Die Zeit rennt.

Die Zeit rennt. Ihr kennt das sicher. Und doch vergeht sie manchmal gaaaaaanz langsam. Zwischen meinem Termin bei 6+5, wo ich den Herzschlag unseres Minis sehen konnte und dem nächsten Termin bei 8+3 lagen keine zwei Wochen. Die vergingen schnell und doch irgendwie sehr langsam. Irgendwann war es dann wieder so weit. Ich saß mit meinen Ängsten und Sorgen im Wartezimmer und wartete mit Bangen darauf, dass man mich aufrief.

Frau Dr. Pille wollte dieses Mal vor dem Ultraschall noch eine gynäkologische Untersuchung machen und ich musste auf diesem legendären Stuhl Platz nehmen. Ich hätte lieber zuerst einen Ultraschall gemacht, denn dann hätte man sich das hier vielleicht direkt sparen können, aber irgendwie war ich zu langsam um mich zu wehren. Und nach einem kurzen Zwicken und Zwacken durfte ich direkt wieder auf die Liege, wo mich der Ultraschall und damit die ungeschmückte Wahrheit erwartete. Wird jetzt unser Traum direkt wieder vorbei sein, wie bei all den anderen Malen oder schlägt das Herz unseres Minis weiterhin? Ist es schon gewachsen? Wie groß ist es? Ich konnte und wollte irgendwie nicht hinschauen. Frau Dr. Pille sagte nichts. Das hieß meistens nichts Gutes. Dann sagte sie: „Es ist alles zeitgerecht.“ „Kann man den Herzschlag sehen?“ fragte ich besorgt. „Ja, sehen Sie?“ Ich traute mich nun doch einmal auf das Gerät zu schauen und sah das sehnsüchtig erwartete Blinken. „Es bewegt sich.“ Ich war kurz vorm Heulen. Ein gesundes Mini, mit Herzschlag, was jetzt schon, ganz der Papa, nicht stillsitzen konnte. Ich wette Ihr habt alle den riesen Felsen gehört, der mir vom Herzen fiel. Frau Dr. Pille fragte, ob ich direkt zum Frauenarzt wechseln wollte, oder noch einmal wiederkommen würde. Ich sagte, dass ich gern noch einen Termin mit ihr haben wollte und wir machten einen Termin 1,5 Wochen darauf aus. 1,5 Wochen.

Sorge

Es dauerte 2,5 Tage bis die Ängste und Sorgen zurückkamen. Wie viele Berichte hatte ich gelesen, wo das Herz wieder aufgehört hatte zu schlagen? Und meine Bekannte A. hatte bei all ihren drei Fehlgeburten zunächst den Herzschlag auf dem Ultraschallgerät gesehen. Warum sollte nach vier bzw. fünf Fehlgeburten diese Schwangerschaft anders sein? Also googelte ich nach Strategien um diese Ängste irgendwie zu überwinden. Google war hier allerdings nicht sehr hilfreich und meine „Freundinnen“ aus den Kinderwunschforen auch nicht. „Du musst Vertrauen haben.“ Hätte ich ja gern. Aber mit meiner Vorgeschichte ist das eben doch nicht so einfach. Ich versuchte mich abzulenken, aber auch das war irgendwie schwierig. Ich schau mir jeden Tag meinen Bauch an und frage mich ob er schon wächst oder ob das die Pizza vom Vorabend ist? Ich wünschte ich könnte an der Uhr drehen bis zum nächsten Termin. Ich frage mich, ob das jetzt bis zur 40. Woche so bleibt? Lässt diese Angst irgendwann, zumindest ein bisschen, nach? Ich weiß leider nicht mit wem ich meine Ängste gerade teilen kann, weil bisher ja noch niemand etwas von der Schwangerschaft weiß. Auch mit G. spreche ich nicht gern über meine Ängste, weil ich ihn nicht runterziehen will und mich freue, dass er weiterhin so optimistisch ist. Das soll er auch bleiben. Vielleicht tut er auch nur so, aber das tut mir gut.

Freunde

Am Wochenende waren wir bei Freunden zu Besuch. Ich hab mich den ganzen Abend an Bionade festgehalten, während um mich herum Bier und Wein getrunken wurde und ich ja sonst auch kein Kind von Traurigkeit bin. Vielleicht ahnen sie etwas. Aber ich konnte und wollte nichts sagen. Ich will immer noch nicht, dass es jemand weiß und sich vielleicht sogar für uns freut. Ich verbiete mir auch immer noch selbst jegliche Freude oder Träumereien, obwohl die natürlich schon immer mal wieder durchkommen und ich mir ehrlicher Weise schon meinen letzten Arbeitstag ausgerechnet habe. Selbst einer meiner liebsten Freundinnen konnte ich am Wochenende nichts sagen, obwohl wir über meinen Kinderwunsch gesprochen haben und auch über die Fehlgeburten. Ich kann es einfach nicht aussprechen. Ich bin schwanger. Schreiben geht, aber ich kann es einfach nicht aussprechen.

