Die kritische Zeit

Die 12. Woche

Als ich die magische 12+0 erreicht hatte, war ich doch ein wenig erleichtert. Das geht vielen Frauen so, denn damit hat man die berühmte kritische Phase überstanden. Ich spürte Erleichterung auf der einen Seite, andererseits, weiß ich, dass dieser Marker ein künstlich gesetzter ist und die Wahrscheinlichkeit für eine Fehlgeburt nicht von heute auf morgen auf 0 oder 1% fällt.

Individuelles Risiko für eine Fehlgeburt

In den letzten Wochen habe ich mich tatsächlich immer wieder mit dem Risiko für eine Fehlgeburt beschäftigt, welches ja individuell auch unterschiedlich hoch ist. Ich bin eine Spätgebärende, was mein Risiko steigen lässt. Dazu habe ich fünf vorangegangene Fehlgeburten, was es weiter steigen lässt. D.h. die allgemein gültigen Zahlen gelten für mich eigentlich nicht. Vielleicht kennt Ihr aber die folgende Webseite?

https://datayze.com/miscarriage-chart?mode=table

Mir hat diese tatsächlich ein wenig geholfen mich zu beruhigen. Denn in den letzten Tagen sank mein Risiko immer mehr. Hier kann man sein individuelles Fehlgeburtenrisiko eingeben und berechnen lassen. Bei mir lag dieses z.B. in der vierten Woche noch bei 33,8% und nach der 12. nur noch bei 2,3%. Vielleicht hilft das ja der ein oder anderen, die ähnliches erlebt hat und diesen Artikel liest auch sich das einmal zu veranschaulichen. Ich blicke im Moment nach vorn.

Ich habe es vor ein paar Tagen meinem Chef mitgeteilt, ihn allerdings gebeten es noch etwas für sich zu behalten, bis ich alle Ergebnisse vom Ersttrimesterscreening habe. Letztes Wochenende habe ich es meiner Mutter und meinem Bruder erzählt. Die haben sich wahnsinnig für uns gefreut. Besonders meine Mutter hatte ja schon ein wenig Sorge nicht mehr Oma zu werden. Mein Vater wusste ja schon sehr früh von meiner Schwangerschaft. Das macht es nun alles ein wenig realer für mich. Bald werden wir es auch den erst Freunden erzählen und dann ist die Lawine nicht mehr aufzuhalten.

Ersttrimesterscreening

Heute Morgen war ich endlich wieder beim Ultraschall und durfte zum ersten Mal zum Ersttrimesterscreening (ETS). Das ETS ist eine Kombination aus Ultraschall zur Messung der Nackenfalte und einer Blutuntersuchung (Schwangerschaftshormon und -eiweiß). Ein Computerprogramm berechnet, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass das Ungeborene an einer genetischen Erkrankung wie Trisomie 21 leidet. Es ermittelt aus den Blutwerten, der Ultraschalluntersuchung und dem Alter ein individuelles Risiko. Ich war mal wieder unglaublich aufgeregt vor dem Termin, ähnlich wie vor meiner Abiturprüfung oder einem wichtigen Vorstellungsgespräch. Zum Glück durfte G. mich begleiten. Das erste Mal, dass er auch etwas sehen durfte. Bisher hatte uns Corona immer einen Strich durch dieses „Vergnügen“ gemacht. Angespannt saßen wir beide im Wartezimmer. Vor zwei Wochen hatte ich unser Mini das letzte Mal gesehen und dessen Herzchen schlagen hören. Wir mussten gut 45 Minuten warten. Im Raum stand die Luft. Draußen waren 32 C und meine Hände schwitzten. Trotzdem hielt ich die Hand von G. fest. Endlich wurden wir aufgerufen und folgten der Schwester in einen Raum mit einer Videoleinwand. Es folgten ein paar Fragen der Ärztin, dann verdunkelten sie den Raum und ich durfte auf der Liege Platz nehmen, währen G. neben mir saß. Gespannt schauten wir auf die Leinwand und hofften den besten Film unseres Lebens sehen zu dürfen. Nee, es lief nicht Pulp Fiction (G.) und auch nicht Dirty Dancing (ich). Ich bekam das kühle Gel auf dem Bauch und spürte direkt die Ultraschallsonde. Und dann folgte ein sehr emotionaler Moment: Riesig groß sah ich auf der Leinwand unser Baby. Alles an diesem kleinen Menschen war erkennbar und darstellbar. Die Ärztin ging die einzelnen Punkte durch: Herzaktion (positiv), Nackentransparenz, Kopfumfang, Abdomen, Magen, Blase, Beine und Arme, Nasenbein, Nabelschnur, Blutversorgung usw. Alles war und ist in Ordnung. Ich hielt die Hand von G. ganz fest und mir lief ein Tränchen die Wange herunter. Es war einfach unglaublich, dass dieses Menschlein in mir lebt und quietschfidel ist.

