Wochenbettstation.

Endlich zu dritt.

Nachdem wir noch ein paar Minuten kuschelnd im Kreißsaal verbrachten, wurden wir auf Station gebracht. Ich bekam ein eigenes kleines Zimmer und G. durfte uns zunächst begleiten und bei uns sein. Über Nacht bleiben durfte er jedoch nicht. Da saßen wir nun. Endlich zu dritt.

Ungläubig schauten wir ihn an. Die letzten 24 Stunden waren anstrengend gewesen und wir hatten sie intensiv erlebt. Jeder auf seine Weise. Ich wollte seine Sicht hören. Denn natürlich hatte G. ganz andere Eindrücke gesammelt. Ich wollte alles wissen, was ich nicht mehr mitbekommen hatte und das war eine ganze Menge, denn mir fehlte nicht nur ab Vollnarkose ein Teil, auch vorher war ich aufgrund der Schmerzen schon halb ausgeschaltet und lief nur noch auf Autopilot. Am liebsten hätte ich noch Minis Version gehört, aber der Teil wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben.

Danach besorgte G. uns was zu essen. Ich feierte mein erstes Lachsbrötchen nach Monaten als wäre es ein mühevoll über Stunden gegarter Weihnachtsbraten.

Als es Abend wurde, schickte ich G. nach Hause. Er sah wirklich müde aus.

Ich selbst konnte auf der Station nicht schlafen. Ständig passierte irgendwas. Selbst nachts wurde dem Kleinen noch Blut entnommen.

Post Sectio Caesarea.

Den Kaiserschnitt hatte ich unterschätzt. Ich kenne so viele Freundinnen, die auch einen hatten, aber was wirklich dahinter steckt und wie schwer die Operation und die anschließenden Schmerzen sind, wusste ich nicht bzw. hatte ich mir darum noch nie richtig Gedanken gemacht.

Ich konnte mich also nicht richtig aufrichten im Bett. Ich konnte den Mini auch nicht aus seinem Bettchen heben. Ich konnte nicht aufstehen und noch nicht mal auf Toilette. (Ja, es wurde tatsächlich ein Katheter gelegt.)

Stillen.

Ich versuchte Mini direkt an meine Brust zu legen, was nicht so einfach war, denn meine Bruwas (Brustwarzen) führen ein sehr introvertiertes Leben. Mini wusste sofort was zu tun war, aber gleich darauf war die erste Bruwa blutig. Aua.

Eine der Hebammen brachte mir Silikonhütchen, die die Bruwas schützen sollten. Ich legte ihn erneut an.

Die meisten Nicht-Mütter wissen nicht, dass der Milcheinschuss erst nach 2-3 Tagen kommt. Nach einem Kaiserschnitt kann es sogar noch länger dauern. Das Gemisch an das Mini jetzt aber wollte, nennt sich Kolostrum, die Vormilch. Nur wenige Tropfen reichen hier, damit Mini ein glückliches Baby ist. Kolostrum unterstützt das Immunsystem und die Darmfunktion des Babys. Besonders ein entscheidender Antikörper, sIgA ist reichlich enthalten. Er schützt das Baby vor Krankheiten, aber nicht indem er in seinen Blutkreislauf übergeht, sondern durch Auskleiden des Magen-Darm-Trakts.

Nun wusste ich gar nicht ob sich bei mir das Kolostrum richtig bildete und ob unser Mini wirklich etwas davon bekam. An Tag 2 gab es auch noch keinen Milcheinschuss und ich hatte wirklich Angst, dass meine Boobies nicht so funktionieren würden, wie sie sollen.

Irgendwann kam eine der Hebammen mit einer elektronischen Milchpumpe an, „um die Milchproduktion anzukorbeln“.

Kurze Zeit später, saß ich da mit den zwei Saugnäpfen in der Hand und kam mir vor wie eine Milchkuh. Wieder wurde ich total emotional. Würde ich es schaffen diesen kleinen Wurm ausreichend zu versorgen? Würde das mein 40jähriger Körper überhaupt noch schaffen? Ich meine ich hatte viel Spaß die letzten Jahre mit meinen zwei Boobies, aber können die auch mal richtig arbeiten und machen wozu sie mir (eigentlich) gegeben wurden?

Da saß ich nun und hörte dem elektrischen Geräusch der Pumpe zu. Kaum geschlafen hatte ich und unser Mini fing an zu weinen. Diese Situation war so überfordernd für mich dass ich direkt mitheulen musste.

Die Veränderungen in meinem Körper, die Verantwortung, der ich mir jetzt bewusst war, der Schlafmangel, die OP Schmerzen und die neuen Muttergefühle – das alles ist dann doch auch ein bisschen viel auf einmal.

An Tag 4 nach der OP wurden Mini und ich endlich entlassen, obwohl ich noch sehr geschwächt war, freute ich mich sehr auf zu Hause und unser erstes Weihnachtsfest zu dritt.

4 Kommentare

  1. Das mit dem Stillen am Anfang ist übel! Ich hatte jedes Mal das Gefühl, mir zieht einer Stacheldraht durch. Heftig. Ich hatte das bei K2 auch wieder und bei dem auch blutige Brustwarzen. Eine Erfahrung, auf die man gerne verzichtet, ne? 😌

    1. Ja, bin froh dass es mittlerweile gut klappt, aber dass es so schwierig ist und nicht selbstverständlicheinfachfunktioniert, erzählt einem vorher keiner.

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