Impfen

Und dann überall dieses Impfthema. „Hast Du schon einen Termin?“ – „Ruf doch mal da oder da an und lass Dich auf die Liste setzen.“ Leider ist eine Impfung für Schwangere in Deutschland von der STIKO immer noch nicht empfohlen. Und deshalb habe ich auch kein gutes Gefühl dabei und bleibe vorerst ungeimpft. G. hat sich direkt einen Termin geben lassen, nachdem ich das erste Mal beim Arzt war und wir noch nicht mal einen Herzschlag gesehen haben. Er bekommt bald die zweite Impfung und muss den Fragen aus dem Freundeskreis genauso aus dem Weg gehen, wie ich. Das ist schwierig.

Ich wünschte ich könnte diese Schwangerschaft mehr genießen. Genießen ist eigentlich das komplett falsche Wort. Von genießen bin ich weit entfernt. Ich möchte nur keine Angst mehr haben und ohne Unsicherheiten darüber sprechen können. Im Moment kann ich das nur hier. Auf dem Blog.

20 Kommentare

  1. Ich kann dich sehr gut verstehen. Ich war einmal schwanger und mir ging es ganz gleich. Ich hoffe du kannst bald die Freude und Zuversicht spüren, die du dir so lange gewünscht hast. Alles Liebe für euch beide!

  2. Warum diese Schwangerschaft anders sein sollte? Weil sie anders IST! Spätestens jetzt, als du das zweite Mal das Herz eures kleinen Minis hast schlagen sehen. So weit wie jetzt bist du bisher noch nie gekommen, das sind also erstmal sehr gute Voraussetzungen, dass es diesmal nicht so endet, wie die bisherigen Schwangerschaften.

    Ob das jetzt bis zur 40. Woche so bleibt oder die Angst nachlässt? Hast du schon mal den Spruch gehört, dass die Sorgen mit dem positiven Test beginnen und nicht mehr aufhören, egal wie alt das Kind ist? Das hat mir bisher auch jeder aus dem Bekanntenkreis bestätigt. Eine von meinen Foren-Mädels, die aktuell schwanger ist meinte auch ganz locker „Ach, wenn ich die 12. Woche geschafft habe, dann kann ich auch entspannter sein“ Pustekuchen.

    Angst zu haben ist völlig normal und du brauchst dich auch nicht schlecht dabei fühlen, wenn du die Freude noch immer nicht richtig zulassen kannst. Ich denke jeder, der deine Geschichte hier mitverfolgt, teilt ein bisschen deiner Angst, du bist also nicht allein damit.

    Bei jedem kommenden Kontrolltermin kannst du ein bisschen Angst ablegen und auch ein bisschen mehr Freude in dein reales Leben mitnehmen. Es dauert halt. So, wie euer Mini jetzt Zeit zum wachsen braucht, braucht auch dein Vertrauen und deine Zuversicht Zeit und das ist völlig okay.

  3. Bis jetzt habe ich mich zurückgehalten und wahrscheinlich fünfzig Beinahe-Kommentare getippt und wieder gelöscht. Es war alles dabei von „Herzlichen Glückwunsch! Ich freu mich so!“ bis „Es wird alles gut. Blablabla. Hab Vertrauen!“.

    Es ist ein ganz besonders einzigartiger Grund zur Freude, auch, wenn du verständlicherweise sehr vorsichtig bist. Mehr Ratschläge brauchst du sicher nicht, deswegen schicke ich dir eine dicke, fette Umarmung!

    P.S.: Mach‘s dir einfach bei der Impfung und sag, dass du schon geimpft bist. Blabla Kinderwunschzentrum… blabla die Ärztin kannte da jemand. Manchmal sind bequeme Notlügen erlaubt. Hauptsache die Fragen hören auf. 😉 Und hinterher erinnert sich eh keiner mehr daran.

