Kaiserschnitt.

Fast.

Nach 3,5 Tagen Quälerei und fast 24 Stunden geburtsrelevanter Wehen, einer PDA und vielen vielen Schmerzen, entschieden wir uns schließlich für den Kaiserschnitt, da sich der kleine Kopf von unserem Mini nicht drehen wollte.

Man half mir in ein sexy OP Hemd und schob mich aus dem Kreißsaal in den OP. Die diensthabende Hebamme Ilona meinte tröstend zu mir, dass ich fast natürlich hätte gebärt, schließlich war alles bereit und der Muttermund weit genug offen.

Fast.

Im OP war einiges los. Ich hatte irgendwie keinen Überblick wie viele Ärzte und Schwestern anwesend waren. Man begrüßte mich. Ich lächelte unter meiner Coronamaske ein gequältes Lächeln. G. sollte sich umziehen und kurz warten. Bei mir sollte zunächst die PDA neu aktiviert werden. Beim Kaiserschnitt wird man nur „unten rum“ betäubt und darf den Geburtsmoment trotzdem miterleben. Ein Tuch wurde über mir gespannt und einer der Ärzte testete mit Hilfe eines Wassersprays ob die Narkose wirkte.

Sie merkt es.

Sie wirkte (noch) nicht. Wir warteten erneut ein paar Minuten und er wiederholte den Test. Währenddessen zwickte mir jemand in den Bauch und ich zuckte zusammen und meckerte „AUA!“ Aufgeregt sagte die Stimme hinter dem Tuch: „Sie merkt es. Sie merkt es noch.“ Auch der Wassersprühtest schlug erneut fehl.

Ich hörte weitere Stimmen: „Machen wir eine Vollnarkose.“ – „Was ist mit Spinal?“ – „Wir haben keine Zeit mehr!“ Kurzes weiteres Gemurmel folgte und Ilona kam zu mir und meinte, dass wir eine Vollnarkose machen müssten, weil die verlegte PDA nicht mehr richtig wirken würde. Ich stimmte zu. Ich wollte nur endlich befreit werden. G. konnte aufgrund der Vollnarkose nun auch nicht dabei sein und wartete noch nichtsahnend umgezogen draußen, dass er dazu gerufen würde.

Dann kam auch schon jemand mit einer Sauerstoffmaske auf mich zu und kurze Zeit später war ich direkt weggeschlummert.

Als ich zu mir kam, schob man mich gerade zurück in den Kreißsaal, wo G. schon auf mich wartete. Ilona meinte, dass wir einen kerngesunden Sohn hätten, der bereits bei G. im Arm lag und meinte noch „ihr Mann macht das ganz toll.“ Ich war erleichtert. Er war gesund. Ob ich es auch war, war mir egal. Ich konnte in dem Moment nichts spüren, außer Erleichterung.

Als ich im Kreißsaal ankam, sah ich ihn direkt bei G. auf dem Schoß liegen. Ich wollte weinen, aber konnte es irgendwie nicht. Ein dicker Kloß steckte in meinem Hals. Diesen Anblick werde ich nie vergessen. G. sah so gerührt aus und legte ihn mir direkt in den Arm. Und ich war einfach nur krass überwältigt von allem was wir die letzten Stunden, Tagen und Jahren erlebt hatten. Ich hatte auf einmal soviel Liebe in mir für den kleinen Mann, aber auch für den großen.

Das ist jetzt also unser Sohn, auf den wir so lange gewartet haben. Jetzt ist er endlich da. Willkommen auf dieser Welt.

Ein Kommentar

  1. Ja, das ist ein crazy Moment, wenn dir ein Bündel Mensch gegeben wird, den du noch nie gesehen hast, der aber schon 9 Monate in deinem Bauch gechillt hat und man untrennbar miteinander verbunden war.

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