Ich leide an AD ohne HS… oh schau mal ein Eichhörnchen!

Manchmal glaube ich echt ich habe ADHS. Also eigentlich nur AD ohne HS.

ADHS steht für Aufmerksamkeits Defizit Hyperaktivitäts Störung. Als hyperaktiv kann man mich nun weiß Gott nicht bezeichnen. Ich liebe es stundenlang in der Sonne zu liegen, ich schlafe gern mal bis zum Mittag und kann dann auch nicht gleich aufstehen (Ihr erinnert Euch an „Halt die Fresse und geh sterben?“) und zum regelmäßigen Sport muss ich mich immer ein bisschen zwingen. Hyperaktive Menschen sind mir auch immer ein bisschen suspekt. Vor der Arbeit ins Fitnessstudio?! Waaaaaas? Etwa um 5.30Uhr oder wann? Im schnellen Schritt zum nächsten Meeting? Nein, Danke! Ich laufe lieber langsam und lege einen Zwischenstopp in der Cafeteria ein. Und jeden Tag nach der Arbeit noch unterwegs sein kann ich auch nicht. Ich brauche meine chilligen Abende auf der Couch mit Schokolade und schlechtem Unterschichten TV. (Übrigens geht am Mittwoch wieder die Bachelorette in die Startlöcher und ich freue und schäme mich bereits jetzt schon gleichermaßen.)

Hyperaktivität kann man bei mir also locker ausschließen. Aber was ist mit dem Aufmerksamkeitsdefizit? Dieses äußert sich ja z.B. in einer schlechten Konzentration, leichter Ablenkbarkeit und Vergesslichkeit.

  • Schlechte Konzentration:

Letztes Wochenende habe ich Freunde in Würzburg besucht. Übrigens ein sehr hübsches Städtchen umgeben von wunderschönen Weinbergen, wo man bei freundlichen Winzern fabelhaften Wein kaufen und trinken kann. Die Sonne schien, ich hatte liebe Menschen um mich herum, einen guten Wein im Glas und das Leben schien ganz luftig leicht. Ein echtes Urlaubsparadies. T. und U. (meine Würzburger Freunde) haben dort alles was das Herz begehrt: ein schönes Haus mit Garten, ein Baby, viel Wein, grüne Wiesen… aber zurück zum Thema. Seht Ihr? Hier war schon der erste Hinweis, dass ich mich schwer auf ein Thema konzentrieren kann. Ich wollte Euch nämlich eigentlich etwas ganz anderes erzählen. Mein Zugticket hatte ich eine Woche vorher gebucht. Sparpreis. Bin ja ein kleiner Sparfuchs, wenns nicht grad um Klamotten und Sushi geht. Also letzten Freitag ab zum Bahnhof und noch mal Ticket-Doublecheck: Dummer Weiße fiel mir ca. 20 Minuten vor Abfahrt auf, dass ich die Richtungen vertauscht hatte. Mein Ticket ging am Freitag von Würzburg nach München und am Sonntag von München nach Würzburg. Schöner Schlamassel. „Umbuchung leider nicht möglich!“ erklärte mir der freundliche Herr am DB Schalter. Beim Schaffner versuchte ich es dann noch mal mit der Mitleidsschiene „Meine eigene Dummheit ist grenzenlos und ich habe eine schwere AD Störung. Können sie nicht noch einmal ein Auge zudrücken?“ Der Schaffner hatte Erbarmen mit mir und nahm mich zumindest bis Nürnberg kostenlos mit.

  • Leichte Ablenkbarkeit:

Beruflich bedingt sitze ich fast jeden Tag in irgendwelchen Meetings. Meistens schaffe ich es meinem Chef ca. 10 Minuten zu folgen, aber spätestens dann wenn er in seinen Informatikerslang verfällt und nur noch von Nullen und Einsen spricht schaltet mein Gehirn automatisch ab und switcht um auf Freizeitplanung. Soll ich nächste Woche frei nehmen und zum See fahren? Ich sollte mal wieder mit H. was trinken gehen und fragen wie es ihr geht nach ihrer Trennung. Diese Woche bin ich allerdings abends schon voll verplant. Nächsten Dienstag. Ja, das geht. Ich sollte ihr unbedingt eine Nachricht schreiben. Am besten sofort. Scheiße! Chef guckt mich an. Sieht aus als hätte er eine Frage gestellt. Mist! Ich stottere irgendwas von meinen Themen dahin. Irgendwas wird schon passen. Er lächelt. Katastrophe abgewendet.

