen in meinen Ohren wunderschönen Satz:

„Da ist das Mini und ein Herzschlag ist auch zu sehen, Jiuliena. Es ist alles okay. Ihrem Mini geht es gut und es ist sogar ein bisschen größer als gedacht.“ Das war dann wohl das erste Mal ein BEST CASE!

20 Kommentare

    1. Awwwww! Empathie ist Dein zweiter Vorname. Danke! ❤
      Hoffen wir dass Ich hier weiterhin positiv berichten kann. Fühl Dich gedrückt. Wann gibt es bei Dir mal wieder ein Update? 😍

  1. Das ist schön!Ich drücke alle Daumen, das gibt Hoffnung für all jene, die in einer ähnlichen Lage sind💚Bitte her mit den guten Nachrichten!

    1. Noch ist es sicherlich zu früh dafür, aber ich werde weiter berichten und hoffe ganz sehr, dass diese Geschichte diese wunderbare Wende beibehält ❤

  2. Wie zauberschön! 💕 Ich freu mich so sehr, dass diese ersten Hürden so toll gemeistert wurden und freue mich so sehr, dass ihr endlich mal so einen schönen best case hattet! Ich drücke alle Daumen, dass es genau so weiter geht. 🍀🍀🍀

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