Künstliche Befruchtung

Wartezeit und Ängste

Wo ist denn bitte mein Optimismus aus den letzten Beiträgen hin? Ich bin heute bei 16+4 (d.h. ich bin in der 17. Woche und damit am Anfang des 5. Monats). Das letzte Mal habe ich das Mini bei 14+1 zusammen mit Dr. Ruh gesehen. Das ist über zwei Wochen her und das macht mir Angst. Ich frage mich ob mein Bauch genug wächst und befrage meine Freundin Google und bekomme zur Antwort: „Jede Schwangerschaft ist anders.“ Während manche Frauen in der 17. Schwangerschaftswoche eindeutig als schwanger zu erkennen sind, könnte man bei mir meinen ich hätte mal wieder zu viel Pizza oder Pasta verdrückt. Ist da wirklich ein Baby drin?  Ja, natürlich ist es da. Wir haben es ja groß auf Leinwand beim ETS gesehen, aber das ist noch länger her, als der Termin mit Dr. Ruh. Über drei Wochen schon und ich frage mich ob es inzwischen weiter gewachsen ist. Zugenommen habe ich noch gar nicht.

Meine Medikamente (Granocyte und Utrogest) habe ich bereits seit mehreren Wochen abgesetzt und ich frage mich, ob mein Körper es nun wirklich ganz allein schafft diese Funktionen zu übernehmen. Nur die Blutverdünner (Clexane) muss ich noch jeden Tag spritzen. Mein persönliches Risiko für eine (weitere) Fehlgeburt liegt laut dem Miscarriage Rechner bei unter 1%, aber dass eine Frau einen vorzeitigen Eisprung hat, trotz Blockermedikamenten, ist auch sehr sehr unwahrscheinlich und liegt laut Statistik auch nur bei unter 1%. Deshalb verspüre ich wieder Angst. Nun wissen es auch alle schon: Arbeitskollegen, Freunde, Familie und freuen sich mit mir. Die einen mehr, die anderen weniger. Und ich möchte denen nichts anderes mehr erzählen. Es war schlimm genug das in der Vergangenheit mehrfach zu erleben.

In ein paar Wochen habe ich Geburtstag und möchte unbeschwert feiern. Ich werde vierzig. Es hört sich alt für mich an. Ich möchte meine Liebsten in einem Sommerkleid und mit dickem Bauch begrüßen. Ich möchte meine beste Freundin mit diesem Bauch überraschen, die extra aus meiner Heimat angereist kommt und die ich schon einige Monate nicht mehr gesehen habe. Ich möchte lachen, mich freuen, alkoholfreien Sekt trinken, mit den Kindern meiner Freunde scherzen und hoffnungsvoll in die Zukunft schauen. Ich möchte das alles unbedingt und so sehr, dass es weh tut. Ich würde es nicht ertragen, wenn es anders laufen sollte. Nicht noch einmal. Und nicht nachdem wir schon so weit gekommen sind. Nicht nachdem wir uns schon über unsere Zukunft mit Kind unterhalten haben, Pläne schmieden und Namenslisten anlegen. Ich möchte endlich diese unglaubliche Liebe fühlen, die ich jetzt schon in mir trage. Ich möchte dieses kleine Wesen in mir kennenlernen und aufwachsen sehen. Noch mehr Leid kann und will ich nicht ertragen. Der nächste Ultraschalltermin ist in zwei Wochen und ich habe schon 93438456345 mal drüber nachgedacht ob ich den Arzt anrufe und frage, ob ich einfach früher vorbeikommen darf um kurz das Mini zu sehen, auch auf eigene Kosten. Bisher war mein Glauben, dass alles gut ist, stärker als die Angst. Zwei Wochen sind auch nur 14 Tage und 336 Stunden. Wie gern würde ich mit dem Mini kommunizieren oder es endlich spüren, wie es andere Frauen bereits in der 17. Woche tun. Es kann aber noch gut drei oder vier weitere Wochen dauern bis es so weit ist.

Selbsthilfe gegen Wartezeit und Ängste

Ich helfe mir also mal wieder selbst, weil es niemanden gibt, der mit mir über diese Ängste spricht oder sie verstehen könnte. Und weil ich G. mit den Ängsten nicht anstecken will und diese daher mit ihm nicht offen teile. Er hat selbst gerade ganz andere Probleme, denn wenn man während Corona in der Event und Veranstaltungsbranche arbeitet und bald der Haupternährer unserer kleinen Familie sein soll, macht man sich natürlich viele viele Sorgen.

Was mache ich also gegen diese Ängste?

Erstens: Ich teile sie hier und mit Euch und schreibe sie auf.

Zweitens: Ich fahre eine der zwei langen Wochen mit einer guten Freundin in den Urlaub und bin dort hoffentlich von Sonne, Meer und gutem Essen abgelenkt.

Drittens: Ich darf heute Abend zur Hebamme, damit sie wieder Ihre Zauber Akupunkturnadeln bei mir setzt, die mich hoffentlich ein wenig beruhigen, aber was noch besser ist: Sie kann nach den Herztönen des Babys hören. Und eigentlich beruhigt mich nur das. Ich hoffe so sehr, dass es weiterhin laut und fleißig klopft und ich mir (mal wieder) umsonst Sorgen gemacht habe.

Meine erste und hoffentlich letzte IVF

Wir hatten es noch einmal auf natürliche Weise diesen Zyklus probiert. Wir wussten ganz genau wann mein Eisprung stattgefunden hatte und hatten uns zum richtigen Zeitpunkt sehr lieb. Wir hatten uns sogar mehrmals lieb. Bei den Hibbelhonks (ich liebe dieses Wort, was von Mamastisch kommt und bei mir als die Kinderwunschfreaks bekannt ist) heißt das dann „Bienchen setzen“. Ich weiß nicht warum man das in den Foren immer mit so einer Kindersprache umschreiben muss. Ich weiß, statt „lieb haben“ könnte ich auch Sex haben, miteinander schlafen oder bumsen schreiben, aber Bienchen? Really? (mehr …)

Nächste Station: IVF

Vor ein paar Wochen hatten wir in der Kinderwunschklinik einen Beratungstermin für eine IVF. Wir werden zwar natürlich schwanger, aber uns läuft ein wenig die Zeit davon, weswegen wir diese Art der künstlichen Befruchtung nun in Erwägung ziehen. Leider schützt die künstliche Befruchtung nicht vor einer Fehlgeburt, deswegen bin ich auch nicht so euphorisch, was diesen Weg angeht. Allerdings bin ich – trotz ständiger Zykluskontrolle – seit meiner letzten Ausschabung im September nicht mehr schwanger geworden. Das ist jetzt nicht so ungewöhnlich. Der Körper muss ja erst mal zurück in den Rhythmus finden und die jüngste und damit fruchtbarste bin ich ja nun auch nicht mehr. Mit Anfang 30 wäre ich da sicherlich entspannter, aber nun habe ich Angst, dass mein Zeitfenster bald abgelaufen ist, weshalb wir uns über die verschiedenen Möglichkeiten einmal informieren wollten. (mehr …)