Einleitung.

Es geht los.

Es fühlt sich an wie Abitur schreiben, erstes Date mit dem Traummann, heiraten und ein Haus kaufen an einem Tag. So aufgeregt bin ich.

Wie lang wird es dauern? Wie stark die Wehen? Wann wird sich Mini auf den Weg machen und wird er gesund sein?

Vorm Krankenhaus treffe ich eine Freundin. Mist! Ich wollte nicht dass es jemand erfährt, wann wir die Geburt einleiten, um mir nervige Nachfragen zu ersparen. Noch nicht mal meiner Mutter habe ich den genauen Termin verraten. Ich begrüße sie freundlich und sage, dass ich einen Termin habe, aber die Krankenhaustasche, die G. in den Händen hält, verrät uns sicher.

G. darf nicht bleiben. Erst wenn Geburtswehen eintreten, darf er dazu kommen und meine Hand halten. Wir wohnen nur 10 Minuten vom Krankenhaus entfernt und er hält sich aufgeregt bereit.

Na gut.

Um 10.30Uhr bekomme ich von Diana, der zuständigen Hebamme, die erste weheneinleitende Tablette und wir schreiben ein CTG.

Danach gehe ich spazieren. Noch denke ich, es kann jeden Moment losgehen.

Um 13.30Uhr gibt mit Manuela, die neue Hebamme die nächste Tablette. Ich verspüre inzwischen leichte Wehen, aber noch geht es nicht los

Um 17.30Uhr gibt mir Peggy, die neue Hebamme noch einmal eine Dosis. Wir steigern nicht, weil die Wehen ja bereits eingesetzt haben und ich Angst vor einem Wehensturm habe. Peggy, mag ich am meisten. Sie ist sehr einfühlsam und spricht mit mir über unseren langen Kinderwunsch und die Fehlgeburten. Sie schlägt mir vor ein warmes Bad zu nehmen. Warum nicht.

Nach der Badewanne ist es wieder ruhig bis auf ein leichtes Ziehen. Wir schreiben erneut ein CTG und Peggy verabschiedet sich für die Nachtschicht. Gabi will von mir wissen ob wir weitermachen sollen oder ich ein paar Stunden schlafen möchte. Es ist jetzt 23Uhr. Ich entscheide mich für Schlafen, obwohl ich immer noch leichte Wehen habe.

Tag 2.

Am nächsten Morgen begrüßt mich Claudia und möchte die Dosis gleich vervierfachen. Puh, das ist doch ein bisschen viel und ich möchte lieber noch kurz mit der Ärztin sprechen.

Wir einigen uns auf die doppelte Dosis und ich darf wieder spazieren gehen. Im Schneckentempo verlasse ich das Krankenhaus und kaufe mir einen Cappuccino als Begleiter. Ich rufe zum 536438 Mal G. an und schildere ihm die Lage.

Als ich zurück komme, wird wieder ein CTG geschrieben. Die Wehen werden stärker, aber sind noch nicht geburtsrelevant und G. darf daher auch noch nicht kommen. Die nächste Schicht ist da. Lara. Ich frage ob ich nochmal in die Badewanne kann. Inzwischen ist es schon wieder später Nachmittag.

In der Badewanne werden die Wehen nicht weniger. Ich denke immer an mein Mantra „Jede Wehe bringt mich dem Mini ein Stück näher.“

Als ich wieder im Zimmer bin und das CTG schreibe prüft Lara meinen Muttermund. Dieser ist immer noch nur 1-2 cm offen. Es gibt also nochmal eine wehenfördernde Tablette.

Nachts liege ich wach. Ich höre eine werdende Mutter schreien. Neben meinem Zimmer werden Wehen vertönt und ich stimme auch so langsam mit ein. Ich fühle mich einsam. Ich hab Schmerzen. Ich bin nun 2 volle Tage hier, ohne G und hab kaum was gegessen. Meine Emotionen überkommen mich und ich fang an zu weinen. Lara, die Hebamme kommt und tröstet mich. Es ist mir peinlich, dass ich wie ein Kind nach seiner Mutter, nach G. frage. Er darf aber leider immer noch nicht kommen.

Tag 3.

Am nächsten Morgen verabschiedet sich Lara und Fiona übernimmt. CTG, Muttermund tasten – Dosis nochmal steigern. Mittlerweile sind die Schmerzen sehr stark. Ich kann nicht mehr sitzen oder Liegen. Das CTG wird im Stehen geschrieben. Ich hätte es nie gedacht, nie nie nie, aber ich gehöre wohl auch zu den Frauen, die die Wehen vertonen. Und gebe mich dem Uuuuuuuuuhhhh und Aaaaaaaaaahhhh hin.

Irgendwann platzt die Fruchtblase. Der Muttermund ist jetzt bei 3-4cm. (Noch 6-7cm to go!!) Gegen Mittag darf ich endlich G. anrufen, der dazu kommen darf. Seit 3 Tagen wartet er auf diesen Anruf. Endlich ist es so weit.

