Schwangerschaftsdiabetes.

In der 31. Woche hatte ich wieder einen Termin bei Herrn Dr. Ruh. Gegen Ende der Schwangerschaft finden die Kontrollen aller 2 Wochen statt und das Prozedere ist meist gleich: Urin abgeben, Blutdruck messen, CTG schreiben, kurzes Hallo bei Herrn Dr. Ruh, Muttermund ertasten, Ultraschall, Auf Wiedersehen.  Ich bin mittlerweile viel entspannter bei den Besuchen und genieße vor allem die 20-30 Minuten auf der Liege während Herztöne und Wehentätigkeit gemessen werden. Dieses regelmäßige schnelle Klopfen ist Musik in meinen Ohren und entspannt mich mindestens genauso gut wie eine gute Yogastunde von Mady Morrison. #werbung

Dieses Mal stand der Zuckertest, welcher auch oraler Glukosetoleranztest (oGTT) genannt wird, an. Ich hatte in meinem Leben nie mit Übergewicht oder Bewegungsmangel zu kämpfen (eher das Gegenteil), noch liegt bei uns in der Familie eine Diabetesneigung vor. Daher machte ich mir hier keine großen Sorgen. Allerdings stellen ein höheres Alter bei der Geburt, als auch wiederholte Fehlgeburten allgemein ein erhöhtes Risiko für Gestationsdiabetes dar.

Zuckertest.

 Es gibt zwei verschiede Testarten mit Hife deren man Schwangerschaftsdiabetes erkennen kann. Der kleine und den große Zuckertest. Besonders der erste ist sehr umstritten, weil seine Aussagekraft nur gering ist und dadurch Diabeteserkrankungen in der Schwangerschaft oft übersehen werden. Ich sollte direkt den großen Zuckertest machen. Um ehrlich zu sein, war ich wieder mal so schlecht informiert, dass ich gar nicht wusste, dass es zwei verschiedene Testarten gibt. Wenn man den ersten allerdings weglässt, muss man den großen selbst zahlen. Das wusste ich auch erst nachher. Aber egal. Die 30 EUR hatte ich auch noch. Es werden drei Blutwerte genommen. Einer nüchtern, dann trinkt man 75ml Zuckerwasser, dann wird nach einer Stunde ein weiterer Wert gemessen und nach 2 Stunden noch ein letzter. Das Büro musste heute also warten.

Mein Nüchternwert war okay, der zweite auch, der dritte war allerdings zu hoch, was nicht sofort Alarm ausrief, aber mir doch eine Überweisung zum Diabetologen einbrachte. Hier findet Ihr übrigens noch mehr Infos zu dem Blutzuckertest und der Feststellung von Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes).

Ich machte also einen Termin mit Olga, der Diabetologin aus. Diese erklärte mir erst einmal mit ihrem russischen Akzent die Grundsätze der gesunden Ernährung. Nun ja, ganz blöd war ich ja nicht und wusste bereits, dass mein frühzeitiger Konsum von Lebkuchen im Oktober und das Nudossibrötchen am Morgen nicht so gut für mich und den Mini waren. Ich wurde mit einem Blutzuckermessgerät ausgestattet und sollte zukünftig 8x am Tag meine Werte prüfen. Ja, das macht man, indem man sich in den Finger sticht. ACHT MAL am Tag. Autsch. Aber hey, nachdem ich seit über einem Jahr mir täglich Blutverdünner spritze, die ersten 12 Wochen dazu noch Granocyte und wöchentliche Blutabnahmen überstehe, schaffe ich auch das.

Was sind die Gefahren bei unbehandelter Schwangerschaftsdiabetes?

Bleibt der Schwangerschaftsdiabetes unbehandelt, führt dies fünfmal häufiger zu Geburtsproblemen als bei nicht betroffenen Müttern. Der Schwangerschaftsdiabetes erhöht das Risiko, Bluthochdruck, Harnwegsinfekte oder Schwangerschaftsvergiftungen zu erleiden. Darüber hinaus haben die Schwangeren häufiger Fehlgeburten. Infolge des hohen Blutzuckers der Mutter produziert das Ungeborene mehr Insulin, das auch als Wachstumshormon wirkt. Die Babys haben dann häufig ein hohes Geburtsgewicht (Mini ist leider jetzt schon viel riesiger als der Durchschnitt) und kommen per Kaiserschnitt auf die Welt.