Bereit

Nun bin ich auch endlich bereit es unseren Freunden, weiteren Familienmitgliedern, den Nachbarn und der Supermarktkassiererin zu erzählen. „Ich bin schwanger.“ Eben allen die es wissen wollen. Nun wird auf einmal alles realer. Ich bin bereit fürs Shoppen von Umstandsmode, für das Lesen von Artikeln zu Schwangerschaftsverläufen und dem Planen unserer Elternzeit. Die nächsten Artikel sollen und werden nicht mehr von Ängsten, sondern nur noch von Glück und Vorfreude geprägt sein. Danke, dass Ihr hier mitlest, uns auf dem Weg begleitet und uns weiterhin die Daumen drückt.

PROST!

30 Kommentare

  1. Ich kann meine Freude nicht in Worte fassen!!!!!! Der beste Film eures Lebens!!!!!
    Aber mach dir keinen Druck bezüglich nur noch Beiträge voll Glück und Vorfreude. Wenn sich doch wieder Angst mitreinmischt, dann ist das total nachvollziehbar und okay. Und dann sind wir hier für dich da und fangen auf, so gut wir können!
    Ganz viel ♥️

  2. Wie toll, ich freu mich so sehr für euch, hatte sogar paar Tränchen in den Augen vor lauter Glück (keine Ahnung, ich bin emotional sehr nah am Wasser zur Zeit… Wahrscheinlich schon drin im Wasser….Bis zum Hals)
    Die nächsten Monate werden wie im Flug vergehen, dann bist du so ssw36 und ab da läuft die Zeit rückwärts 😂
    Ich wünsche dir/euch einen nicht zu heißen Sommer und keine daraus resultierenden dicken Wasserfüße 🙊
    Ich drück dich ganz fest und streichel das Babybäuchlein, weil man das als schwangere am allerliebsten mag, wenn fremde einen antatschen 😁
    ❤️ Ganz viel Liebe und Freude

    1. Hach, wie lieb! Bisher vertrag ich die Hitze ganz gut, aber das 2. Trimester soll ja auch das schönste sein. Bin gespannt wann der erste Hand anlegt. Noch ist das Bäuchlein kaum zu sehen.

  3. Das klingt wunderschön!!!! Und es freut mich besonders dass du dich freuen kannst 🥰 wünsche dir eine ganz tolle Zeit. Ich werde weiter mitlesen.

    Und vielen Dank für den hilfreichen Tipp.

  4. Wunderschöne Neuigkeiten sind das.
    Wenn es dir in deiner Situation hilft Artikel, Magazine oder Blogeinträge über Schwangerschaftsverläufe zu lesen, dann nur zu. Wirklich brauchen tut man sie nicht. Genauso wenig wie (Geburts) Vorbereitungskurse, Mami Foren etc.
    Liebe Grüße 🌹

    1. Ja, das glaube ich gern. Es macht mir aber tatsächlich Spaß darüber zu lesen und ich will einfach alles wissen, was da gerade mit unserem Mini in mir passiert. Diese Zeit ist so besonders und einzigartig für uns.

