Schöne neue Welt.

Herzlich willkommen in der neuen Welt der werdenden Eltern. Nehmen Sie Platz, schnallen Sie sich gut fest, halten Sie Ihren Geldbeutel bereit und freuen Sie sich auf lauter neue Erfahrungen, die Sie nun machen werden.

Auswahl des Krankenhauses.

Schon in der 12. Woche fragte mich Herr Dr. Ruh, ob ich bereits wüsste wo ich entbinden möchte. Entbinden? So weit war ich ja bei den letzten Schwangerschaften nie gekommen. Meine Entbindung hieß jedes Mal Ausschabung und die hatte ich bereits in drei verschiedenen Kliniken vornehmen lassen, bis ich schließlich bei Herrn Dr. Ruh als operierenden Belegarzt landete, der auch dann die vierte Ausschabung übernahm und zu dem ich dann als behandelnden Frauenarzt wechselte. Ich hatte mir also noch nicht viele Gedanken um die Entbindung gemacht, weil ich so beschäftigt war, um das Mini zu bangen und zu hoffen dass es bleiben würde. Es blieb. Also recherchierte ich ein wenig die Krankenhäuser in meiner Stadt. Eins war so beliebt, dass man sich bis zur 6. Schwangerschaftswoche hätte anmelden müssen, damit man aufgenommen werden würde. Eins empfahl mir mein Arzt, weil er dort selbst unterstütze und eins wäre nur 3 Minuten mit dem Auto von mir entfernt. Aber auf was muss man achten, wenn man eine Klinik auswählt? Kommen nicht überall Babys zu Welt? Und tun die Ärzte nicht überall Ihr Bestes, dass diese gesund und munter nach nur kurzer Zeit (haha, ich weiß) neben einem liegen? Ich fragte meine Hebamme, die mir von einem der zwei der Krankenhäuser abriet, weil es wohl von der Bertelsmann Stiftung im ‚Klinik Test‘ einen roten Punkt bekam. Ich zuckte zusammen. Es gab rote Punkte für Krankenhäuser?

Kennenlernen des Krankenhauses.

Viele Krankenhäuser bieten in Nicht-Corona-Zeiten Informationstermine inkl. Kreissaalbesuche an. Unser übrig gebliebenes Krankenhaus, mit grünen Punkt der Bertelsmann Stiftung, bot einen einstündigen Onlinetermin an, zu dem ich uns anmeldete. G. war beruflich unterwegs und wir wählten uns unabhängig voneinander ein.

Ein kaum behaarter, älterer Arzt und eine junge, freundliche Hebamme erzählten von den Abläufen im Kreißsaal, zu Wassergeburten, Geburtspositionen und die zahlreichen Möglichkeiten zur Schmerzlinderung von Akupunktur bis zur Peridural-Anästhesie (PDA). G. und ich chatteten parallel und machten uns über die Frisur von Herrn Dr. Dr. Dr. Prof. Sowieso lustig. Im Anschluss durfte man Fragen stellen. Uns fiel nix ein. Den anderen Teilnehmern schon. „Muss man seine eigenen Handtücher mitbringen?“ war die erste. Handtücher? Na darauf wäre ich jetzt nicht gekommen. Gut dass jemand fragte, ich wäre auf jeden Fall ohne hin gegangen. „Nein müssen Sie nicht.“ Ah, gut alles klar. „Darf man seine Doula mitbringen?“ Bitte was?! G. schrieb: „Was ist das denn?“ Keine Ahnung. Ich hätte direkt fragen können, aber ich googelte lieber. Peinlich, dass wir das nicht wussten. Man durfte sie jedenfalls mitbringen. Ich habe keine Doula. Ich wusste bis vor Kurzem nicht, dass es so etwas gibt. „Gibt es die Möglichkeit auf Hypnobirthing?“ Äh… Hypno? Von Hypnose? Und dann immer wieder „Müssen Handtücher mitgebracht werden?“ Warum denn noch mal? Mit den Fragen einzelner werdender Eltern waren wir leicht überfordert. Die Klinik wirkte auf uns in Ordnung. Ohne viel Firlefanz. Familienzimmer, wenn möglich. Versprechen konnte man nichts. Ich glaube das ist überall so.

Die ersten Anschaffungen.

