Das bisher wichtigste Kennenlernen meines Lebens.

(Bis auf das mit Kevin Costner.)

Nicht mehr ganz drei Wochen bis zum errechneten Entbindungstermin. Ich bin eigentlich tiefenentspannt. Alles ist organisiert und Mini kann kommen. Diese Vorweihnachtszeit ist so ruhig wie noch nie. Ich muss nicht „noch schnell ein Projekt abschließen“, keine nervigen Kollegen stehen auf der Matte, kein Vorweihnachtsstress mit Geschenkejagd und der ständigen Frage wann wir kommen und wie lange wir bleiben. Dieses Jahr gibt es keine Quer-durch-Deutschland-Tour, denn wir bleiben einfach hier. Wir kaufen uns unseren ersten gemeinsamen Weihnachtsbaum, braten uns Gänsekeulen und grübeln noch ob wir an Heiligabend zu zweit oder zu dritt sein werden. Zumindest dachten wir das. Bis gestern.

Ich habe einen Termin im Krankenhaus bei meiner Ärztin. Hurra, Mini geht es gut und mir auch. Sie macht mir ein Kompliment für meinen Bauch. Nur 8 kg habe ich zugenommen. Der Bauch wölbt sich sehr stark nach vorn. Jedoch: Mini ist ein Maxi. Er ist (zu) groß für sein Alter. Und (zu) schwer. Aber was heißt das schon? G. war mit seinen 5kg Geburtsgewicht auch nicht gerade ein zartes Küken und mit seinen 1,90m gehört er wohl auch eher zu den größeren Männern. Ich bin auch nicht gerade klein. Dazu sind Diabeteskinder leider meist ebenfalls im Schnitt etwas größer. Eigentlich alles nicht so schlimm, aber aufgrund meines Alters, der Fehlgeburten und der diagnostizierten Gerinnungsstörung, machte sich die Ärztin nun doch ein wenig Sorgen.

Zielgerade.

Ich bin auf der Zielgeraden und möchte mir eigentlich keine Sorgen mehr machen. Das habe ich lange genug getan. Viereinhalb Jahre hat es gedauert um an diesen Punkt zu kommen. Ich möchte unser Mini ohne Schwierigkeiten und Sorgen auf die Welt bringen. Das weiß sie natürlich und rät uns daher zu einer Einleitung der Geburt in den nächsten Tagen. Ich nicke. Ich weiß nicht was das mit mir macht, aber auf einmal platzt die Vorstellung, dass der Kleine sich spontan auf die Welt macht. Ich habe nicht viele Vorstellungen vom Geburtsablauf, aber die Aufregung um die Krankenhausfahrt und das Rätseln ob es bereits Zeit dafür wäre, gehörten für mich doch irgendwie dazu. Eine Einleitung kann und soll Komplikationen bei der Geburt vermeiden, kann aber auch Komplikationen (wie langes Warten und langes in den Wehen liegen) auslösen. Ich bin unsicher. Ich bekomme nun doch ein wenig Angst und eine Schweißperle steht mir auf der Stirn. Schaffe ich das? Wie wird es sich anfühlen? Wie lange dauern? Ist Mini stark genug?

Wieder zu Hause angekommen mache ich einen Beratungstermin bei meiner Hebamme und bei Herrn Dr. Ruh. Ich befrage meine Freundin Google „Wehen fördern und Geburt anregen“

Wehen fördern und Geburt anregen.

Die nächsten Tage esse ich Daddeln, trinke Himbeerblättertee, nehme Heublumenbäder, G. kocht mir Salbeignocchi, ich mache lange Spaziergänge und wir haben uns noch einmal so richtig lieb. Insoweit das überhaupt aufgrund des riesigen Bauches noch möglich ist. Morgen habe ich einen Termin bei meiner Hebamme zur geburtsvorbereitenden Akupunktur. Mini fühlt sich bisher sichtlich wohl in meinem Bauch und ich will ihn auch nicht verjagen. Klar, er wird dort gut versorgt, liebevoll geschaukelt und ist auch nicht diesem ekligen Schneematschwetter ausgesetzt. Mini, ich versteh Dich. Aber es wird nun wirklich Zeit, dass wir uns auch außerhalb meines Bauches kennenlernen. Ich bin sehr gespannt und aufgeregt. Das wird das wichtigste Kennenlernen meines Lebens.

4 Kommentare

  1. Alles, alles Gute!!! Und wahnsinn, nur 8kg, wie macht frau das? 😀 da bin ich jetzt schon drüber 😉 Mal sehen, wieviels am Ende ist. Übrigens soll auch Galgant Wehen auslösen…. aber das funktioniert alles sicher nicht so einfach! (Gut zureden soll auch helfen, steht in einem meiner schlauen Bücher!)

  2. Danke! Ich glaube die 8kg sind d auf die Diabetes zurückzuführen. Hatte aber auch nicht mehr Hunger als sonst.
    Ich rede jetzt nochmal mit Mini, dass er doch bitte jetzt lang genug in meinem Bauch war und es Zeit für Tageslicht wird. 😊

    1. Ja, genau. Da kam viel zusammen: Schwangerschaftsdiabetes, Gerinnungsstörung, Fehlgeburten, mein Alter und vor allem dass er bereits auf 4kg geschätzt wurde. Das war knapp 2 Wochen vor ET.

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