      1. Ja, das kann ich mir denken. Wenn man schon endlich einmal über die kritische Phase hinaus ist, will man auch alles mitnehmen.
        Neulich hattest du einen Umschlag für den Mutterpass erwähnt. Dabei ist mir eingefallen, dass ich beim letzten Babyshoppen einen Kinderwagen aus Cognacfarbenen Leder entdeckt hatte. Vielleicht wäre der nach eurem Geschmack.
        Liebe Grüße 🌹

      2. https://www.babyton.de/de/marken-shops/anex/4314/anex-e/type-2-in-1-kinderwagenset-2020-11-farben?number=an12917&gclid=CjwKCAjww-CGBhALEiwAQzWxOrclsufi7iW5unRuzkxrB6l8c8xLhcyRKV3lZM_nxPw0FBPCjSb-6BoCfa0QAvD_BwE

        Ja, da hast du Recht. Im Alltag mit Baby kommt es auf die gute Handhabung an. Beim ersten Kind habe ich mir noch einen neuen Kinderwagen geholt. Beim letzen Kind war es dann ein gebrauchter von den EBay Kleinanzeigen. Hat die Häfte gekosten und war viel bequemer und praktischer. 😂
        Liebe Grüße 🌹

      3. Puh, ich glaub der wäre mir ein bisschen zu viel Cognac. Haha! Aber Danke! Ich glaube ich bin dann eher auf Deiner Seite: Ebay Kleinanzeigen oder meine Maki Freundinnen anbauen 😁

  5. Das hört sich ganz fantastisch an! Es ist schön, dich auf dieser Reise begleiten zu dürfen. 🙂 Und ich freue mich schon auf den Artikel, in dem du dich über all die Leute beschwerst, die deinen Bauch antouchen wollen. 😉 Liebe Grüße!

    1. Der kommt bestimmt. Noch ist das Bäuchlein kaum zu sehen und ich warte schon ganz ungeduldig endlich rund zu werden. Haha! Wann wars bei Dir so weit?

      1. Ich hatte bis zum 6. Monat den typischen “Blähbauch”, den man aber nicht als Babybauch entschlüsseln konnte.
        Um eine Schwangerschaft zusammenzufassen: Erst passiert nichts und die Zeit zieht sich wie Kaugummi, dann rast sie und in den letzten 4 Wochen zieht sie sich wieder endlos. 😄 Und mit Mini rast sie wieder, denn plötzlich ist Mini Midi und dann Maxi. 😄

  6. Liebe Jiuliena, natürlich habe ich jedes einzelne Posting gelesen – mit Dir gefühlt, aber nicht gewagt, etwas dazu zu sagen bzw. zu schreiben. Eigentlich kann man sich kaum vorstellen, was Ihr zwei wirklich bisher durchstehen musstet – und wie fragil diese Glücksgefühle sein müssen, weil man immer noch Angst hat.
    Ich freu mich wirklich sehr, wie sich das bis heute hierher liest – und wünsch Euch wirklich von Herzen alles Glück der Welt zu dritt ❤

    1. Ach Helma, wie lieb von Dir! So langsam lass ich die Freude zu und finde es wirklich schön wenn sich andere – auch wenn wir uns nur virtuell kennen – sich so für uns freuen. ❤

  7. Juhuuu! Wieder ein großer Schritt geschafft. Wie schön, dass alles einfach so ist, wie es sein soll und du es jetzt mehr genießen kannst.

    1. Leider kommt die Angst doch immer wieder zurück. Mir fällt es dann doch schwer zwischen den Terminen die Zeit zu genießen. Aber ich geb mein Bestes.

  8. Wie schöööööööööön, das klingt alles ganz wunderbar, möge es genauso weitergehen und Ihr bald nach einer leichten Geburt ein gesundes Baby im Arm halten! ❤❤❤❤🎉🎉🎉🎉🎉🎉🎉❤❤❤❤

  9. Ich freu mich so für euch! 🥰🥰🥰
    Ich hoffe du hast jetzt eine einfach nur wunderschöne Schwangerschaft mit nur ganz kleinen Mini Wehwehchen und freu mich schon sehr darauf hier ganz viel davon zu lesen. 💕

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