Ich schieb einen Affen.

Nach ein paar Tagen konnten Olga und ich die Messdaten auswerten. Ein paar Werte waren gut, die meisten grenzwertig und einige eben deutlich drüber. Nun heißt es also seit einigen Wochen:

Arrivederci Pasta, tschüss leckere Sesamsemmeln und Croissants, hasta la vista Bananen, Äpfel und Weintrauben, denn auch Obst enthält viel Fruchtzucker. Das ist nicht leicht, denn genau das waren und sind die kleinen Freuden der Schwangerschaft und besonders in einer Schwangerschaft während Corona. Und ganz besonders in einer Schwangerschaft während Corona und kurz vor Weihnachten, wo einem Lebkuchen, Plätzchen, Kinderpunsch und sonstiges an jeder Ecke anlächeln, ist Zucker kaum wegzudenken.

Ich bin auf Turkey (so hieß das bei Christian F.) oder „schiebe einen Affen“. Teilweise habe ich richtig schlechte Laune. Ich denke viel an Choco Crossis, gefüllte Lebkuchenherzen, Nutella (obwohl ich das wegen des verwendeten Palmöl schon lange nicht mehr esse), Apfelkuchen, Krapfen und Spaghetti. Puh, es tut weh. Sehr weh. Bisher bekomme ich die Werte aber reguliert und muss kein Insulin spritzen. Ab und zu ein paar Ausreißer: bei Haferflocken (wtf?) oder Waffeln (ja, okay!), welche ich mit langen Spaziergängen versuche zu kompensieren. Ich muss aber schon sagen, dass ein Kohlenhydratentzug deutlich härter ist, als ein Alkoholentzug. Im Moment mach ich jedenfalls beides parallel.

 Mini, Du schuldest mir was.

EDIT: Ein paar Tage später verschrieb Olga mir doch noch Insulin. Meine Blutzuckernüchternwerte am Morgen sind leider etwas zu hoch. Unser Mini gehört bereits zu den größeren und wiegt schon über 3000g. Da ich sonst meine Figur eher behalten habe, sieht die Murmel schon lustig an mir aus. Ich liebe sie, auch wenn es langsam alles etwas beschwerlicher wird. Mini darf ruhig noch ein wenig drin bleiben, aber wäre gut, wenn er etwas langsamer wächst. 😉

15 Kommentare

  1. Als Mama macht man echt was mit! 😮
    Ich kann mich gut an meine ehemalige italienische Arbeitskollegin erinnern, die ebenfalls Schwangerschaftsdiabetes hatte. Sie rief, während die Wehenabstände immer kürzer wurden, ihre Mama in Florenz an, sie solle ihr Bomboloni nach München (mit Vanillecreme gefüllte Berliner) bringen, denn gleich sei Mini da und sie könne wieder essen was sie will. 😄

    Alle Daumen sind gedrückt, dass die süßen Versuchungen nicht allzu häufig auftreten.

  2. Kopf hoch, Schwangerschaftsdiabetes ist zwar anfangs hart, aber es gibt Schlimmeres 😉 Ich hatte sie beim 2. Kind im Sommer, und ich bin ein Eis- und Schokojunkie 😉 Die Gynäkologin, die übrigens selbst SS-Diabetes hatte, hat mir dann ein paar Tipps gegeben. Beeren sind z. B. erlaubt, und ich habe mir dann selbst Eis aus gefrorenen Beeren und Jogurt oder Schlagobers gemacht, geht ganz schnell. Ist dann auch später super für Kleinkinder, die gerne Eis essen und die man nicht ständig mit Zucker füttern will. Hin und wieder mit Stevia süßen ist auch erlaubt (z. B. auch für Kuchen), und es gibt tatsächlich zuckerfreie Schokolade. Leider hatte ich wenig Zeit zum Selberbacken, weil Kind 1 und Job mich ziemlich vereinnahmt haben 😦 Das einzige Problem dabei war, dass ich ohne Kohlehydrate & Co viel Gewicht verloren habe, was auch nach der Geburt durch das Stillen problematisch war, ich hatte 3 Wochen nach der Geburt nur mehr 47 kg. Aber es ist alles relativ, während der SS mit dem ersten Kind hatte ich ständig Blutungen und so starke Bauchkrämpfe, dass ich ein paarmal umgekippt bin und mit der Rettung ins Spital musste… Lass‘ dich nach der Geburt ordentlich verwöhnen! Ich wünsch‘ dir jedenfalls alles Gute!