  • Vergesslichkeit:

Montag. Ist ja prinzipiell schon mal nicht so mein Wochentag, aber soll ja keine Ausrede sein. Schließlich muss ich ja auch an einem Montag funktionieren. Also Montagmorgen ins Büro. Am Eingang des Gebäudes (immerhin nicht erst IM Gebäude) stelle ich fest, dass ich meinen Rechner vergessen habe. Also zurück nach Hause um das Ding zu holen und mal eben ca. 1,5 Stunden Hin- und Rückreise in Kauf nehmen. Weil ich aber ein cleveres Kerlchen bin, dachte ich, dass ich erst mal im Büro „Hallo“ sagen und zeige, dass ich nicht, so wie ich es auch gern hätte, ausgeschlafen habe. Ich könnte ja die nächsten 2 Stunden auch in einem Meeting sein. Also, Tasche abstellen und zurück zur Ubahn. Kurz vor meinem Ziel, stelle ich fest, dass in meiner Tasche (welche sich im Büro befindet) ja auch mein Hausschlüssel ist und ich somit keine Möglichkeit habe den Rechner zu holen. Die Konsequenz? Wieder zurück ins Büro. Schön wenn man seinen Vormittag mit Ubahn fahren verbringen darf. Ja ja! Meine Vergesslichkeit stufe ich mittlerweile als rot ein. Gefahr!

Während ich diesen Artikel schrieb habe ich übrigens

– Geschirr gespült
– Telefoniert
– Shopping Queen geguckt
– Spaghetti mit Ketchup und Butter (ja klingt für Euch eklig, aber ich finds lecker!) gekocht
– gegessen
– an G. gedacht und verträumt gelächelt
– mir überlegt was ich morgen Abend anziehe (mein neuer Jumpsuit kommt in die nähere Auswahl)
– und im WordPress Reader geschmökert (Danke für den sehr unterhaltsamen Artikel natasha neverland)

Ich muss außerdem zugeben, dass ich beim Schreiben und Recherchieren über diesen Artikel ein bisschen Angst bekommen habe. Je mehr ich über ADHS recherchiert habe, desto mehr finde ich mich in dem Teil von AD wider. Ich hoffe aber bis morgen habe ich das wieder vergessen und widme mich einfach wieder lustigen Youtube-Tier-Videos. Falls hier ein Arzt mitliest: Meinen Sie, ich sollte mich untersuchen lassen?

PS: Liebe Mitleser! Bitte nehmt den Beitrag hier, wie auch die Üblichen meiner Beiträge nicht zu ernst. Natürlich steckt viel mehr hinter ADHS und nicht bei jedem geht es so glimpflich wie bei mir aus.

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26 Kommentare

  1. Du bist nicht allein! Ich denke mir das auch immer. Allerdings auch nur AD. Sitze auf einer Wiese, um zu lesen. Habe bisher drei Seiten geschafft, weil da koennte ja was spannendes auf dem Handy passiert sein. Oh und Leute beobachten macht ja auch mehr Spass. Oder heimlich Gespraeche belauschen…jaja

      1. Und ich habe gerade einen anderen Post unterbrochen, um diesen Kommentar zu lesen. Vllt sollte ich noch was dazwischen schieben, ehe ich den kommentar verschicke. Ah ja. Wasser holen. Aber so weit…hmm

      2. Liebe Lucy, das ist aber eine logische Abfolge! Schlimmer wäre es, wenn Du Wasser holen wolltest, es aber aufgrund anderer wichtiger Sachen (Blumen pflücken, telefonieren, 4. Seite lesen, Leute gucken) nicht getan hättest. 😉

      3. Ich habe mich durch die riesige Gruppe an Asiaten ablenken lassen und wollte mir n Stueck Kuchen kaufen gehen. Aber die Cafeteria war schon zu. Deswegen hab ich es nicht erwaehnt

  2. Krass. Wenn ich einen Artikel schreibe, dann mache ich daneben meist folgendes:
    Musik hören.

    Das war die Liste. Verpasse deswegen auch mal eine Station oder zwei (Ja ich schreibe auch unterwegs).
    Aber ansonsten kommt mir das bekannt vor, wenn sich nur Phasenweise. Dann sperre ich mich auch mal 3 mal in einer Woche aus…😆

  3. Jetzt musste ich doch sehr breit grinsen: Hach ja, das kommt mir alles sooooo bekannt vor 😉 Eine Zeitlang habe ich dieses Hansdampf in allen Gassen derart exzessiv betrieben, dass mich ein Freund beim Öffnen des Chatfensters nicht mit „Hallo“ begrüßte, sondern mit „Na? Wie viele Chatfenster haben wir gleichzeitig offen? Wäsche auch schon fertig? Essen zubereitet? Hausaufgaben Deiner Söhne gemacht?“ 😀
    Aber nu ja… Das Alter kriegt uns alle – und damit wirds dann auch ruhiger 😉

  4. In Meetings schreibe ich regelmässig Shoppinglisten mit den Positionen 1. welche Klamotten fehlen noch in meinem Kleiderschrank und 2. welches Sushi brauche ich heute Abend. Check. Wenn ich dann beobachtet oder befragt werde spiele ich bullshit-bingo “ Ist das skalierbar für unsere Geschäftsmodelle? “ und so weiter und so fort 🙂

  5. ich weiß was Du meinst! und ich habe nicht nur selbst AD ich mag es auch nicht, wenn andere mir nicht genügend A schenken, dann habe ich auch ein D. Ohne A. Das ist doch die noch schlimmere Verlaufsform von AD oder?!
    Danke für den wunderbaren Blogbeitrag!!! 🙂

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