Von der schwierigen Kinderwagenauswahl wurde uns im Vorfeld schon öfter berichtet. Ich hatte gar keine große Lust mich durch die verschiedensten Tests zu klicken und Erfahrungsberichte zu lesen und schob die Entscheidung auf G. ab. Der hatte das Glück, dass seine Schwester ihm anbot ihren alten zu übernehmen. Also sagten wir sofort begeistert ja. Geld und Nerven sparen.

Eine Freundin brachte mir zwei lange Plüschstangen. An den Enden Klippverschlüsse. Hmmmm…. Was war das noch gleich? Wofür benötigte ich das? G. sah mein Gesicht und fragte was das denn wäre? Als ich wenig später eine Tüte mit einer Decke und den gleichen Klippverschlüssen erblickte, dämmerte es mir. Eine Babydecke mit Spielbogen. Das Wort Spielbogen musste ich übrigens erst für Euch googeln. Kam mir einfach nicht in den Sinn und war bisher nicht in meinem Wortschatz verankert.

So entdecken wir jeden Tag aufs Neue unsere schöne neue Welt und merken immer wieder, dass wir keinen Plan haben. Ich bin mir sicher, dass ich unser Mini trotzdem irgendwie zur Welt bringen werde, egal ob mit Doula oder Hypnobirthing. Und es wird glücklich sein, weil es echt verdammt coooooooole Eltern haben wird.

11 Kommentare

  1. HAIL TO THE HYPNOTOAD! 😂😂😂

    Ich werde nie erfahren was eine dua… Duoa… (Wie heißt das?) ist 😒 macht aber auch nix, hab ja schon 3 Kinder, da ist das wohl an mir vorbei gegangen… Ich hab mir bei meiner ersten Tochter auch alle KHs der Umgebung angesehen… Und ja… Da spürt man zum ersten Mal dieses competition Ding, bei welchem man bei manchen Schwangeren das Gefühl bekommt, das heranwachsende Baby würde ein zwei wichtige Hirnabschnitte blockieren, denn die ein oder andere Frage ist wirklich überflüssig/überflüssig oder aber eine perfekte Inszenierung der eigenen Vollkommenheit/perfekten Hippie Mutti „naja also ich möchte eigentlich zuhause unter einem Apfelbaum im mondlicht entbinden, ich schau mir das nur an weil die Gesellschaft es von mir erwartet“ / perfekte Hipster „ich vermisse meinen Club mate tee, aber hab mir von dem Bruder meine Kommilitonin nen perfekten Windel jutebeutel designen lassen“ , perfekte whatsoever…
    Don’t jump on the train 😅✌️
    Das, also klinikbesichtigung, war, im Nachhinein echt verschwendete Zeit, da ich alle per Kaiserschnitt bekommen habe und OPs ja alle irgendwie ähnlich kalt und trist sind, die schaut man sich dann aber auch nicht intensiv an bei solchen Rundgängen… Und EIN Krankenhaus mit lustigen von der Decke hängenden Tüchern, CD Spielern, Badewannen und klimbim hätte es auch getan 😂

    Ich wünsche dir/euch weiterhin alles Gute und starke Nerven für die weiteren Konfrontationen mit anderen werdenden Eltern, frisch gebackenen Eltern, Eltern allgemein… Das ist auf jeden Fall immer wieder ein Highlight 😁❤️

    1. Hahahaha! Danke! Das mit dem Apfelbaum im Mondlicht klingt toll. Ich werde das in Erwägung ziehen und dem KKH absagen. 😁
      Ich glaube auch dass uns noch viele Highlights erwarten werden. Wir nehmen es beide bisher mit Humor. Das passt zu uns und fühlt sich gut und richtig an.

      1. Anders geht’s auch teilweise nicht mehr, sonst wird man langfristig depressiv und sieht nur noch seine „Fehler“ und vergisst, wie großartig man jeden Tag seinen Job macht