    1. Danke! Ja, sie sagen, ich soll nicht abnehmen und normal weiterlesen, aber bitte wenig Kohlenhydrate und keinen Zucker. Ohne das ist es für mich aber schwer „normal“ weiter zu essen.
      Musstest Du auch Insulin spritzen?

      PS die zuckerfreie Schoki hab ich schon entdeckt. Ist super lecker und ich merke keinen Unterschied.

      1. Hihi, die zuckerfreie Schoki war meine Rettung!

        Mir haben sie auch immer gesagt, ich muss zunehmen statt abnehmen. Wie ich das ohne Süßes und Kohlehydrate schaffen kann, haben sie mir aber nicht verraten. Die „Diätberatung“ im Spital war nur für Schwangere mit Übergewicht ausgelegt…

        Ich habe dann versucht, möglichst kalorienreich zu essen (Schlagobers mit Beeren und Schokosauce von zuckerfreier Schoki, Nüsse, manchmal selbst Gemachtes aus Vollkornmehl, Pizza selbst gebacken aus Vollkornmehl, Vollkornmehlquiche, Vollkornmehlflammkuchen, da darf dann auch Räucherlachs drauf, weil der eh erhitzt wird, Dinkelvollkornpalatschinken mit zuckerfreier Beerenmarmelade… etc) Man muss halt ausprobieren, was gut geht und die Zuckerwerte unten lässt. Ich hab auch einige Rezepte/Tipps im Internet gefunden.

        Ich musste glücklicherweise kein Insulin spritzen, obwohl ich mich bei den Zuckerwerten manchmal gefragt habe, ob es nicht einfacher gewesen wäre… Ich war so ein Grenzfall, vor allem wurde der Kleine immer viel zu schwer eingeschätzt, weil sein Kopf so groß war. Es war so eine Gratwanderung, auch, weil in der Diabetesambulanz im Spital jeder Arzt eine andere Meinung hatte… Aber ich habe meiner Gynäkologin und meiner Hebamme vertraut, und im Endeffekt haben sie die Situation richtig eingeschätzt. Es war auch leichter, weil es das zweite Kind war…

        Eigentlich wär’s ja eine gute Möglichkeit, die Ernährung langfristig gesünder zu gestalten, aber es funktioniert langfristig leider nicht. Sobald das Kind auf der Welt ist und man eh nicht viel Reserven in der Schwangerschaft hat und dann stillt, braucht man sehr, sehr viel Kalorien 😉

      2. Danke für die Tipps. Ich hab das Gefühl dass ich gar nicht mehr lange probieren kann, denn in ein paar Wochen ist es eh schon so weit. Musstest Du nach der Geburt weiter messen? Und gab es irgendwelche Auswirkungen aufs Kind?

  3. Ich hab jetzt nachgesehen, es waren bei keine 12 Wochen von der Feststellung der SS-Diabetes bis zur Geburt 😉 Hätte ich länger geschätzt… Ich finde, die zeitliche Wahrnehmung wird immer schlechter, wenn man Kinder hat, man lebt irgendwie im täglichen Hamsterrad ;-)))) Soweit ich mich erinnern kann, wurde der Blutzucker nach der Geburt noch einmalig überprüft, da kam nichts raus und das wars dann. Und auf das Kind hatte es keine Auswirkungen.

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