    1. Das kann ich bestätigen, da fragt keiner weiter wenn mann sagt man sei geimpft… Meine hochasthmatische Mutter ist son bißchen an die aluhut Front geraten und lässt sich „wegen den da oben (???)“ nicht impfen, die erzählt auch jedem dass sie schon geimpft sei… Das klappte bisher immer ganz gut und zum Glück sind impfpässe keine panini bildchen die man sich gegenseitig präsentieren möchte ☝️

    2. Das Problem wenn ich sage, dass ich schon geimpft bin, fragt jeder wieso, denn die Priorität wird ja erst am Montag aufgehoben. Und im Moment werden hier im Impfzentrum nur Zweitimpfungen verteilt. Im Moment bin ich immer noch irgendwie drum rum gekommen und es dauert nicht mehr lang dann ist die 12. Woche erreicht. Dann werde ich es wahrscheinlich eh nicht mehr lange verheimlichen können.
      Und Danke für die Umarmung. Die nehme ich sehr gern.

      1. Mhm ja auch verständlich, die Leute sind ja immer so neugierig…. Ich glaub da ist guter Rat mal wieder teuer und läuft in ne ähnliche Richtung wie die Tipps und Tricks zur erfolgreichen Befruchtung (ich mag dieses Wort nicht, das klingt so nach einer blühenden Pflanze)… Das schöne ist, die Tipps gibt’s ab sofort für immer für jede ssw, für die Geburt und für jeden Lebensabschnitt des Babys… Voll super 👍👍👍

      2. Ach so, daran habe ich nicht gedacht. Dann sagst du einfach, dass du es kaum erwarten kannst und dich überall registrieren willst (oder schon hast).
        Die Zeit während der Schwangerschaft zieht sich wie Kaugummi. Besonders am Ende, wenn man absolut keinen Bock mehr hat, weil sich ein 200m Spaziergang anfühlt wie die Besteigung des Mt. Everest. Ich habe danach immer ein Sauerstoffzelt gebraucht, um wieder normal atmen zu können.
        Hab‘ ein feines Wochenende und genieß die Sonne! 🙂

  4. Danke, dass Du das mit uns teilst! Ist doch schön, dass Du den Blog hast und hier viele Menschen Anteil nehmen können. Diese Ungewissheit muss fürchterlich sein und dass man bei der Vorgeschichte Ängste hat, ist ganz normal. Es ist keine leichte Aufgabe, das auszuhalten, diesen Zustand, und nichts tun zu können. Vielleicht hilft es, Dich an dem Gedanken festzuhalten, dass dieser Lebensabschnitt vorbei sein wird eines Tages, es wird vorbei sein, in die eine oder andere Richtung. Bis dahin hilft nur, es bestmöglich auszuhalten.

  5. Ich war habe 3 Kinder auf die Welt gebracht (meine erste Tochter tot in der 22. SWS – du wirst dich sicher an meine alten Beiträge erinnern) und irgendwie habe ich die beiden Folgeschwangerschaften “überlebt”. Übrigens war ich sicherlich noch 2-3x schwanger, allerdings sehr sehr frühe Abgänge.
    Ich weiß nicht, ob dir das weiterhilft, aber ich kann dir sagen, dass die Angst nicht verschwindet, aber du lernst von Woche zu Woche, besser damit umzugehen. Wie genau das geht, muss jeder für sich herausfinden, aber es wird besser (wenn auch anders). Und wenn die Kinder erstmal da sind, hat man aus anderen Gründen Angst.
    Angst verschwindet nie, sie verändert sich und mit ihr veränderst du dich. Aber das schaffst du 😊
    Alles Gute weiterhin! 🍀

  6. Ich habe mich damals etwas erleichterter gefühlt, als die ersten 12 Wochen vorbei waren. Aber letztlich hören die Sorgen mit Kindern nie auf – irgendwas ist immer, das einem Sorgen bereitet und wenn ich meiner Mama glauben darf, hält das auch noch an, wenn die Kinder längst erwachsen sind.

    1. Ja, die 12. Woche ist nur ein künstlich gesetzten Marker und doch wird sie auch für mich eine Erleichterung darstellen. Die Sorgen bleiben natürlich, aber Ängste sind furchtbar.

  7. Ohne dass es sich jetzt anhört als sei ich ein emotionsloser Klotz (seit corona fast schon klops 😅) aber ich hab letztens nen guten Spruch gelesen
    „Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch“
    Mit oder ohne Angst, kommt es so wie es kommt, da kann man sich auch einfach mal freuen
    das ist doch ein guter Ratschlag, neben diesem, habe ich noch weitere Anekdoten wie zB „vergiss ihn einfach“, „nicht aufregen“ oder „verlass ihn doch einfach“ 😅
    Weil einfach, einfach einfach ist 👍
    Ich drück dich mal ganz lieb und hoffe meine grenzdebile Art der Zufriedenheit färbt ein wenig ab ❤️

    1. Hihi! Der Spruch ist von Karl Valentin oder? Auf jeden Fall sehr passend. Ich freue mich gerade tatsächlich und ich fühle mich schon ein wenig zuversichtlich. ❤

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