Als er kommt, sitze ich mal wieder in der Badewanne. Er massiert mir den Rücken und ist einfach da und ich so unendlich froh darüber. Die Wehen sind schon recht stark, aber mein Muttermund ist nach dem Wannenbad nicht wirklich weiter aufgegangen. Also winde ich mich, zurück in meinem Zimmer weiter und stöhne was das Zeug hält. Gegen Abend wechselt die Schicht erneut und Gabi von Tag 1 ist wieder da. „Ach dass wir uns nochmal wiedersehen hätte ich ja nicht gedacht!“ Ja, ich hätte auch gut verzichten können. Gabi schlägt eine PDA vor. Ich könnte mich in der Zeit gut ausruhen und die PDA würde das Aufgehen des Muttermundes fördern. Wir sind immer noch bei nur 5cm.

Eine PDA wollte ich ja vermeiden, aber an Tag 3 ist mir das egal. Wir wechseln endlich in den Kreißsaal. Schön ist es hier. Wahrscheinlich der schönste Raum im ganzen Krankenhaus. Ein junger, sehr attraktiver Arzt kommt herein. Der Anästhesist. Er klärt uns kurz auf und sagt was ich machen muss. In einer Wehenpause legt er den Zugang und ich begebe mich in eine andere (schmerzfreie) Welt. Ach ist das schööööööööööööön. Ich fühle mich wie nach einem tiefen Zug an einer Tüte, schwebend auf einer rosaen Wolke.

Tag 4.

In der Nacht zu Tag 4 dürfen wir 4h schlafen. Dank PDA geht das auch ganz gut. G. sitzt in einem großen Sessel neben mir und hält meine Hand. Ich döse sofort weg. Nach 4h kommt Gabi wieder und stellt die nächste Schicht vor: Ilona. Ich dachte ich würde inzwischen alle kennen, aber es gibt immer noch eine Hebamme, die noch nicht nach meinem Muttermund getastet hat. Also auf ein Neues. Befund: 8cm! Yeah! Noch 2cm to go!

Leider lässt in dem Moment die Wirkung der PDA nach. Ein Anästhesist muss kommen und den Zugang etwas herausziehen. Danach ist es besser, aber die rosae Wolke hat sich aufgelöst. Ich kann die Wehen wieder spüren und sie werden dank dem neuen wehenfördernden Medikament immer heftiger.

Ich krieche mittlerweile tönend auf allen Vieren durch den Kreißsaal. Viel bewegen kann ich mich aber nicht weil ich ja gleichzeitig an PDA und Wehenschreiber angeschlossen bin.

Ilona will nochmal meinen Muttermund prüfen. Ich bin schon sehr geschwächt, aber weiß, dass ich mich auf der Zielgeraden befinde.

10cm! Der Muttermund ist offen, aber das Köpfchen des Minis liegt quer und hat sich nicht in den Geburtskanal gedreht. Man kann nicht sagen wann und ob überhaupt das noch passieren wird. Ilona meint wir könnten noch ein bisschen warten und schauen ob er die Kopfdrehung noch hinbekommt, aber sie sieht wie schwach ich bin und wie wenig in den letzten 24h passiert ist und stellt daher den Kaiserschnitt als letzte Möglichkeit in den Raum. Mir ist grad alles egal. Ich will nur dass das Mini gesund ist und ich endlich erlöst werde.

Nach kurzem Überlegen stimmen G. und ich dem Kaiserschnitt zu. Es ist noch eine andere OP vor uns dran. Eine Stunde müssen wir warten. Ich hab aber eh schon jegliches Gefühl für Raum und Zeit verloren. Um 11Uhr Vormittags werde ich schließlich in den OP geschoben. G. muss sich umziehen gehen. Ilona beruhigt uns und sagt, dass es nicht mehr lange dauert und dann ist unser Mini endlich bei uns.

Ich denke kurz an die letzten 4,5 Jahre, an all die Arztbesuche, Rückschläge, Ängste, Enttäuschungen und tiefen Emotionen rund um unseren Kinderwunsch. Ist es wirklich gleich so weit und ich kann das alles hinter mir lassen und unser Mini begrüßen?

12 Kommentare

    1. Ja, ich hatte es mir auch ein wenig anders vorgestellt…aber es ist doch echt heftig wenn man merkt was so ein weiblicher Körper alles schafft und aushält.

  1. Als ich den Teil mit dem Tönen gelesen habe musste ich so schmunzeln, denn es ging mir so ähnlich. 😄🙈 Ich bin aktuell „endlich“ wieder schwanger und meine Beleghebamme, die auch Hausgeburten macht, hat mich beim letzten Termin gefragt ob das für mich auch in Frage kommen würde. Ich weiß noch, wie schnell es mir egal war, dass ich so so laut war, weil das Tönen einfach geholfen hat verdammte Axt! Und das will ich meinen Nachbarn bei den dünnen Wänden in unserem Mietshaus echt nicht antun. 😂🙈

    Und das mit dem Kaiserschnitt nach langen, intensiven Wehen (wenn auch ohne Einleitung) und einer „ungünstigen“ Kopfdrehung kommt mir auch sehr bekannt vor. Lief bei uns sehr ähnlich.

    Ich freue mich schon auf deinen nächsten Blogeintrag. ❤️

    1. Ich könnte das auch nicht zu Hause. Ich brauch auch das Gefühl dass da genügend „Profis“ um mich rum sind. Herzlichen Glückwunsch übrigens zur Schwangerschaft. Ich hoffe die zweite Geburt verläuft ein wenig einfacher. Sagen zumindest immer die meisten…

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