Der Plan und das Leben.

Nun winkt die Vier.Null und lässt sich nicht mehr aufhalten oder wegschieben. In ein paar Tagen ist es so weit. Als Kind freut man sich noch über jeden Turn und nun denke ich mir „Vierzig? Oh Gottohgott!!“

Noch vor ein paar Wochen dachte ich damit ist die Kinderwunschzeit besiegelt und meine Chancen auf ein gesundes Kind, zusammen mit G. rutschen an diesem verdammten Tag in den Keller. Natürlich weiß ich, dass dem nicht so ist und man nicht von heute auf morgen unfruchtbar wird, aber dass die Chancen sinken und die Risiken für Fehlgeburten oder Krankheiten beim Ungeborenen steigen, ist einfach nicht von der Hand zu weisen. Ich beneide meine Freundinnen, die das nicht so intensiv spüren. Wo sich die Wechseljahre einfach so einschleichen, weil deren Kinderplanung längst abgeschlossen ist. Denn ob man als Frau noch fruchtbar ist, weiß man nie so genau. Eine regelmäßige Periode heißt noch gar nichts. Dieser Gedanke hat mich eine Zeitlang so traurig gemacht, dass ich die Vier.Null gar nicht richtig feiern wollte.

Ich selbst wäre natürlich gern schon vor vier Jahren, als ich die Pille endlich absetzte, Mutter geworden und hätte gern auf die vielen Fehlgeburten und diese damit verbundene qualvolle Zeit verzichtet. Ich war bereit, aber ich muss dennoch sagen ich bin jetzt „bereiter“.

Der Plan.

Im Gespräch mit einem Kollegen erfuhr ich neulich, dass er einen ganz genauen Plan hat, was seine Familienplanung angeht. Zuerst möchte er heiraten. Den Antrag macht er nächste Woche im Sommerurlaub. Natürlich am Strand. Dann gibt es nächstes Jahr eine große Party und dann würden sie direkt nach der Hochzeit mit der Zeugung anfangen. Er wäre dann quasi ein Jahr später Vater. Er könnte nicht verstehen, warum manche Frauen so lange warten und sich so viel Zeit lassen mit dem Mutter werden. Schließlich will man doch nicht bei der Einschulung seiner Kids schon über 50 sein und auch die Enkelkinder noch betreuen können. Nun ja, er kannte mein Alter nicht. Und er kennt eben auch nicht die vielen Geschichten von Frauen die jahrelang vergebens versuchen Kinder zu bekommen oder wo einfach nicht der richtige Partner zur richtigen Zeit da ist. Es läuft eben nicht immer alles nach Plan.

Die Ideale.

Mein Kollege ist nicht der Einzige der so denkt. Wenn man sich so umhört lautet ja die gängige Meinung man sollte lieber vor dem 35. Geburtstag ein Kind bekommen. Denn sonst ist man ja automatisch „spät Gebärende“ und damit einer Risikoschwangerschaft ausgesetzt. Aber bloß nicht zu früh ein Kind bekommen. (Man will ja auch schon mit beiden Beinen im Leben stehen, Ausbildung oder Studium fertig haben und ein bisschen Berufserfahrung sammeln.) Und hey, am besten sollte man natürlich verheiratet sein. Einzelkind? Neeee, die sind immer so verwöhnt und lernen nicht zu teilen. Also zwei Kinder sollten es schon sein. Ihr wollt drei? Wow! Seid Ihr sicher? Habt Ihr denn so viel Geld? Man muss den Kindern doch auch was bieten können. Stell Dir mal vor die wollen alle studieren und das sollten sie doch, um später ein gutes Leben führen zu können, oder? Wie, Ihr wollt sogar vier Kinder? Also das ist doch wirklich langsam asozial. Was wollt Ihr denn dann für ein Auto fahren? Wie jetzt gar kein Auto? Und wie fahrt Ihr dann in den Urlaub?

Das Leben.