    2. Guter Kommentar 🙂 Ich finde, wenn man im Spital entbindet, wird die Umgebung und Atmosphäre bei der Geburt überbewertet, auch wenn es kein Kaiserschnitt ist. Ein Spital ist und bleibt ein Spital. Ich war froh, dass ein Kreissaal frei war 😉 Mein Mann hat sogar eine eigene Musik-Playlist gemacht, aber wir wären gar nicht auf die Idee gekommen, Musik einzuschalten, obwohl die Geburt sehr lange gedauert hat. Ich glaube, das Wichtigste ist, dass man keine fixen Vorstellungen von der Geburt hat, da es oft anders kommt, als man sich das vorher ausmalt. Was wichtig ist, ist eine gute Begleitperson und eine gute Hebamme, aber letztere kann man sich ja leider nicht immer aussuchen. Was mir auch sehr geholfen hat, war ein Geburtsvorbereitungskurs, in dem man Atem- und Entspannungstechniken regelmäßig ein paar Monate vor der Geburt übt. Und es hätte mir sehr geholfen, wenn ich ein paar Informationen vorher gehabt hätte. Zum Beispiel, dass es auch sein kann, dass man sich während der Geburt 18h lang übergeben muss. Oder, dass der Körper nach der Geburt ziemlich zugerichtet ist und man keine Möglichkeit zur Erholung hat (Verletzungen, Grundfunktionen wie Stuhlgang funktionieren nicht, aufgebissene Brustwarzen, starke Blutungen, Erschöpfung, Müdigkeit etc.). Eine Hebamme, die nach der Geburt nach Hause kommt, ist da übrigens eine tolle Unterstützung. Und es ist auch wichtig, sich auf das eigene Gefühl zu verlassen und danach zu handeln. Wir haben uns beim ersten Kind wegen des Gewichts verrückt machen lassen, obwohl wir selbst das Gefühl hatten, das alles passt. Im Endeffekt war das Baby bei der Geburt fast 4 Kilo schwer und hat dann einen Monat gebraucht, bis es wieder das Geburtsgewicht hatte. Kinderärztin und Hebamme haben uns richtigen Stress gemacht, was völlig unnötig war. Später habe ich gelesen, dass Kinder, deren Mütter bei der Geburt lange „am Tropf“ hängen, automatisch schwerer auf die Welt kommen, weil sie auch die Flüssigkeit aufnehmen… Irgendwann hat’s mir dann gereicht, ich hab der Kinderärztin ein Foto des Kindes direkt nach der Geburt gezeigt (sah richtig aufgeblasen aus wie ein kleiner Sumo-Ringer), da war sie ganz bestürzt und hat mir dann endlich Recht gegeben…

  2. 😂😂😂 Ich musste sehr lachen bei deinem Artikel. Wir mussten (vor Corona) noch live und in Farbe zu diesen Veranstaltungen. Dabei haben wir „Walrösser“ (böse, böse) gezählt und uns über die Fragen der gut Informierten lustig gemacht. Letztendlich war die Badewanne, die lustigen Tücher von der Decke und die Musik nice to have, aber bei 1,5 Stunden von Ankunft bis Geburt eher unnötig. 😄 Wir haben uns einfach bei dem Krankenhaus ums Eck angemeldet und gut war‘s. Ich wusste nicht einmal, dass es rote und grüne Krankenhauspunkte gibt. Wieder etwas gelernt! 🙈
    Aber egal wie: Du bist schon sowas von knietief in diesem Elternding drin und das freut mich sehr, sehr, sehr! 🤩

    1. Wow! 1,5h mega! Das will ich auch.
      Ja, wir rutschen jetzt immer mehr in dieses „Elternding“ rein und das ist sooooo schön und aufregend und manchmal auch ein bisschen beängstigend 😄

      1. 1,5h klingt gut, ich würde dennoch davon abraten. 😄
        Das wird klasse! 🤩 Genau so ist’s später auch, wenn Mini-Me da ist: Schön, aufregend, aber auch beängstigend.

    1. Irgendwie kommt der Zwerg schon zu uns. Da bin ich mir sicher und bei all dem Schmerz in der Vergangenheit, schaffen wir den Geburtsschmerz auch noch. Da bin ich mir sicher 😊

  3. Also dass man sich eine Hebamme am Besten schon direkt nach dem positiven Test (oder noch viel besser, direkt bei der Zeugung) suchen muss ist ja schon Wahnsinn. Aber sich bereits in der 6. Woche im Krankenhaus anmelden??? Das ist echt krass.

    Ich finde es sehr symathisch, dass ihr da so völlig normal und bodenständig seid. Inzwischen hat man ja schon fast das Gefühl, dass man kein Kind in die Welt setzen dürfte, wenn man nicht vorher 20 Ratgeber und sämtliche Produkttests für Babyartikel gelesen hat.

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