Gestaffelter Mutterschutz nach Fehlgeburt?

Wie die meisten von Euch wissen, ist Mini nach fast 5 Jahren Kinderwunsch und insgesamt fünf Fehlgeburten letzten Dezember endlich gesund und munter bei uns eingetroffen.

Viele denken, dass damit ja nun alles gut ist und die Vergangenheit damit ruhen kann. Aber ich sag Euch, dass das leider so nicht funktioniert, mich bestimmte Sachen immer noch triggern und ich selbst versuche mit Frauen mit Kinderwunsch anders umzugehen.

Dabei war die Zeit direkt nach den Fehlgeburten jeweils besonders hart und es dauerte Wochen und Monate bis ich mich wieder gefangen hatte und neuen Mut fassen konnte. Mit jeder weiteren Fehlgeburt wurde das immer schwieriger. Damals hätte ich mir Zeit gewünscht um mit der Situation klar zu kommen. Jemanden zum Reden der mich versteht. Ein Urlaub um auf andere Gedanken zu kommen oder einfach ein paar Tage ohne schlechtes Gewissen ins Kissen zu heulen. Aber beruflich war das oft nicht drin.

Oft habe ich mich auch gefragt, warum es denn nicht so etwas wie anteiligen Mutterschutz nach so einem Erlebnis gibt. Es fehlte Zeit zum Verarbeiten.

Und neulich durfte ich feststellen, dass ich nicht die Einzige bin, die sich so etwas wünscht. Anteiliger Mutterschutz nach einer Fehlgeburt. Es gibt da nämlich eine Petition die genau so etwas fordert. Meiner Meinung nach super wichtig, damit man das Erlebte stressfrei verarbeiten kann.

Aktuell steht Frauen nach Fehlgeburten, also Geburten bei denen Babys keine Lebensmerkmale gezeigt haben, deren Gewicht weniger als 500 Gramm betrug, und die Geburt vor der 24. Schwangerschaftswoche erfolgte, kein Mutterschutz zu.

Auch der Änderungsvorschlag der neuen Bundesregierung, der die 20. Schwangerschaftswoche als Grenze vorsieht, ist unzureichend. All den Frauen, die bereits in der 19. Woche oder früher eine Fehlgeburt erleiden, steht weiterhin keinerlei Mutterschutz zu. Das bedeutet, dass Frauen, die wochen- und monatelang ihr Kind unter dem Herzen getragen haben, weiterhin kein Anrecht auf Mutterschutz haben.
Es ist nicht nachvollziehbar weshalb eine Frau, die nach 18 Wochen und 6 Tagen eine Fehlgeburt erleidet, 0 Tage Mutterschutz erhält und eine Frau, die ihr Kind einen Tag später verliert, 18 Wochen Mutterschutz. Bei diesem sensiblen und die Würde der Frauen angreifendem Thema ist eine solch harte Grenzziehung nicht angemessen. Eine Staffelung hingegen würde durch eine weichere Grenzziehung Ungerechtigkeiten abmildern.

Eine Krankschreibung ist kein Ersatz für Mutterschutz. Ob und in welcher Form eine Krankschreibung der Frauen nach einer Fehlgeburt stattfindet, liegt alleine im subjektiven Ermessen des betreuenden Arztes. Sie erfolgt nicht automatisch, sondern oft nur auf Nachfrage und Bitten der Frauen oder auch gar nicht, bzw. nur für wenige Tage. Dieser Umstand stellt nicht selten eine zusätzliche Belastung für die oftmals traumatisierten Frauen dar. Die Notwendigkeit eines kleines Wochenbetts wird in vielen Fällen nicht berücksichtigt und Frauen suggeriert, dass ein schnelles Funktionieren gesellschaftlich erwünscht sei, weswegen etliche Frauen sich nicht trauen, Zeit für ihre Trauer einzufordern. Bei vielen Betroffenen treten mittel- und langfristig Depressionen auf.

Auch das psychologische Element, dass eine Frau, die ihr ungeborenes Kind verliert, nicht als Mutter (der Mutterschutz zusteht) gewertet wird, spielt für viele Frauen eine große Rolle. Wir glauben, dass ein Angebot des gestaffelten Mutterschutzes für Frauen nach Fehlgeburten ein großer und wichtiger Fortschritt wäre, der betroffenen Frauen Zeit, gibt das Erlebte zu verarbeiten, körperlich zu heilen und die Frauen und ihre Würde unter den Schutz stellt, den sie verdienen.

https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2022/_07/_15/Petition_136221.nc.html

Mit der Petition wird gefordert, einen gestaffelten Mutterschutz für Frauen einzuführen, die vor der 24. Schwangerschaftswoche eine Fehlgeburt erleiden.

Die Staffelung soll von einer Expertenkommission erarbeitet werden und die Staffelung sich auf die Anzahl der Schwangerschaftswochen beziehen.

Der gestaffelte Mutterschutz soll ein Schutzangebot des Staates und für die Frau nicht verpflichtend sein.

https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2022/_07/_15/Petition_136221.nc.html

Wenn Ihr die Petition unterstützen wollt, könnt Ihr Euch hier eintragen.

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