Die Liste ist einfach unendlich lang und leider läuft in den meisten Leben nicht alles nach Plan. In meinem auch nicht. Ich hätte G. auch gern schon früher kennengelernt und doch bin ich froh, dass ich ihn ÜBERHAUPT kennengelernt habe. Tinder sei Dank. Dem Mini zu erzählen, dass ich den Papa nach rechts geswiped habe, war auch nicht der Plan. Da gibt es wesentlich schönere Geschichten. Und dass es nicht unser erstes sondern eigentlich unser sechstes Baby ist, war auch nicht Teil des Plans. Das Leben schreibt eben die unterschiedlichsten Geschichten und nicht nur schöne. Ich bin sehr froh, dass ich nicht aufgegeben habe an dieses Tinderwunder zu glauben und damit meine ich sowohl den Gedanken, dass es irgendwo nochmal einen Menschen gibt, der mich liebt, so wie ich bin und dieses zweite Wunder (kein Tinder- sondern ein Kinderwunder *höhöhö*), dass gerade in mir wächst. Ich bin diesem Leben sehr dankbar und daher habe ich auch keine Angst mehr vor der bevorstehenden Vier.Null. Denn es geht immer weiter und weiter und weiter. Hoch – Tief – Hoch –Tief – Hoch – Tief. Und gerade befinden wir uns in einem schwindelerregenden Hoch, was mir sehr bewusst ist und was ich genieße.

Happy Birthday to me!

8 Kommentare

  1. Ich finde diesen Beitrag so unglaublich wertvoll. Ich kann gar nicht genug auf Like drücken! Was machen eigentliche solche PlanungsHeinis wenn dann doch einmal was schief läuft? Und wie sehr steht da eigentlich der Plan im Vordergrund und nicht der Mensch, das Gegenüber? Ich finds wundervoll wie du das Leben betrachtest und annimmst und das alles somit eurem Kleinen weiter geben kannst ♥️

      1. Gerne 😊
        Was ich bei diesen Leuten festgestellt habe, ist, dass wenn sich das Leben dann doch anders dreht, wird das a) erst mal nicht kommuniziert und dann b) das Alte als mies abgewertet und das Neue glorifiziert. Und dann ist wieder alles gut. Kenne so ein Pärchen, das ständig um zieht und jedesmal sei das neue Heim perfekt und makellos. Dann sind sie plötzlich wieder in einer neuen Bleibe und dann heißt es, dass die vorherige Wohnung doch eigtl eh viel zu klein, zu schlecht gelegen war etc. Dasselbe bei diesem Pärchen übrigens mit dem Kinderwunsch. Bei Ihnen klappt es nicht, und dann sind Kinder auf einmal sowieso viel zu anstrengend und die Welt viel zu böse, um dahinein ein Kind zu setzen… Ich weiß, dass sicherlich eine Art Selbstschutz ist. Aber iwann kommt sich blöd vor und ich denk mir: Sagt doch einfach, dass es scheisse und unfair ist. Ist halt manchmal einfach so und Punkt.

      2. Ja, es ist eine Art Selbstbetrug. Ich bin da auch lieber ehrlich zu mir selbst (und zu anderen), auch wenn es weh tut. Aber vielleicht ist dies eine Art Optimismus oder Pragmatismus, der mir in manchen Lebenssituationen auch fehlt.

  2. Der beste Plan scheitert beim ersten Feindkontakt. 😅 Wir planen auch gerne, aber durch unsere lange Kinderwunschzeit und die doch herausfordernde Baby- u Kleinkindzeit werde unsere Pläne eher zu „Inspirationen“. 🤣 Menschen, die ernsthaft behaupten man könne sein Leben planen, hatten entweder viel Glück oder haben noch nicht viel Lebenserfahrung. 😉
    Happy Birthday!

  3. Es geht nicht darum wie schön das kennenlernen war, sondern wie schön das Leben miteinander ist. Ob Tinder oder Tankstelle, who cares?
    Liebe Grüße 🌹

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